mini|Karte mit Darstellung der Aufteilung des Königreichs Murcia zwischen Kastilien und Aragón gemäß den Regelungen im Schiedsspruch von Torrellas und im Vertrag von Elche Der Schiedsspruch von Torrellas war eine am 8. August 1304 in Torrellas in der Provinz Saragossa zwischen Vertretern der Krone von Kastilien, der Krone von Aragonien und dem Königreich Portugal geschlossene Vereinbarung zur Regelung der umstrittenen kastilischen Thronfolge nach dem Tod König Sanchos IV. und zur Festlegung der Grenzen des Königreichs Murcia.

Vorgeschichte Da die Ehe Sanchos IV. mit Maria de Molina nicht die nötige päpstliche Dispens erhalten hatte, galt sie als illegitim. Daher wurde die 1295 erfolgte Thronfolge von Sanchos minderjährigem Sohn Ferdinand IV. von einigen seiner Verwandten nicht anerkannt. Insbesondere ein jüngerer Bruder Sanchos IV., der Infant Juan von Kastilien, und der nach dem Tod Alfons’ X. übergangene Thronerbe Alfonso de la Cerda meldeten eigene Thronansprüche an. Alfonso wurde in seinen Bestrebungen von König Jakob II. von Aragón unterstützt. In der Folge brach 1295 ein Krieg zwischen Kastilien und Aragón aus, in dessen Verlauf Jakob II. den Großteil des Königreichs Murcia besetzte. Im Juni 1300 gelang der Regentin Maria de Molina die Aussöhnung mit dem Infanten Juan.

Vertragsinhalt Ab 1303 wurden längere Verhandlungen geführt, um den aragonisch-kastilischen Krieg zu beenden. Sie führten zum Schiedsspruch von Torrellas, der vom portugiesischen König Dionysius, vom Erzbischof von Saragossa, Jimeno de Luna, als Vertreter der Krone von Aragón und vom kastilischen Infanten Juan als Vertreter König Ferdinands IV. verkündet wurde.César González Mínguez: Fernando IV de Castilla (1295–1312): Perfil de un reinado, in: Espacio, Tiempo y Forma, Serie III, Historia Medieval, Madrid 2004, S. 223–244, hier: S. 233. Die Vertragsbestimmungen verpflichteten Alfonso de la Cerda zum künftigen Verzicht auf seine Thronansprüche und des Gebrauchs des königlichen Wappens und Siegels. Als Entschädigung erhielt er zahlreiche Herrschaften und Besitztümer, die quer über ganz Kastilien und León verstreut waren, um die Bildung eines zusammenhängenden riesigen Territorialguts innerhalb des Reichs Ferdinands IV. zu verhindern. Zu den Alfonso übertragenen Gebieten gehörten u. a. Alba de Tormes, Béjar, Valdecorneja, Monforte de Lemos, Gibraleón sowie das königliche Gut El Real de Manzanares. Außerdem erhielt er weitere Gebiete und Einkünfte in Córdoba, Bonilla, Toledo, Madrid und Medina del Campo. Ferdinand IV. verpflichtete sich darüber hinaus, dass er für den Fall, dass die Alfonso zugewiesenen Güter nicht ein Jahreseinkommen von 400.000 Maravedís abwarfen, weitere Territorien hinzufügen würde, die zum Erreichen der genannten Summe genügten.César Marino González Mínguez: Alfonso de la Cerda. In: Diccionario biográfico español. Madrid 2009–2013 ( Online-Version).

Die im Schiedsspruch von Torrellas ebenfalls festgelegte Aufteilung des Königreichs Murcia zwischen Kastilien und Aragón wurde wegen der ungenauen Grenzziehung durch den Vertrag von Elche (Mai 1305) präzisiert. Von seinen Eroberungen im Königreich Murcia durfte Jakob II. die Gebiete nördlich des Río Segura behalten. Dazu gehörten u. a. die Städte Alicante und Orihuela.César Marino González Mínguez: Fernando IV de Castilla. In: Diccionario biográfico español. Madrid 2009–2013 (Online-Version).

Literatur César Marino González Mínguez: Alfonso de la Cerda. In: Diccionario biográfico español. Madrid 2009–2013 ( Online-Version). Klaus Herbers: Geschichte Spaniens im Mittelalter. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-018871-2, S. 241 und 252.

Anmerkungen

Kategorie:Krone von Kastilien Kategorie:Politik 1304 Kategorie:Völkerrechtlicher Vertrag (Königreich Kastilien) Kategorie:Völkerrechtlicher Vertrag (Königreich Aragón)