Die Zürcher Wochen-Chronik (im ersten Jahrgang Zürcher Adressbuch-Zeitung, in gebundener Form Chronik der Stadt Zürich) war eine Schweizer Wochenzeitschrift mit Sitz in Zürich.
Geschichte Als Gründer der Wochen-Chronik gilt Johann Jakob Hardmeyer-Jenny.Adrian Corrodi-Sulzer: Conrad Ferdinand Meyers Geburtshaus. In: Neue Zürcher Zeitung. Blatt 2. Nr. 805, 24. Mai 1925, S. 5 (online). Die erste Ausgabe erschien am 14. Januar 1899 noch unter dem Titel Zürcher Adressbuch-Zeitung und präsentierte das Blatt als «notwendige Ergänzung des alljährlich nur einmal erscheinenden Adreßbuches der Stadt Zürich», indem es wöchentlich die sich durch Um-, Weg- oder Zuzug ergebenden Veränderungen im Adresswesen der Stadt vermeldete.Vorwort. In: Zürcher Adressbuch-Zeitung. Nr. 1, 14. Januar 1899, S. 1 (online). Daneben veröffentlichte die Wochen-Chronik Nachrichten über lokale Persönlichkeiten, Berichterstattungen von städtischen Ereignissen, Polizeimeldungen zu Unglücksfällen oder Verbrechen sowie Reportagen aus den Quartieren oder zu einzelnen Bauwerken, was zunehmend den Hauptteil der Zeitung ausmachte. Ihr Alleinstellungsmerkmal war die reiche Illustration durch Fotografien, die vor allem Amateure zusandten. Am Ende eines Jahres wurden die Ausgaben jeweils zu einem Buch gebunden, das den Titel Chronik der Stadt Zürich trug. Die Wochen-Chronik erschien jeweils samstags.
Die Ausgabe vom 9. Oktober 1909 über den Gordon-Bennett-Cup in ZürichDas Gordon Bennett-Wettfliegen in Zürich. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 41, 9. Oktober 1909, S. 383–394 (online). stiess auf eine so grosse Nachfrage, dass der Verlag einen Nachdruck veranlasste.Lokales. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Abendblatt. Nr. 283, 12. Oktober 1909, S. 2 (online). Anlässlich des Todes von Joseph Victor Widmann veröffentlichte die Wochen-Chronik am 17. Februar 1912 eine dem Schriftsteller gewidmete Beilage.Zur Erinnerung an Joseph Victor Widmann. In: Zürcher Wochen-Chronik. Beilage zu No. 7. 17. Februar 1912 (online). Am 23. August 1913 publizierte sie eine Spezialnummer zur Erinnerung an den in Zürich verstorbenen August Bebel.† August Bebel. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 34, 23. August 1913 (online).
Infolge des Ersten Weltkriegs geriet die Wochen-Chronik in finanzielle Nöte, zumal die Erstellungskosten stark anstiegen und die Inserate, die einen bedeutenden Teil der Einnahmen ausmachten, zurückgingen.Zum Abschied. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 52, 28. Dezember 1918, S. 402 (online). Um die Einnahmen zu steigern, war die Redaktion bemüht, mit verschiedenen Massnahmen die Abonnentenzahl zu steigern. Ab dem 16. Dezember 1916 pflegte sie eine «Welt-Chronik» ein, in der auch über Ereignisse im Ausland, insbesondere über die Kriegsschauplätze, berichtet wurde. Gemäss der Neuen Zürcher Zeitung mochte dies «als Zeichen ihrer Vielgestaltigkeit gelten, doch dürften nicht allzuviele Leser aus diesem typischen Lokalblatt ihre Orientierung über die Weltlage schöpfen, wohl aber dem einheimischen Teil des Blattes, also den Rubriken, die sich mit Stadt, Kanton und Bund beschäftigen, gegenüber diesem ausländischen Anhängsel den Vorzug geben».Lokales. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Morgenblatt. Nr. 46, 10. Januar 1918, S. 5 (online). Ab dem 5. Januar 1918 veröffentlichte die Wochen-Chronik den Fortsetzungsroman Die Kollegen im Lichtenhof von Betty Wettstein-Schmid, der von den «Erlebnissen eines jungen Mädchens in einem großen Handelshause» erzählte.«Die Kollegen im Lichtenhof». In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 1, 5. Januar 1918, S. 8 (online). Eine Erhöhung des Abonnementspreises, eine günstigere Ausstattung, eine Reduktion des Umfangs oder eine tiefere Erscheinungsfrequenz lehnte die Redaktion ab. Trotz aller Bemühungen sah sie sich Ende 1918 gezwungen, das Blatt einzustellen. Die letzte Ausgabe erschien am 28. Dezember 1918.
Insgesamt erschienen 1'041 Ausgaben mit 17'180 Seiten.
Bedeutung Die Zürcher Wochen-Chronik war eine Lokalzeitung, welche während zwanzig Jahren die national ausgerichteten Zürcher Tageszeitungen Neue Zürcher Zeitung, Tages-Anzeiger und Neue Zürcher Nachrichten ergänzte. Für die Erforschung der Stadtgeschichte sind insbesondere ihre Porträts, die ausführlichen historischen Artikel und die Fotografien von unschätzbarem Wert.
Der Historiker Walter Baumann bezeichnete sie 1977 rückblickend als eine «damals vielgelesene Boulevardzeitung ohne penetranten Prominentenklatsch».Walter Baumann: Fortschritt am Paradeplatz. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 6, 8. Januar 1977, S. 58 (online).
Weblinks Chronik der Stadt Zürich auf E-newspaperarchives.ch Bibliografische Informationen auf Helveticat
Einzelnachweise
Kategorie:Deutschsprachige Wochenzeitschrift Kategorie:Zeitung (Schweiz) Kategorie:Ersterscheinen 1899 Kategorie:Erscheinen eingestellt 1918