mini|W.H.D. Koerner, Öl auf Leinwand (1928)

Wilhelm Heinrich Detlev Körner (amerikanisiert als William Henry Dethlef Koerner, kurz W.H.D. Koerner oder „Big Bill“ Koerner; * 19. November 1878 in Lunden, Provinz Schleswig-HolsteinWilhelm Heinrich Detlef Körner im Haus der Bayerischen Geschichte; † 11. August 1938 in Interlaken, New Jersey) war ein deutsch-amerikanischer Maler und Illustrator. Neben Frederic Remington und Charles M. Russell war er einer der bedeutendsten Genremaler und Illustratoren des Wilden Westens. Von September 1902 bis Januar 1903 zeichnete Körner für die Sonntagsausgabe der Chicago Tribune den wöchentlichen Comicstrip Hugo Hercules, der als ein Vorläufer des Superhelden-Genres gilt.

Werdegang Herkunft Körner wurde 1878 in Lunden (damals Provinz Schleswig-Holstein) geboren. Er war eines von nur zwei Kindern der Familie (neben seiner Schwester Auguste), die die Kindheit überlebten. Im Jahr 1880 emigrierten seine Eltern mit ihm in die Vereinigten Staaten und ließen sich in Clinton, Iowa, nieder.

Ausbildung mini|Hugo Hercules vom 16. November 1902 Schon früh zeigte Körner künstlerisches Talent. Nach ersten autodidaktischen Schritten – darunter das Bemalen von Milchwagen für ein Honorar von fünf Dollar – zog er 1898 nach Chicago. Dort arbeitete er als Illustrator für die Chicago Tribune und zeichnete vom 7. September 1902 bis zum 11. Januar 1903 siebzehn Folgen seines Superheldencomics Hugo Hercules.Wilfried Hippen: Ein Dithmarscher geht nach Westen bei taz.de vom 4. November 2023 Um seine Technik zu verfeinern, studierte er an der Art Academy sowie am Art Institute of Chicago.

1903 heiratete er Lillian Lusk und zeichnet für das Magazin The Pilgrim. 1905 zog das Paar nach New York City. Dort besuchte Körner die Art Students League unter George Bridgman, der auch den späteren Haus-Illustrator der Saturday Evening Post, Norman Rockwell, unterrichtete.

Ein entscheidender Wendepunkt in seiner Ausbildung war 1907 die Aufnahme in die Schule von Howard Pyle, dem „Vater der amerikanischen Illustration“, in Wilmington, Delaware. Hier lernte er an der Seite von Größen wie N. C. Wyeth und Harvey Dunn und entwickelte seinen Stil.WHD Koerner 1878–1938 bei American Illustration

Karriere mini|A Charge to Keep (um 1916) Körner arbeitete für führende Magazine wie die Saturday Evening Post, The Popular Magazine, Harper’s Magazine, McCall’s und Redbook. Um 1916 entstand das Bild A Charge to Keep, das unter US-Präsident George W. Bush im Oval Office des Weißen Hauses hing und auch den Titel seiner Memoiren abgab.Super Cowboy in the White House bei The Patron Saint of Superheroes vom 19. Oktober 2015.

Lange Zeit war Körner thematisch breit aufgestellt, bis er zwischen 1919 und 1922 den Auftrag erhielt, die Fortsetzungsgeschichte The Covered Wagon von Emerson Hough für die Saturday Evening Post zu illustrieren. Da er den Westen der USA zu diesem Zeitpunkt noch nicht selbst besucht hatte, begann Körner intensive historische Recherchen. Infolgedessen entstand auch sein ikonischstes Bild Die Madonna der Prärie (1922), das in der Verfilmung von The Covered Wagon (1923) mit Lois Wilson als Molly Wingate nachgestellt wurde. Das Sujet faszinierte Körner so sehr, dass er sich fortan fast ausschließlich dem Wilden Westen widmete. Ab 1929 arbeitete er nahezu exklusiv für die Saturday Evening Post.W.H.D. Koerner bei Saturday Evening Post (englisch)

Insgesamt schuf Körner in seiner Karriere über 2.600 Gemälde und Illustrationen, darunter Bilder für mehr als 200 Western-Geschichten und zahlreiche Buchillustrationen für Autoren wie Zane Grey und Eugene M. Rhodes.WHD Koerner 1878–1938 bei American Illustration

Stil und Einfluss Körners Werk zeichnet sich durch einen kräftigen Pinselstrich und eine lebendige Farbpalette aus. Besonders beeinflusst wurde sein Farbeinsatz durch Maxfield Parrish, dessen surreale Lichtstimmungen (leuchtendes Orange, Kobaltblau, violette Himmel) Körner in seine Darstellungen der westlichen Landschaften integrierte.WHD Koerner 1878–1938 bei American Illustration

Seine Bilder gelten als authentische und zugleich romantisierende Dokumente der Frontier-Ära. Sie prägten die visuelle Vorstellung des Wilden Westens in der amerikanischen Popkultur so nachhaltig, dass sie später als direkte Vorlage und Inspiration für das Szenenbild zahlreicher Westernfilme, wie The Covered Wagon von 1923, dienten.

