Kvikne ist eine ehemalige Gemeinde im norwegischen Fylke (Provinz) Innlandet. Das Gebiet mit etwa 1000 Einwohnern liegt in der Bergregion am Ursprung der Orkla und ist als Geburtsort von Bjørnstjerne Bjørnson bekannt. Hier wurde von 1630 bis 1921 Kupfererz abgebaut und der hier gewonnene Speckstein wurde beim Bau des Nidarosdoms in Trondheim verwendet. Die 1654 erbaute Kirche erhielt im 18. Jahrhundert eine farbenprächtige Innenausstattung. Der etwa zur selben Zeit entstandene Vollan-Hof ist der Fundort eines Psalters aus dem 13. Jahrhundert und ein Informationszentrum für den Forollhogna-Nationalpark.

Die Gemeinde Kvikne wurde am 1. Januar 1966 auf zwei verschiedene Fylke aufgeteilt. Der Hauptteil kam zur Gemeinde Tynset im damaligen Hedmark, ein kleiner Teil zur Gemeinde Rennebu im damaligen Sør-Trøndelag.

Geografie

mini|links|Karte der Sogn Innset und Kvikne (ehemalige Gemeinde Kvikne) Die ehemalige Gemeinde Kvikne bestand aus den zwei Sogn (Kirchspielen) Kvikne und Innset und erstreckte sich von Norden nach Süden über ca. 40 km und von Osten nach Westen über ca. 42 km.

Das Kirchspiel Kvikne (952 km²) ist seit 1966 der nördlichste Teil der Gemeinde Tynset an der Wasserscheide zwischen Østerdalen und Trøndelag. Es liegt auf einem Gebirgsplateau auf etwa 600 Höhenmetern, das von abgerundeten, gleich hohen Bergen mit meist flachen Flanken umgegeben ist. Die höchsten Gipfel sind die Høi-Gia (1641 m) und die Låg-Gia (1452 m) im Südwesten und die Sverjesjøhøa (1240 m) im Nordosten. Die Landschaft wird durch die Orkla, die einige Kilometer hinter der westlichen Grenze zu Oppdal entspringt, und ihren Nebenflüssen zum Trondheimsfjord entwässert. Von der Wasserscheide bei Kvikneskogen erstreckt sich in nordwestlicher Richtung das Orkdalen des Flusses Orkla bzw. in südöstlicher Richtung das Tunndalen des Flusses Tunna (der bei Tynset in die Glomma mündet).

Das Kirchspiel Innset (201 km²) ist seit 1966 der südöstliche Teil der Gemeinde Rennebu am Zusammenlauf von Orkla, Inna und Byna. Hier weichen die Berge zurück, um ein breites Tal zu bilden. Die Inna entspringt an der Wasserscheide im Süden und fließt parallel zur Orkla in nordwestlicher Richtung. Die Byna entwässert die westlich gelegene Gemeinde Oppdal zur Orkla.

Von den 1.153,4 km² Gesamtfläche der ehemaligen Gemeinde Kvikne wird nur ein sehr geringer Teil landwirtschaftlich genutzt. Nach einer Statistik von 1900 entfielen auf Ackerland 0,4 km², auf Wiesen 9,7 km² und auf Wald 80,0 km². Der Rest wurde von Ödland, Seen und Mooren eingenommen. Eine zeitgleiche Landvermessung ergab übrigens eine abweichende Gesamtfläche von 1.164,5 km².

Die vorherrschenden Gesteinsarten in Kvikne sind Schiefer, Tonglimmerschiefer und verschiedene andere kristalline Gesteine. Am Innatal und am Høi-Gia kommt stellenweise Granit vor. Die Böden sind sand- und kieshaltig und teilweise lehmig. Der Ackerboden ist sehr dünn und trocken. Die besten Böden liegen im (tiefer gelegenen) Innset.

Das norwegische Katasteramt Kartverket definiert den geografischen Mittelpunkt von Kvikne als 62° 34′ 56″ N und 10° 17′ 14″ O. Hier liegt auf einer Seehöhe von 551,6 Meter die Hauptkirche von Kvikne (Kvikne kirke).

Kvikne ist von Trondheim in der Luftlinie 93 km entfernt bzw. über das Straßennetz 119 km. Die Entfernung von Oslo beträgt in der Luft 298 km bzw. über die Straße 368 km.

Einwohner mini|Position der ehemaligen Gemeinde Kvikne im ehemaligen Fylke Hedmark Die Gemeinde Kvikne (Kommunenummer 0440) wurde durch die Formannskapslovene von 1837 eingerichtet und erlitt bis zu ihrer Auflösung keine Gebietsveränderungen. Mit circa einem Einwohner pro km² war sie immer sehr dünn besiedelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg durch einen Aufschwung des Bergbaus die Bevölkerung vorübergehend auf knapp 1600 Einwohner; zum Zeitpunkt der Auflösung am 1. Januar 1966 waren es 1084.

