Das Lindenhof Keramik-Museum war ein Museum, das von 2003 bis 2023 im Brachttaler Ortsteil Streitberg in Hessen bestand. Es wurde vom Sammlerehepaar Klaus-Dietrich und Marlies Keßler aufgebaut. Nach ihrem Tod wurde der Museumsbetrieb eingestellt. Die seither in Verwahrung befindliche Sammlung gilt als bedeutende Referenzsammlung der Waechtersbacher Keramik.

Sammlung Grundlage des Museums war eine über Jahrzehnte gewachsene Sammlung von mehreren tausend Objekten mit Schwerpunkt auf der Produktion der Wächtersbacher Steingutfabrik im Brachttaler Ortsteil Schlierbach. Präsentiert wurden Keramiken vom Historismus über Jugendstil und Art déco bis in die Nachkriegszeit, darunter Entwürfe bedeutender Gestalter ebenso wie serielle Gebrauchskeramik und Musterstücke.

Nach der Museumsschließung wurde die Sammlung inventarisiert und befindet sich seitdem in Verwahrung im Depot des Main-Kinzig-Kreises. Sie steht perspektivisch für eine wissenschaftliche Bearbeitung und für Ausstellungen zur Verfügung. Die Sammlung gilt als bedeutendes Referenzkonvolut zur Geschichte der Wächtersbacher Keramik.

Geschichte Die Museumsbetreiber Klaus-Dietrich Keßler (* 22. Mai 1935; † 19. November 2022) und Marlies Keßler (* 15. Oktober 1944; † 26. September 2023) erwarben den Lohrei-Hof in Streitberg und nannten ihn Lindenhof. Nach der Museumsetablierung entwickelte sich der Lindenhof zu einem Ausstellungs- und Dokumentationsort. Die ursprünglich in einer Scheune präsentierten Bestände wurden räumlich nach Produktionsphasen und Themen differenziert, sodass sich ein Ensemble aus mehreren Ausstellungsbereichen herausbildete. Neben der Hauptausstellung entstanden zusätzliche Präsentationsräume für Keramik der Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit sowie für historische Wohn- und Küchensituationen. Dadurch konnten gestalterische Entwicklungen der Wächtersbacher Steingutfabrik im Zusammenhang mit Alltagskultur sichtbar gemacht werden. Ein Teil der Sammlung gelangte in den Lindenhof, als Bestände der Fabrik und ihres Archivs aufgelöst wurden. Dadurch übernahm das Museum zunehmend eine bewahrende Funktion für verstreutes materielles Erbe.

Inhaltlich verschob sich der Schwerpunkt von der reinen Sammlungspräsentation hin zu einem Ort der Vermittlung und Vernetzung. Vorträge, thematische Ausstellungen und Kooperationen mit Sammlern, Forschern und regionalen Einrichtungen zielten darauf, die Keramikproduktion als Bestandteil der Industrie-, Design- und Sozialgeschichte der Region zu erschließen. Dabei wurde wiederholt die Idee verfolgt, die verschiedenen Keramik-Sammlungen und musealen Initiativen im Umfeld stärker miteinander zu verbinden und in größere Konzepte der Industriekultur einzubinden. Das Museum fungierte nicht nur als Ausstellungsort, sondern auch als Plattform für Austausch, Forschung und regionale Bildungsarbeit.

Der Lindenhof blieb eng an die persönliche Initiative seiner Betreiber gebunden. Die Sammlung wurde kontinuierlich erweitert, systematisiert und für Besucher zugänglich gemacht, während zugleich Perspektiven für ihren langfristigen Erhalt diskutiert wurden. In diesem Zusammenhang wurde das Museum zunehmend als Referenzbestand wahrgenommen, der gestalterische Entwicklungen der Wächtersbacher Keramik über einen langen Zeitraum nachvollziehbar dokumentiert und damit eine Grundlage für zukünftige wissenschaftliche Bearbeitung und öffentliche Präsentation bildet.

Kulturpreis 2022 erhielten die Museumsbetreiber Klaus-Dietrich und Marlies Keßler den Sonderpreis des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises für ihr langjähriges Engagement zur Erforschung und Bewahrung der Wächtersbacher Keramik.Sonderpreis: Klaus-Dietrich und Marlies Keßler für das Lindenhofmuseum. (YouTube) In: Main-Kinzig-Kreis, 20. Januar 2023. Mit dem Aufbau des Lindenhof Keramik-Museums wurde ihre über Jahrzehnte gewachsene Sammlung öffentlich zugänglich und zu einem Ort regionaler Industriekultur. Die Auszeichnung würdigte das Lebenswerk der Betreiber, das Sammelleidenschaft, wissenschaftliche Aufarbeitung und ehrenamtliche Vermittlung verband und überregionale Beachtung fand.

Einzelnachweise

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