Ludwig Strauß (geb. 30. Oktober 1855 in Niederkirchen; gest. 17. Januar 1942 im Internierungslager Récébédou) war ein deutscher Realschullehrer, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Bad Dürkheim und Mitglied im Bad Dürkheimer Stadtrat.
Leben Ludwig Strauß war der Sohn des Schuhmachers David Strauß und seiner Ehefrau Regina Strauß, geborene Heymann. Er besuchte nach seiner Volkschulausbildung die Kreisrealschule in Kaiserslautern, anschließend die dortige königlich-bayerische Lehrer-Bildungs-Anstalt und erhielt 1875 auf Vermittlung des damaligen Kreisschulreferenten der Pfalz, Rudolph von Roman, eine Anstellung als Lehrer an der privaten Bärmannschen Realschule in Bad Dürkheim. Später betrieb er nebenbei noch mit seiner Ehefrau Klara zusammen eine Knabenpension für auswärtige Schüler in seinem Haus in der Hinterbergstraße 36. Darüber hinaus engagierte er sich vor allem in der jüdischen Gemeinde. Seit 1906 war er im Vorstand der Bad Dürkheimer Synagogengemeinde tätig, ebenso seit 1917 in der jüdischen Gesamtgemeinde der Pfalz sowie seit 1920 im Bezirksrabbinat Dürkheim–Frankenthal. Er war langjähriges Mitglied in weiteren weltlichen Bad Dürkheimer Vorständen, wie beispielsweise des Gewerbevereins, des Wissenschaftlichen Vereins und der Volksbank. Zudem leitete er als leidenschaftlicher Musiker die Chöre der Bad Dürkheimer Liedertafel sowie des dortigen Arbeiterbildungsvereins und war Mitglied in der Johann Casimir-Loge Nr. 13 von Bayern in Neustadt a. d. Haardt des Independent Order of Odd Fellows.
Schließlich war Ludwig Strauß auch politisch aktiv. Zunächst gehörte er der Freisinnigen Volkspartei und später der Deutschen Demokratischen Partei an. Am 18. August 1917 wurde er als Nachrücker erstmals Mitglied im Bad Dürkheimer Stadtrat. Nach 46-jähriger Tätigkeit an der Bärmannschen Realschule ging er am 15. Juli 1921 in den Ruhestand.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Deutschen Reich wurde die politische Betätigung der jüdischen Bevölkerung weitgehend unterbunden. Bereits am 17. März 1933 forderte der Gauleiter der Pfalz, Josef Bürckel, alle jüdischen Bürgermeister und Stadträte zur Niederlegung ihrer Mandate auf – im Verweigerungsfall erfolge sonst die sofortige Inhaftierung. Daraufhin beendete Ludwig Strauß noch am selben Tag seine fast 16-jährige Mitarbeit im Bad Dürkheimer Stadtrat. In der Reichskristallnacht zum 10. November 1938 wurde sein Anwesen in der Hinterbergstraße 36 verwüstet. Bei der landesweiten Volkszählung vom 17. Mai 1939 wurde das Ehepaar Strauß noch unter dieser Adresse erfasst. Wenig später wurden sie gezwungen, ihr Haus zu einem sogenannten Einheitswert an die Stadt Bad Dürkheim zu veräußern, erhielten aber selbst diese geringe Summe niemals ausgezahlt, und verzogen anschließend zu ihrer Tochter Elsa nach Mannheim (Otto-Beck-Straße 6). Noch im Sommer 1940 versuchten sie erfolglos, vom amerikanischen Konsulat in Stuttgart eine Ausreisegenehmigung in die Vereinigten Staaten zu erhalten.
Roland Paul stellt fest, dass Strauß ab 1933 „nach und nach seine politischen Ämter abgeben“ musste.
