Die Brauerei Ludwig Mord Fürstenwalde war eine Brauerei in Fürstenwalde/Spree im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Sie gehörte zu den letzten eigenständigen Brauereibetrieben der Stadt und bestand von 1777 bis 1936.
Geschichte Die Brauerei entstand auf dem historischen Braugrundstück an der Ecke Mühlenstraße/Schloßstraße in Fürstenwalde, wo bereits seit dem Mittelalter Bier gebraut und ausgeschenkt wurde. Erste dokumentierte Brautätigkeiten datieren auf das Jahr 1777.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. So hieß sie ab 1875 Brauerei Wobring, ab 1889 Weißbier und Braunbierbrauerei Grasnick und ab dem 1. Oktober 1889 erwarb der Brauer Ludwig Mord das Grundstück und führte dort eine eigene Brauerei. Zu Ehren seines Namens und wegen seiner markanten Präsenz in der Stadt nannten die Fürstenwalder den Hof seither Mord’s Eck.
Unter der Familie Mord entwickelte sich der Betrieb zu einem regional bedeutenden Brauereibetrieb. Neben Bier wurden über Jahrzehnte auch andere Getränke wie Wein, Limonaden und Spirituosen gehandelt. Nach der Einstellung der direkten Bierproduktion im Jahr 1936 wurde der Standort weiterhin für Getränkeproduktion und -abfüllung genutzt. Das dort produzierte Bier wurde selbst während DDR-Zeiten u. a. bis nach Frankreich und die USA exportiert. Liköre wurden bis ins Jahr 1958 hergestellt.
Die Brauerei war typisch für die vielen kleinen kommunalen und familiären Brauereien, die im 18. und 19. Jahrhundert in Brandenburg weit verbreitet waren. Bis 1936 gehörte sie zu den letzten in Fürstenwalde aktiven Brauereien, bevor der industrielle Brauereisektor und größere Marken den lokalen Wettbewerb dominierten.
Nachnutzung Nach dem Auslaufen des Braubetriebs gingen Teile des Anwesens in unterschiedliche Nutzung über. Die Nachfahren der Familie Mord führten lange Zeit ein Getränkehaus am selben Standort weiter, das heute unter dem Namen Getränkehaus Mord besteht und neben Getränkespezialitäten auch ein privates Museum zur Geschichte des Hauses betreibt. Besucher können dort historische Exponate zur Brautradition und zur Brauerei besichtigen.
Architektonisch prägend ist der historische Innenhof mit seinem hölzernen Umgang, der als letzter erhaltener Hof dieser Art in der Fürstenwalder Innenstadt gilt und gelegentlich öffentlich zugänglich gemacht wird.
Kulturelle Bedeutung Das Anwesen Mord’s Eck gilt als ein wichtiger Teil der lokalen Braugeschichte Fürstenwaldes und spiegelt die lange Brautradition der Stadt wider, die im historischen Kontext des märkischen Bierbrauens vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert steht.
Heute wird die Braugeschichte der Stadt unter anderem im Rahmen von Veranstaltungen wie dem Tag des offenen Denkmals aufgearbeitet; hier ist das historische Brauereigelände regelmäßig Teil des Programms.
Sortiment Das Sortiment beinhaltete zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Besitzern Liköre sowie unter anderem Weißbier, Braunbier und Malzbier.
Weblinks Historische Bieretiketten der Brauerei
Einzelnachweise
Kategorie:Organisation (Fürstenwalde/Spree) Furstenwalde Kategorie:Unternehmensgründung 1777 Kategorie:Aufgelöst 1936