Der Verein der Kunstfreunde im Preußischen Staate war ein 1825 gegründeter Verein von Kunstfreunden. Er war der zweitälteste seiner Art in Deutschland.
Geschichte 1825 wurde der Verein auf Initiative von Wilhelm von Humboldt, der auch den Vorsitz übernahm, gegründet. Die erste ordentliche Sitzung fand am 29. Januar 1826 statt. An der Spitze des ersten Verwaltungsrates standen neben ihm Peter Beuth als Stellvertreter, Johann Christian Jüngken als Sekretär, der Bankier Wilhelm Zacharias Friebe (1781–1842) als Schatzmeister, sowie Friedrich Tieck, Christian Daniel Rauch, Karl Friedrich Schinkel, Wilhelm Wach, Carl Joseph Begas, Wilhelm Schadow und Carl Wilhelm Kolbe als Mitglieder des Künstlerausschusses. Mitglieder waren alle Angehörigen des Königshauses, auch die Kaiserin von Russland, Alexandra Feodorowna, sowie zahlreiche Vertreter der Aristokratie, der Beamtenschaft und aufstiegswillige bürgerliche Experten, Gelehrte und Künstler, darunter Carl Friedrich Wilhelm Knoblauch, der 1826 als Nachfolger Friebes zum Schatzmeister berufen wurde, Reinhold Koch-Zeuthen, Karl Wilhelm Kortüm, Wilhelm Witthöft. Das primäre Motiv war die Förderung der zeitgenössischen Kunstproduktion in Preußen, „da der Zweck des Vereins ausschließlich auf die Beförderung der vaterländischen Kunst gerichtet ist, so will er seine Mittel nur auf Werke preußischer Künstler verwenden“. Daher lobte der Verein Reisestipendien für junge Künstler aus, damit sie nach Italien reisen konnten. Der Mitgliedsbeitrag betrug 5 Taler jährlich und entsprach dem Wert eines Loses für die jährliche Verlosung vom Verein erworbener Kunstwerke. Der Verein erwarb anfangs Ölgemälde, später kamen auch Bildhauerwerke, lithografische Werke und Kunstgewerbe hinzu. 1842 wurde im Haus Werderscher Markt 4a eine eigene permanente Ausstellung eingerichtet. Der Verein hatte maßgeblichen Einfluss auf die Einrichtung und Zusammensetzung der Museumskommission mit dem Ziel der Errichtung einer deutschen Nationalgalerie. 1843 hatte der Verein mit einem Mitgliederstand von rund 2500 den Höchststand erreicht. Von 1845 bis 1873 war der Sitz des Vereins und der ständigen Ausstellung Unter den Linden 21. 1873 zog der Verein in das Geber’sche Industriegebäude in der Kommandantenstraße als Mieter des Vereins Berliner Künstler und verpflichtete sich keine eigenen Ausstellungen zu organisieren. Die eigene Sammlung wurde 1872 zum symbolischen Preis von 25.000 Taler, die in eine Stiftung flossen, an die Nationalgalerie verkauft.Berliner Börsenzeitung vom 6. Dezember 1872 sowie 2. Juni 1873 Zusammen mit dem Künstlerverein wechselte dann der Sitz des Vereins in das Architektenhaus, Wilhelmstraße 92/93 und danach in das Künstlerhaus, Bellevuestraße 3. Nach 1920 verlor der Verein an Bedeutung und hatte zuletzt seinen Sitz in Steglitz. Die letzte bekannte Aktivität des Vereins ist die Teilnahme an der vom Verein Berliner Künstler veranstalteten Sommerausstellung 1943 im Künstlerhaus Berlin.„Katalog der Sommer-Ausstellung sowie Kollektionen von Fritz Geyer, Felix Krause. Angegliedert ist eine Ausstellung des Vereins der Kunstfreunde im Preussischen Staate.“, 20. Juli bis 27. August 1943. (Exemplar im Archiv der Akademie der Künste Berlin; Bestand VereinBK 967)
Vorsitzende 1825–1835: Wilhelm von Humboldt (1767–1835), Gelehrter und Staatsmann 1836: Peter Beuth (1781–1853), Ministerialbeamter 1837–1846: Ignaz von Olfers (1793–1872), Naturwissenschaftler und Diplomat 1846–1848: Georg von Viebahn (1802–1871), Statistiker 1848–1854: Carl Schnaase (1798–1875), Kunsthistoriker, Geheimrat 1854–1859: Julius Gamet (1804–1882), Stadtrat, Geheimer Oberfinanzrat 1859–1868: Carl Wilhelm Schweder (1800–1879), Regierungsrat 1868–1877: Richard Lucae (1829–1877), Architekt 1879–1885: Carl Robert Lessing (1827–1911), Jurist und Verleger 1885–1897: Alexander Duncker (1813–1897), Verleger, Buchhändler und Herausgeber 1897–1905: Paul Ferdinand Hesse (1836–1905), Geh. Justizrat und Landgerichtsdirektor 1906–1908: Hermann von der Hude (1830–1908), Architekt, Geheimer Baurat 1908–1920: Karl Kanzow (1858–1920), Landgerichtsdirektor 1920– : Hugo Gallenkamp (1859–1925), Oberregierungsrat –1923: Hermann Lisco (1850–1923), Staatssekretär im Reichsjustizamt ab 1924: Gerhart Bollert (1870–1947), Justizrat
Prominente Funktionsträger Name Funktion Gewählt BerufWilhelm AmbergAusschussmitglied1867, 1869MalerCarl BeckerAusschussmitglied1860, 1865, 1869MalerOskar BegasAusschussmitglied1867MalerEduard BendemannKommissionsmitglied1839Maler und MedailleurPeter BeuthStellvertreter Vorsitzender1825 1836Beamter und PolitikerWilhelm BornemannKommissionsmitglied Ausschussmitglied1839 1840Jurist und PolitikerChristian Wilhelm BroseAusschussmitglied1840BankierChristian Gottlieb CantianAusschussmitglied1846Steinmetz und BaumeisterCäsar von DachrödenAusschussmitglied1865HofmarschallRudolf Ludwig DeckerAusschussmitglied1840, 1846Buchdrucker und VerlegerFriedrich EggersAusschussmitglied1860KunsthistorikerGeorg ErbkamAusschussmitglied1860, 1865ArchitektMoritz GeißAusschussmitglied1860Eisen- und ZinkgießerWilhelm GentzAusschussmitglied1860, 1865, 1869MalerCarl GraebAusschussmitglied1860, 1865, 1869Maler und RadiererCarl GropiusAusschussmitglied1840MalerErnst GuhlAusschussmitglied1860KunsthistorikerCarl Julius HenningVorstandsmitglied1846MalerWilhelm HenselVorstandsmitglied1846MalerFriedrich HitzigAusschussmitglied1865ArchitektErnst Emil IllaireAusschussmitglied1846PolitikerCarl Heinrich Wilhelm KeibelSchatzmeister1834, 1840, 1846, 1854FabrikantAugust von KloeberVorstandsmitglied1846, 1848MalerEduard KnoblauchAusschussmitglied1860ArchitektKarl Wilhelm KolbeVorstandsmitglied1840, 1846MalerFranz KrügerAusschussmitglied1826MalerCarl Ludwig KuhtzAusschussmitglied Sekretär1846 1848, 1854, 1869Apotheker und KunstsammlerCarl Robert LessingAusschussmitglied1867, 1869Jurist und ZeitungsverlegerGustav LüderitzAusschussmitglied Vorstandsmitglied1840, 1865 1846, 1848Kupferstecher und LithografEduard MagnusAusschussmitglied1860, 1865MalerEduard MandelAusschussmitglied1860, 1865, 1869KupferstecherEduard PapeAusschussmitglied1869MalerLouis Fréderic Jacques RavenéAusschussmitglied1869Industrieller und MäzenGeorg Andreas ReimerKommissionsmitglied Ausschussmitglied1839 1840VerlegerGustav RichterAusschussmitglied1865MalerOtto August Rühle von LiliensternKommissionsmitglied1839GeneralleutnantLouis Friedrich SachseSekretär1846Lithograf und VerlegerHermann SchievelbeinAusschussmitglied1865BildhauerGustav SpangenbergAusschussmitglied1867, 1869MalerSamuel Heinrich SpikerAusschussmitglied1846BibliothekarCarl SteffeckAusschussmitglied1869MalerGustav StobwasserAusschussmitglied1860, 1865ArchitektFriedrich August StülerAusschussmitglied Vorstandsmitglied1836 1840ArchitektGustav Friedrich WaagenAusschussmitglied1826KunsthistorikerJoachim Heinrich Wilhelm WagenerKommissionsmitglied1839Unternehmer und MäzenHeinrich Wittich (Maler)Ausschussmitglied1867MalerAugust WittigAusschussmitglied1869BildhauerAlbert WolffAusschussmitglied1860, 1869BildhauerAugust WredowVorstandsmitglied Ausschussmitglied1846, 1848 1860, 1869Bildhauer
Seydlitz-Preis Zu den frühen Mitgliedern des Vereins gehörte der Ritterschaftsrat Ernst Friedrich von Seydlitz (1768–1829) aus Potsdam. Testamentarisch errichtete er eine Stiftung, die an den Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen fiel, aus der allerdings dem Willen des Stifters entsprechend der Vorstand des Vereins für Kunstfreunde im preußischen Staat einen Teil der Einkünfte für eine jährlich zu vergebende Ehrengabe an einen oder mehrere bildende Künstler reklamieren sollte. Die Höhe betrug je 100 Taler, bzw. 300 Mark. Zu den geehrten Künstlern zählten: 1829: August Ferdinand Hopfgarten 1833–1836: Eduard Bendemann, Theodor Hildebrandt, Carl Friedrich Lessing 1848: Eduard Magnus, Carl Steffeck, Friedrich Wilhelm Wolff, Eduard Mandel 1857: Rudolph Jordan, Louis Sussmann-Hellborn, Wilhelm Schirmer 1867: Anton Kraus (Historienmaler), Wilhelm Sohn, Bernhard Afinger 1881: Fritz Schaper, Friedrich August von Kaulbach, Fritz Werner, Gustav Eilers 1885: Karl Ludwig (Maler), Ernst Herter 1888: Friedrich Geselschap, Gustav Eberlein, Hans Meyer (Grafiker) 1892: Otto Brausewetter, Gustav Feckert, Adolf Brütt 1894: Otto Lessing, Carl Saltzmann, Max Koner 1898: Oskar Frenzel, Eduard von Gebhardt, Emil Hundrieser, Michael Lock 1899: Paul Flickel, Ludwig Dettmann (Maler, 1865), Peter Breuer (Bildhauer) 1902: Eugen Bracht, Joseph Scheurenberg, Ludwig Wrangel (Bildhauer) 1904: Arthur Kampf, Ferdinand Lepcke 1907: Georg Koch (Maler, 1857), Ernst Hildebrand (Maler), Hugo Lederer 1912: Ferdinand von Harrach, Franz Schwechten 1914: Franz Eichhorst, Rudolf Schulte im Hofe, Wilhelm Wandschneider 1919: Wilhelm Kuhnert, Ernst Christian Pfannschmidt 1921: Constantin Starck 1922: Leonhard Sandrock, Herbert Arnhold (Genremaler)
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Bildende Kunst (Berlin) Kategorie:Kulturelle Organisation (Berlin) Kategorie:Berliner Verein Kategorie:Vereinsgründung 1825