Im Verlauf der Wagner-Bürckel-Aktion wurde das Ehepaar Ludwig und Klara Strauß am 22. Oktober 1940 durch Gestapo und Schutzpolizei aus seiner Wohnung heraus zum Mannheimer Bahnhof und dort in einen bereitstehenden Zug verbracht, der am 24. Oktober das südfranzösische Internierungslager Gurs erreichte. Am 18. März 1941 erfolgte die Verlegung des mittlerweile 85-Jährigen Ludwig und der 84-Jährigen Klara Strauß in das Internierungslager Récébédou. Von dort stellten beide im Juni 1941 mit Hilfe der Hebrew Immigrant Aid Society (HIAS) einen erneuten Ausreiseantrag für die Vereinigten Staaten. Die darin angegebenen, in den USA bereits lebenden Kontaktpersonen, darunter befanden sich ein ehemaliger Schüler aus Bad Dürkheim und ein entfernter Verwandter der Eheleute, sollten sich zur Übernahme von Bürgschaften bereiterklären. Doch entweder konnte die HIAS diese Personen nicht ausfindig machen oder sie lehnten eine Hilfestellung ab. Am 17. Januar 1942 verstarb Ludwig Strauß im Alter von 87 Jahren im Lager Récébédou nach vier Tagen Hunger und Kälte und wurde auf dem Kommunalfriedhof im nahe gelegenen Portet-sur-Garonne beerdigt. Seine Ehefrau Klara Strauß verstarb am 22. Juli 1942 ebenfalls im Lager Récébédou.
Familie Ludwig Strauß heiratete am 30. August 1880 Klara Neumann (geb. 16. Dezember 1856 in Teschenmoschel), eine Tochter des Händlers Isaak Neumann und dessen Ehefrau Sara Neumann, geborene Berg. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Elsa Regine Strauß (geb. 6. Februar 1882 in Bad Dürkheim). Sie war verheiratet mit dem Kaufmann Julius Abraham. Das Ehepaar Abraham verzog 1939 von Frankenthal nach Mannheim und wurde von dort am 22. Oktober 1940 ins Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Julius Abraham kam am 4. März 1943 ins Konzentrationslager Majdanek, wo er am 9. März ermordet wurde. Elsa Abrahm überlebte die Lager in Frankreich und gelangte 1948 über Cannes in die Vereinigten Staaten, wo sie am 6. Januar 1967 verstarb und auf dem jüdischen Friedhof Beth-El Cemetery in Paramus, Bergen County (New Jersey), beerdigt wurde. Karl Albert Strauß (geb. 16. Juli 1883 in Bad Dürkheim; gest. nach dem 17. September 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau) war Gymnasiallehrer in Neustadt an der Weinstraße. Paula Auguste Strauß (geb. 25. August 1885 in Bad Dürkheim). Sie war verheiratet mit dem Kaufmann Theo Kann. Das Ehepaar Kann verzog 1938 von Aschaffenburg nach Frankfurt am Main. Die letzten Wohnanschriften lauten: Rudolf-Jung-Straße 12 (1939) und Josef-Hayden-Straße 57 (1941). Seit 1942 gelten beide als verschollen. Wahrscheinlich wurden sie am 8. oder 24. Mai 1942 mit einem der Transporte von Frankfurt aus ins Ghetto Izbica deportiert und später in einem Vernichtungslager im damals vom Deutschen Reich besetzten Polen ermordet.
Zitat
Gedenken Seit Juli 1992 trägt eine Straße im Bad Dürkheimer Gewerbegebiet den Namen Ludwig-Strauß-Straße. Die Namen des Ehepaars Ludwig und Klara Strauß finden sich auf dem 2010 am Obermarkt in Bad Dürkheim errichteten Gedenkstein für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Einwohner.
Werke
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Bad Dürkheim) Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Person des Judentums (Rheinland-Pfalz) Kategorie:Judentum im Landkreis Bad Dürkheim Kategorie:Kommunalpolitiker (Landkreis Bad Dürkheim) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1855 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann