Salome mit dem Haupt Johannes’ des Täufers an der Tafel des Herodes oder Gastmahl des Herodes ist ein Gemälde von Lucas Cranach dem Jüngeren aus dem Jahr 1537. Es ist der Epoche der Renaissance zuzuordnen und stellt in ausgeschmückter Weise eine Szene aus der Bibel dar. Grundlage sind Berichte aus dem Evangelium nach Markus (Kapitel 6, Verse 17 bis 29) und dem Evangelium nach Matthäus (Kapitel 14, Verse 3 bis 12). Das Bild befindet sich seit 1657 in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. In der älteren Literatur wird das Gemälde teilweise Lucas Cranach dem Älteren zugeschrieben oder zumindest eine Bearbeitung durch diesen in seiner Werkstatt angenommen.

Beschreibung und Hintergrund Das Gemälde hat die Maße 82,5 × 121 × 1,4 cm und ist in Mischtechnik auf Buchenholz gemalt. 1657 kam es durch den Kurfürsten Johann Georg II. (Sachsen) in die Dresdner Kunstkammer und befindet sich seitdem in Staatseigentum. Seit 1832 ist es in der Gemäldegalerie nachweisbar und gehörte bis 1907 zur ständigen Ausstellung. Bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg befand es sich als Dauerleihgabe im Rathaus von Mylau (heute Rechenbach im Vogtland). Nach 1945 blieb es in Sachsen, verschwand aber aus Platzmangel aus der ständigen Ausstellung der Gemäldegalerie. Von 1972 bis 1995 hing es zusammen mit anderen Cranach-Bildern im Schlossmuseum Weimar. Cranachs Signatur befindet sich oben rechts und zeigt die aus seiner Werkstatt bekannte gekrönte und geflügelte Schlange mit der Datierung 1537.

Cranach stellt in seiner Version das Martyrium Johannes des Täufers in einen makabren Zusammenhang dar; es sind die Feierlichkeiten zum Geburtstag des Königs Herodes. Nach der Hinrichtung Johannes des Täufers wird sein abgeschlagenes Haupt von Salome auf einem silbernen Teller der Festgesellschaft präsentiert. Auf einem ähnlichen Teller befindet sich Obst. Diese grausige Darbietung des abgeschlagenden Hauptes widerspricht allerdings den Berichten der Bibel. Die Evangelisten Matthäus und Markus erwähnen Salome nicht im Zusammenhang mit der Hinrichtung Johannes’. Cranach nutzt die Szene also, um sein ganzes künstlerischen Können durch Ausschmückungen und erfundenen Details der Geschichte dem Publikum zu zeigen. Die wichtigen Personen dieser grausigen Szene sind um den Teller mit dem Haupt des Johannes platziert. Es sind dies König Herodes, mit erhobener entsetzt abwehrender rechter Hand, seine Enkelin Herodias, die einen eher emotional ungerührten Gesichtsausdruck zur Schau trägt und die mit einem erhobenen Messer in der rechten Hand und einem verschlagen wirkenden Gesichtsausdruck das blutige Haupt präsentierende Salome, Herodes’ Stieftochter. Das Gesicht des Johannes hat einen leicht geöffneten Mund und halb geschlossene Augen, die auf die Betrachtenden des Gemäldes gerichtet sind. Rechts neben Salome, den Blick nach oben abgewandt, porträtierte Lucas Cranach seinen Vater. Die grausige Wirkung dieses Bildes wird noch verstärkt durch den in der Komposition ähnlich ausgeführten und etwas höher platzierten Teller mit Früchten, Obst und Nüssen für die Festgesellschaft. Die Person ganz links im Bild hält mit der reichten Hand ihren Hut, greift aber mit der Linken zum Schwert. Das weist in verstärkender Weise noch einmal auf die Hinrichtung des Johannes hin. Mit diesen stilistischen Mitteln erzielt der Künstler eine starke Wirkung.

Mögliche Vorlagen

Inspiriert zu diesem Gemälde wurde Cranach offenbar durch die Komposition der Szene auf einem Holzschnitt Das Gastmahl des Herodes von Lucas van Leyden, der sich um 1513/14 ebenfalls mit dem Mythos Salome befasste. Blätter des Holzschnitts aus seiner Werkserie Vrouwenlisten (die List der Frauen) befinden sich im Rijksmuseum Amsterdam und im British Museum, London.

Das Bild weist zudem eine starke Ähnlichkeit mit dem Gemälde Judith an der Tafel des Holofernes aus dem Jahr 1531 auf, auf dem Judith (an der Position der Herodias) mit dem Holofernes an derselben Tafel sitzen sieht. Beide zeigen in etwa die gleiche Haltung wie an der Tafel des Herodes. Im Hintergrund im Zelt ist sie mit dem Haupt des Holofernes zu sehen, dass sie gemeinsam mit ihrer Dienerin in einem Beutel verstaut. Die Szenerie im Vordergrund scheint hier als Vorlage gedient zu haben.

Cranachs Bilder gehörten zu einer Serie zum Thema „Macht der Frauen“, die der Kurfürst Johann Friedrich für Schloss Hartenfels in Torgau bestellt hatte.Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und Museumslandschaft Hessen Kassel (Hrsg.): Bild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation. Ausstellungskatalog, Morio Verlag, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-945424-09-4, S. 218 ff. Cranachs Lieferung umfasste neben diesem Gemälde noch 17 weitere, die 1657 in die Dresdner Kunstkammer gelangten. Diese Werke stellten Themen wie David und Bathseba, Simson und Deliba und Salomos Götzendienst dar. Alle wurden auf Lindenholz gemalt, nur dieses Gemälde führte Cranach auf Buchenholz in einem anderen Format aus.Karin Kolb: Cranach. Mit einem Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Wienand Verlag Köln 2005, ISBN 3-87909-876-X. S. 297 ff.

Der dargestellte Herodes ist im Aussehen (Bartform und Haare) und der Tracht (mit Pelzbesatz) vermutlich dem damaligen sächsischen Kurfürsten Friedrich III. (1463–1525) oder dessen Bruder und Nachfolger Johann der Beständige (1468–1532) nachempfunden, die Cranach d. Ä. mehrfach porträtierte.

Weitere Fassungen Es existieren mehrere recht ähnliche Fassungen von dieser Szene, die sich in unterschiedlichen Museen befinden.CorpusCranach: Gastmahl des Herodes (uni-heidelberg.de). 1531: Hartford, Wadsworth Atheneum (Inv. Nr. 1936-339 81,3 × 119,7 cm, Holz) 1533: Frankfurt am Main, Städel Museum (Inv. Nr. 1193 79,5 × 112,6 cm, Lindenholz)Gastmahl des Herodes, 1533 (staedelmuseum.de). 1534: VerschollenDas Gastmahl des Herodes, 1534 (lucascranach.org). 1539: Wien, Kunsthistorisches Museum (Inv. Nr. GG 3567 83,5 × 82 cm, Buchenholz, Teilbild, rechte Bildseite fehlt)

Ausstellungen (Auswahl) Oktober bis November 1937: Lucas Cranach der Ältere und der Jüngere – Ausstellung von Werken aus dem Besitze der Staatlichen Sammlungen (Dresdner Museumswoche von der Staatlichen Gemäldegalerie und dem Staatlichen Kupferstichkabinett) Juli bis Oktober 1953: Lucas-Cranach-Ausstellung Weimar und Wittenberg (Katalog-Nr. 66).Heinz Lüdecke, Walther Scheidig (Hrsg.): Lucas Cranach Ausstellung. Weimar und Wittenberg. Haag-Drugulin, Leipzig 1953 (lucascranach.org). 22. Juni bis 15. Oktober 1972: Lucas Cranach 1472–1553. Ein großer Maler in bewegter Zeit, im Schlossmuseum Weimar Lucas-Cranach-Galerie, Weimar (Katalog-Nr. 60)Lucas Cranach 1472–1553. Ein großer Maler in bewegter Zeit 1972 (lucascranach.org). 15. Juni bis 8. September 1974: Lukas Cranach – Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik Kunstmuseum Basel 13. November 2005 bis 12. März 2006: Cranach in den Kunstsammlungen Chemnitz

Literatur Harald Marx, Ingrid Mössinger: Cranach. Mit einem Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Wienand Verlag Köln 2005, ISBN 3-87909-876-X. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und Museumslandschaft Hessen Kassel (Hrsg.): Bild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation. Ausstellungskatalog, Morio Verlag, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-945424-09-4. Michael Hofbauer: Corpus Cranach. Lucas Cranach I und Lucas Cranach II Verzeichnis der Gemälde unter Berücksichtigung von Werkstattumfeld und Epigonen. Heidelberg 2022, ISBN 978-3-9850106-0-8, doi:10.11588/arthistoricum.721, S. 68.

Weblinks Cranach Digital Archive mit umfangreichen wissenschaftlichen Informationen zu diesem Bild

Einzelnachweise

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