+ Bevölkerungsentwicklung Kvikne(Jeweils zum 1. Januar) Jahr Bevölkerung Quelle 1876 1320 1891 1230 1900 1203 1910 1489 1920 1544 1930 1357 1951 1307 1960 1196 1965 1092 1966 1084 + Aufteilung von Kvikne am 1. Januar 1966 Gemeinde Sogn Fläche (km²) Einwohner 0440 Kvikne 1153 1084 0437 Tynset Kvikne 952 664 1635 Rennebu Innset 201 420

Durch die Auflösung von Kvikne änderte sich auch die Grenze des Fylke Hedmark (heute Innlandet) zum Fylke Sør-Trøndelag (heute Trøndelag), da Rennebu zu letzterem gehört. Eine weitere, geringfügige, Grenzänderung fand am 1. Januar 1970 statt, als Tynset an Rennebu ein Garlia genanntes Gebiet mit 5 Einwohnern abgab.

Name Kvikne kommt wahrscheinlich vom altnordischen Wort kvikr, was lebendig, beweglich bedeutet und die Eigenschaften von Quellton oder Treibsand ausdrückt. Kvikne entstand aus der Pluralform Kviknar und war „sehr wahrscheinlich“ der Name eines alten Bauernhofs in der Nähe der Kvikne kirke.

Inset ist sicher ein Hofname, Innarsetr, nach dem Fluss Inna.

Ein Einwohner von Kvikne wird auf Bokmål kviknedøl genannt bzw. in der Mehrzahl kviknedøler. (døl ist von dal abgeleitet, was Tal bedeutet.) Ein kviknevær dagegen ist ein Einwohner von Kvikne, dem gleichnamigen Kirchspiel in Nord-Fron.

Geschichte

Archäologische Funde mini|Kvikne Kirke (Foto Januar 2018) Archäologische Funde beweisen die kontinuierliche Besiedlung des Gebiets seit der Steinzeit, oder zumindest den regelmäßigen Besuch zum Zwecke der Jagd und des Fischfangs. Der Hauptteil der Funde stammt aus der Jüngeren Eisenzeit (550–1050 n. Chr.) und aus der Umgebung des Hofs Vollan. Hier fand man Schwerter, Schildbuckel, Äxte, Messer, Pfeilspitzen, Scheren, Zaumzeugbeschläge und andere Metallgegenstände in sehr gutem Zustand zusammen mit verbrannten Knochen. Die Artefakte wurden vom Bauern G. Sand beim Pflügen entdeckt und der Trondheimer Wissenschaftlichen Gesellschaft geschenkt.

Es gibt zahlreiche Hügelgräber, z. B. 12 dicht beieinander stehene bei Estensvollan in Kvikneskogen, wo der Überlieferung nach König Øystein eine Schlacht geschlagen haben soll. Im Ort Hogstad gibt es 21 Grabhügel, auf der Wiese Kaven unterhalb des Naaverdalen in Inset 10 bis 12.

Specksteinbruch Das Specksteinvorkommen im Sottdalen beim Hof Grøtli auf 853 m Seehöhe wird seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. abgebaut. Hier, wo die Sotta südlich von Kvikneskogen in die Tunna mündet, wurden mehrere C-14-Proben aus organischem Material aus Abfallgruben auf die Jahre 400 bis 300 v. Chr. datiert. Die Gesteinsader hat eine freiliegende Mächtigkeit von etwa 5 Meter und ist etwa 30 Meter lang, aber teilweise überdeckt. Ein weiteres Vorkommen in 100 Schritt Entfernung ist, da grobkörniger, von schlechterer Qualität.

Der Abbau hat zahlreiche Spuren in Form von runden Aushöhlungen hinterlassen. Während des 12. Jahrhunderts wurde hier Material für den Bau des Nidarosdoms in Trondheim entnommen. Später, bis ins 20. Jahrhundert hinein, wurde der Steinbruch fallweise von Ortsansässigen genutzt, vor allem für Kaminöfen.

Kvikne Kobberverk mini|Kvikne Kirke mit Pfarrhof (Foto 1860–1900) Etwa 5 km östlich der Orkla bei Yset, über dem Tal der Ya und am Fuß des Bergs Kaltberget, liegen auf etwa 750 Meter Seehöhe Kupfererz-Vorkommen, die seit dem 17. Jahrhundert abgebaut wurden. Das Kvikne Kobberverk war eines der ersten Kupferbergwerke Norwegens und zeitweise auch das größte. Der Abbau erfolgte in vier Gruben namens Gabe Gottes, Segen Gottes, Øvre Vangs und Nedre Vangs. (Den beiden ältesten Gruben wurden offiziell deutsche Namen gegeben.) Das Erz war mit Quarz vermischter Kupferkies und Schwefelkies (letzterer teilweise mit geringem Kupfergehalt). Die Deckschichten bestanden aus Glimmerschiefer, teilweise mit Granaten, und Hornblende.

Nach der Überlieferung wurden die Vorkommen 1629 von dem „Alten Nils“ entdeckt, aber die Bewohner Kviknes hielten die Entdeckung geheim, da sie befürchteten, zur Fronarbeit in der Mine herangezogen zu werden und ihre Wälder und Weiden durch den Bergbau zu verlieren. Schließlich wurde der Fund doch König Christian IV. gemeldet und ab 1631 wurden die Minen im königlichen Auftrag betrieben. Am 10. Juni 1633 wurden der Statthalter und die Bischöfe des Landes angewiesen, in allen Kirchen ein Dankfest für die neue Entdeckung zu feiern, und die Mine erhielt den Namen Gabe Gottes. Für die Schmelzhütte wurden Schmelzer und Köhler aus Thüringen geholt, und 1635 stattete der König selbst den Anlagen einen Besuch ab.

Das Gefälle in den Stollen war mit 30 ° gering und Erz und Abraum konnten mit Pferden abtransportiert werden. Um Grubenhunte auf Schienen einsetzen zu können, wurden die Stollen begradigt. Dieser Ausbau beeinträchtigte die Stabilität der Stollen und führte 1677 zu einem Erdrutsch, der die Gabe Gottes verschüttete. In den folgenden Jahren führte dieses Unglück und häufige Wechsel in der Leitung zu einer Rezession und viele Bergleute wanderten ab. Von 1696 bis 1707 wurde das Bergwerk von den ansässigen Bauern auf eigene Rechnung betrieben.

mini|Kvikne Kirke mit Friedhof (Foto 2004) Durch die Gründung einer Aktiengesellschaft unter der Leitung des Oberbergmeisters Abraham Dreier wurde neues Kapital beschafft und in neue Technologien investiert. Die alten schrägen Schächte wurden durch senkrechte vermehrt. 1707 wurde eine Radkammer zum Abpumpen des Wassers und Heben des Erzes errichtet, 1732 ein Lichtloch unterhalb der eingestürzten Gabe Gottes in 130 m Tiefe, 1736 ein Schacht von 330 m Teufe. Nach mehreren Jahrzehnten erfolgreichen Betriebs wurden die Erzvorkommen allmählich unergiebig und Erdrutsche und Wassereinbrüche häuften sich. „Als die Storofsen 1789 die Minen überflutete, war Kvikne Kobberverk nicht in der Lage, den Betrieb wieder ordnungsgemäß aufzunehmen. Auch wenn ein Teil der verbleibenden Anlagen bis 1812 weiter betrieben wurde, gilt 1789 als das Ende des Kobberverket.“

In der neuen Grube Øvre Yangs wurde 1793–1812 durch den Trondheimer Bürgermeister Hans Knudtzon und dann noch einmal 1868–1870 durch eine Aktiengesellschaft in Hamar Erz abgebaut, aber ohne nachhaltigen Erfolg.

+ Rohkupferproduktion in KvikneDurchschnittliche Tonnen pro Jahr 1653 1711-1720  1721–1730  1731–1740  1741–1750  1751–1760  1761–1770  1771–1780  1781–1790  1791–1810  100 52 35 38 46 28 32 30 22 8

Das Erz von Kvikne war reichhaltig; in den 150 Jahren des Betriebs wurden aus etwa 750.000 Tonnen Erz 6.690 Tonnen Kupfer gewonnen. Es enthielt allerdings auch viel Arsenkies, der beim Feuersetzen giftige Dämpfe erzeugte. Es wurden 42 Faden Brennholz benötigt, um 133 Tonnen Erz zu fördern.

Die Schmelzhütte wurde mehrmals verlegt, da sie für die Holzzufuhr auf nahe gelegenen Wald angewiesen war. Bis 1657 wurde das gesamte, etwa 15 km lange, Gebiet von Ya bis Brevad abgeholzt. Danach wurde die Hütte nach Innset verlegt (und dort durch die Überschwemmung 1789 zerstört).

Die Ortsansässigen wurden, wie sie es befürchtet hatten, zur Fronarbeit herangezogen. Eine beträchtliche Anzahl von Bergbauingenieuren und Verwaltern wurde aus Deutschland, Dänemark und Schweden angeworben. Kvikne verzeichnete daher in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen starken Bevölkerungszuwachs. Im heutigen Yset an der Mündung der Ya in die Orkla (wo auch die erste Schmelzhütte lag) entstand eine Bergarbeitersiedlung, die Kvikneplassen oder einfach Plassen genannt wurde.

Røstvangen mini|Eidsvossen Kraftverk, Storfossdammen Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden neue Kupferkiesvorkommen in Kvikne entdeckt; diesmal im Süden der Gemeinde, in Østerdalen in der Nähe des Sees Stugusjøen, auf 900 bis 1200 Meter Seehöhe. Der Aufschluss begann 1902, der Abbau zwei Jahre später. 1907 wurden mit einer Belegschaft von 5 bis 80 Mann 647 m³ Kupfererz abgebaut. 1908 lief nach der Gründung der Aktiengesellschaft A/S Røstvangen der reguläre Betrieb an. Außer einer großen Aufbereitungsanlage wurden für die Stromversorgung ein Wasserkraftwerk und eine 22 km lange Seilbahn zur Rørosbahn gebaut.