Scharlachrot () ist ein Roman der Schriftstellerin Sata Ineko. Nachdem der Roman als Serie in den Zeitschriften Fujin Kōron (1936) und Chūō Kōron (1938) erschienen war, wurde er 1938 als Buch veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung von Hilaria Gössmann erschien 1990 im iudicium Verlag. Der Roman beschreibt die Selbstverwirklichung und Emanzipation der Hauptfigur Akiko im Jahr 1935, und die zentrale Frage ist die nach der Kombination von Mutterdasein und Arbeit für eine professionelle Schriftstellerin. Er wird als repräsentativ für Satas Werke bzw. als eines der besten ihrer Werke angesehen.

Inhalt Nachdem Kōsuke Kakimura aus einem „Leben in Unfreiheit“ (S. 12 der deutschen Übersetzung), getrennt von Frau und Kindern, wegen seiner Tätigkeit für die proletarische Kulturbewegung zurückgekehrt ist, sieht sich Akiko als Ehefrau, Mutter und als ebenfalls links-gerichtet tätige Autorin in eine Zwickmühle geraten, insbesondere angesichts traditioneller Familien mit bescheiden daherkommender Ehefrau, die sie beobachtet (S. 13). Akiko nimmt sich eine Wohnung in Kōtō-ku, um in der Nähe der „Massen“ (S. 33) besser über diese schreiben zu können, kehrt aber zwischendurch und dann endgültig wieder nach Totsuka zu ihrer Familie zurück. Einen Tag nach der Gefangennahme ihrer Freundin Kishiko wird sie selber für 40 Tage (S. 40) festgehalten. Nach ihrer Freilassung beginnen die Zweifel an der Ehe mit Kōsuke, der ihr eines Tages eröffnet, eine andere Frau kennengelernt zu haben (S. 65), mit der er zusammen leben wolle. Akiko will sich von Kōsuke trennen und die Kinder zu sich nehmen (S. 69).

Sie schaut in Shinjuku den Kurzfilm „Kukaracha“, der als der erste, vollständig in Farbe gedrehte Spielfilm der Geschichte gilt. Der Film hinterließ einen starken Eindruck auf Akiko, da die Hauptdarstellerin den verloren geglaubten Mann zurückgewann (S. 80).

Für Kōsuke ist hingegen seine eigene Arbeit wichtiger als das Zusammenleben mit Akiko. Sata lässt Kōsuke sagen: „Du müßtest eigentlich am besten wissen, daß es mit unserer Arbeit nicht klappt, wenn wir zusammenleben. Ich möchte arbeiten!“ (S. 85) Ob dieses „paternalistische“ Denken allerdings nur gesellschaftliche Gründe hat und Kōsuke sich nicht auch etwas zurücknehnen könnte, wird im Roman nicht thematisiert. Ein Grund für Kōsukes Arbeitseinstellung, die im Roman allerdings thematisiert wird, ist die Geldnot, in der sich letztendlich beide befinden. Arbeit wird beschrieben als Mittel, das benötigte Geld zu verdienen, aber auch als „einzige[s] Mittel gegen solche Qualen“ (S. 104) der Trennung und des Alleinseins.

Akikos Verhältnis zu Kōsuke ist geprägt durch das ständige Schwanken zwischen Liebe zu ihm und Hass auf ihn (S. 108: „Am nächsten Morgen war Akiko sich aber über ihre Gefühle nicht mehr im Klaren“.) Schließlich aber, nach einigen Wochen der Trennung, scheint sie sich an das Alleinsein zu gewöhnen und stürzt sich in ihre Arbeit. Kōsuke hingegen will plötzlich nichts mehr mit der anderen Frau zu tun haben, weil diese wiederum einen anderen liebe (S. 121). Am Ende des Romans lassen sich beide zwar nicht scheiden, auch wenn sie schon den Tageszeitungen entsprechende Interviews geben (z. B. S. 124), aber ihre Eheprobleme bleiben bestehen.

Literarischer Hintergrund Den Roman schrieb Sata als Kubokawa Ineko unter dem Namen ihres damaligen Mannes Kubokawa Tsurujirō. Einige der Figuren sind der Wirklichkeit entnommen. So ist die Hauptfigur Akiko Sata selbst nachgebildet, Kōsuke ist Satas damaliger Ehemann Kubokawa Tsurujirō, von dem sich Sata nach dem Krieg endgültig scheiden lässt; Kishiko entspricht Miyamoto Yuriko, Masae Kawada der Jugendschriftstellerin Tsuboi Sakae und Nakazawa, der Ehemann von Kishiko, ist der Autor Nakano Shigeharu.

Der Titel oder „Scharlachrot“ steht für die Farbe eines Lippenstiftes, die Akiko liebt, und den Kōsuke ihr nach der Trennung kauft (S. 113).

Der Text erscheint, was die Berschreibung der Zeit und ihre Abläufe angeht, wie ein Puzzle verschiedener Zeitabschnitte, die ohne Übergang geschildert werden. Rückblenden sind beschränkt auf für das Verständnis erforderliche Beschreibungen der kürzlich zurückliegenden Vergangenheit (so zu Anfang des Abschnittes IV mit kurzen Beschreibungen der anfänglichen gemeinsamen Zeit des Ehepaares, S. 29) und der Roman ist im Wesentlichen eine – im Präteritum geschriebene – Darstellung der „Gegenwart“.

Einerseits zeigt der Roman eine Art Geschäftsmäßigkeit und Unaufgeregtheit, mit der das Verhältnis zwischen Kōsuke und Akiko beschrieben wird. Andererseits zeigt er auch eine gewisse egoistische Selbstbezogenheit von Akiko, deren Situation als von ihr als „tragisch“ gesehen beschrieben wird (S. 104).

Für den westlichen Leser ungewohnt ist die Bedeutung des Familienregisters, das ständig erwähnt wird. In der Regel lag es beim Mann (bzw. bei seinem Vater oder älteren Bruder), in das die Ehefrau bei der Heirat sowie seine Kinder aufgenommen wurden. Bei einer Scheidung wurde zwar die Frau wieder daraus gelöscht, ihre (und seine) Kinder aber würden darin verbleiben und dadurch den Nachnamen des Vaters übernehmen, weshalb Akiko in dem Familienregister verbleiben wollte (S. 114).

Historischer Hintergrund Die „linke literarische Bewegung“, in welcher Sata aktiv war, gab es nur kurze Zeit und wurde in den 1930er Jahren staatlich immer mehr unterdrücktSiehe auch den Artikelabschnitt Japanisches Kaiserreich., wie auch im Abschnitt V des Romans in der deutschen Übersetzung nachzulesen ist.

Ausgaben (Originalausgabe) (erstmalige Buchform) (neuste Buchform, Stand Februar 2026; als e-book bei Shinchōsha neu aufgelegt 2016)

Übersetzungen Die erste englischsprachige Übersetzung stammt von Yukiko Tanaka. (deutsche Übersetzung)

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Japanisch) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert)