mini|hochkant|Album Hollands Lustpark Honslaardijk (Titel auf Objekt), bezogen mit Gustavmarmor mini|hochkant|Buntpapiersammlung Ernst Seegers, Etikette der Gruppe Gustav-Marmor, Deutschland 1852–1895 mini|hochkant|Gustavmarmorpapier (Ausschnitt) mini|hochkant|Gustavmarmorpapier (Ausschnitt) mini|hochkant|Gustavmarmorpapier (Ausschnitt) mini|hochkant|Gustavmarmorpapier (Ausschnitt) Gustavmarmorpapier, auch Gustav-Marmor genannt, ist eine durch Spritztechnik handwerklich oder maschinell hergestellte Buntpapiersorte.Susanne Krause: Sprenkelpapier. In: Julia Rinck und Susanne Krause: Handbuch Buntpapier. Hauswedell, Stuttgart 2021, S. 258–271. Paul Kersten datierte das erste Auftreten von Gustav-Marmor auf das Jahr 1852.Paul Kersten: Die Geschichte des Buntpapiers, Sonderdruck 1938, S. 5. Gustavmarmor wurde laut Richard J. Wolfe nach dem sehr populären schwedischen Prinzen Franz Gustav von Schweden benannt, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Komponist aktiv war und am 24. September 1852 verstarb.Richard J. Wolfe: Marbled paper: its history, techniques, and patterns; with special references to the relationship of marbling to bookbinding in Europe and the Western world. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 1990, S. 114. Der Schweizer Buchbindermeister Hans Enderli erklärte hingegen 1971 in seinem häufig zitierten Buntpapierbuch, die Herkunft dieser Sortenbezeichnung habe ihn seit seiner Lehre beschäftigt.Hans Enderli: Buntpapiere. Geschichte und Rezepte des Buntpapiers. Schneebeli, Winterthur 1971, S. 59.

Die Varianten „Glatt gepreßt Gustav-Marmor“ bzw. „Feinst gepreßt Gustav-Marmor“ in den Formaten Grand raisin (51 × 61 cm) und Löwen (40 × 48½ cm) lassen sich 1865 in einer Preisliste der Aktien-Gesellschaft für Buntpapier- und Leimfabrikation in Aschaffenburg nachweisen.Ch. F. G. Thon: Die Kunst Bücher zu binden, oder die Buchbinderkunst auf ihrem neuesten Standpuncte. 6. Auflage, Band 2, Voigt, Weimar 1865, S. 54.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg findet sich diese Beschreibung der Gestaltungsvielfalt:

Basis der Musterbildung sind chemische Reaktionen zwischen einer Grundierung, einem Vorstrich sowie zwei aufgespritzten Mischungen, wie sie im „Weichelt“ anhand eines eingefügten Musters erläutert werden.

Das grundierte Papier lief in einer abgeänderten Streichmaschine von der Rolle bis zu einer Sprenkelanlage. Das Basispapier war dünn und holzhaltig, es wurde nach der Musterung in Friktionskalandern hochglänzend gepresst und zählte wegen der einfachen Herstellung und der billigen Rohmaterialien zu den preisgünstigsten Einbandmaterialien.Gabriele Grünebaum: Buntpapier. Geschichte, Herstellung, Verwendung. DuMont, Köln 1982, S. 58.

Im Zentralblatt für Bibliothekswesen fand sich 1891 eine günstige Beurteilung: „Nach Anstellung von Versuchen scheint sich auch für vielgebrauchte Bücher Gustavmarmor zu empfehlen“.Paul Ladewig: Über Tarifirung von Bucheinbänden. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen. 8 (1891), Heft 12, S. 529–550, hier S. 535. Paul Kersten weist dem Gustav-Marmor, „der für einfache Halbfranz- und Bibliotheksbände Verwendung findet“, eine größere Haltbarkeit als dem Kleister-Marmor, dem Achat-Marmor, dem Türkisch-Marmor oder dem Griechisch-Marmor zu; „er kostet je nach Qualität im Format 51×61 cm ca. 50 bis 70 M. pro 1000 Bogen.“Paul Kersten: Die Buchbinderei und das Zeichnen des Buchbinders für Fortbildungs- und Handwerkerschulen. Knapp, Halle a.S. 1909, S. 15.

Diese Musterung blieb bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts beliebt, nicht zuletzt deshalb, weil sie bei Zeitschrifteneinbänden auch in optischer Hinsicht sehr robust war. Innovative Buntpapiersorten bewirkten jedoch in den 1920er Jahren einen Imageverfall des Gustavmarmorpapiers.

Ein reichhaltiger Bestand von 60 verschiedenen Musters aus den Jahren 1852 bis 1895 befindet sich in der Buntpapiersammlung Ernst Seegers im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

Das Findbuch der Sammlung Hübel des Deutschen Museums bezeichnet als Hersteller der darin enthaltenen Gustavmarrmorpapiere die Actien-Gesellschaft für Buntpapier- und Leimfabrikation, Aschaffenburg, die Akt.-Ges. für Buntpapier, Aschaffenburg, die Buntpapierfabrik A. Nees & Co., Aschaffenburg und die Bunt- und Luxuspapierfabrik Goldbach.Deutsches Museum, Archiv: Findbuch des Archivs des Deutschen Museums, München, PhS 02 Buntpapiersammlung Felix Hübel, Stand: 09.08.2023, S. 353–370. PDF

Enderli belegt mit Originalmustern sowohl handgespritzte als auch maschinell gefertigte Formen des Gustav-Marmors.Hans Enderli: Buntpapiere. Geschichte und Rezepte des Buntpapiers. Schneebeli, Winterthur 1971, S. 60, Nr. 64–69 und S. 61, Nr. 70.

Einzelnachweise

Kategorie:Buntpapiersorte