Tod Nach einer dreijährigen schweren Krankheit verstarb Körner 1938 im Alter von 59 Jahren an einer Hirnblutung. Sein Erbe wird heute vor allem im Buffalo Bill Center of the West in Cody, Wyoming, bewahrt. Das Museum unterhält seit 1978 eine ständige Ausstellung seines Werks, in der auch sein originales Atelier inklusive seiner Sammlung westlicher Artefakte (Sättel, Hüte, Requisiten) originalgetreu rekonstruiert wurde.Peter H. Hassrick: W.H.D. Koerner im Buffalo Bill Center of the West (englisch)

Galerie

Werke (Auswahl) Hugo Hercules Von September 1902 bis Januar 1903 zeichnete Körner für die Sonntagsbeilage der Chicago Tribune den wöchentlichen Comicstrip Hugo Hercules. Der Halbseiter gilt als Vorläufer des Superhelden-Genres, da der Protagonist Hugo Hercules übermenschliche Kräfte besitzt und jede Aufgabe mit einem Kraftakt löst. Der Comicstrip brachte es auf 17 Fortsetzungen.Wilfried Hippen: Ein Dithmarscher geht nach Westen bei taz.de vom 4. November 2023

Illustrationen 1904: Titelillustration The Pilgrim vom November 1904 1915: Titelillustration The Popular Magazine vom 7. Mai 1915 1915: Titelillustration The Popular Magazine vom 23. Juli 1915 1916: A Charge to Keep, Öl auf Leinwand 1918: Maisfeld, Öl auf Leinwand 1922: Die Madonna der Prärie, Öl auf Leinwand 1922: The Swamper, Öl auf Leinwand 1925: Morning Ma’am, Öl auf Leinwand 1926: Caught in the Spotlight, Öl auf Leinwand 1926: Entenjäger, Öl auf Leinwand 1931: Painted Pony, Titelillustration The Saturday Evening Post vom 24. Oktober 1931 1932: The Snow Eddied and Whirled about the Men, Öl auf Leinwand 1932: The Homesteaders, Öl auf Leinwand 1933: Miner and Donkeys, Titel The Saturday Evening Post vom 27. Mai 1933 1934: Plains Indians, Titel The Saturday Evening Post von 3. März 1934 1936: Dancing Warrior, Titel The Saturday Evening Post vom 4. April 1936

Dokumentarfilm Hugo Hercules & The Wild West: The Artist W.H.D. Koerner. Regie: Martina Fluck mit Tim Eckhorst, Deutschland 2023, 88 Minuten.

Literatur William Henry Hutchinson: World, the Work, and the West of W.H.D. Koerner. University of Oklahoma Press, 1979. Gerd Stolz: W.H.D. Koerner. Der Maler des „Wilden Westens“ aus Dithmarschen. Herausgegeben von Verein für Heimatgeschichte im Kirchspiel Lunden. Husum Verlag, 2003, ISBN 978-3-89876-109-3.

Weblinks

Wilhelm Heinrich Detlef Körner im Haus der Bayerischen Geschichte W.H.D. Koerner bei Sullivan Goss (englisch) Wilfried Hippen: Ein Dithmarscher geht nach Westen bei taz.de vom 4. November 2023 Interview: SH Schnack mit Dokumentarfilmerin Martina Fluck auf NDR.de vom 1. Juni 2024

Einzelnachweise

Kategorie:Maler (Vereinigte Staaten) Kategorie:Illustrator (Vereinigte Staaten) Kategorie:Comic-Zeichner (Vereinigte Staaten) Kategorie:Pferdemaler Kategorie:Genremaler Kategorie:Wilder Westen (Bildende Kunst) Kategorie:Person (Wilder Westen) Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Person (Clinton, Iowa) Kategorie:Person (Dithmarschen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1878 Kategorie:Gestorben 1938 Kategorie:Mann