mini|Das Johannes-von-Müller-Denkmal, im Hintergrund die Kirche Santa Maria (2026) Das Johannes-von-Müller-Denkmal ist ein 1851 eingeweihtes Personendenkmal in Schaffhausen, das an den aus der Stadt gebürtigen Historiker Johannes von Müller (1752–1809) erinnert. Es ist das älteste Denkmal im engeren Sinne im Kanton Schaffhausen und eines der ältesten Personendenkmäler der Schweiz.Noch früher eingeweihte Schweizer Personendenkmäler sind nur das Salomon-Gessner-Denkmal in Zürich (1791), das Rousseau-Denkmal in Genf (1835), das Zähringerdenkmal in Bern (1847), das Nägelidenkmal in Zürich (1848) und das Erlach-Denkmal in Bern (1849). Die Marmorbüste und das Terrakottarelief sind Werke von Johann Jakob Oechslin.
Geschichte Bereits 1830 sandte Oechslin von Stuttgart aus ein Relief Müllers an eine Kunstausstellung in Bern und schuf in der Folge weitere Reliefs, Tonmodelle und Skizzen.Daisy Sigerist: Johann Jacob Oechslin. 1981, S. 214. 1840 konstituierte sich in Schaffhausen ein Denkmalkomitee,Reinhard Frauenfelder: Die Stadt Schaffhausen. 1951, S. 71. das Oechslin 1846 endgültig mit der Ausführung betraute. Die Entwürfe wurden mehrfach abgeändert. Das Werk wurde mithilfe von Spenden aus dem In- und Ausland finanziert. Erzherzog Johann von Österreich, ein ehemaliger Schüler und langjähriger Freund Müllers, leistete unaufgefordert einen Beitrag von 100 Gulden. Oechslin vollendete die Büste 1848. Im Juli 1950 war das gesamte Monument ausgearbeitet, und es fehlte nur noch eine «passende Inschrift».Schaffhausen. In: Der Erzähler. 30. Juli 1850, S. 261 (online).Johann v. Müller. In: Der Bund. Band 2, Nr. 177, 28. Juni 1851, S. 706 (online).
Die Einweihung fand am 18. August 1851 in Verbindung mit einem Jugendfest statt. Am Morgen begab sich ein langer Zug, der von Schülern mit ihren Lehrern angeführt wurde, vom Stadthaus ins Münster Allerheiligen, wo der Pfarrer Johann Georg Mägis eine Festrede hielt. Am Nachmittag besammelte sich die Gemeinde auf dem Herrenacker erneut und zog zur Fäsenstaubpromenade, wo das Denkmal «unter Musik und Kanonendonner» enthüllt wurde. Der Präsident des Stadtrats Hans von Ziegler übergab das Monument der Öffentlichkeit, und Professor Zehnder hielt eine Rede. Danach begab man sich auf den Schützenplatz. Das Fest wurde mit einem abendlichen Umzug beim Denkmal beschlossen.Schaffhausen. In: Eidgenössische Zeitung. Nr. 231, 21. August 1851, S. 927 f. (online).
1932 wurde das Eisengitter, welches das Denkmal als oktogonale Einfassung umgeben hatte, entfernt.
Beschreibung Das Denkmal steht auf einem Rondell in der Fäsenstaubpromenade, in der Nähe der Kirche Santa Maria, und ist insgesamt 4,70 m hoch. Auf einer dreistufigen Krepis erhebt sich das dreiteilige, aus blaugrauem Solothurner Kalkstein gehauene Postament. An der Frontseite seines mittleren Würfels ist eine Marmortafel mit folgender Inschrift angebracht:
mini|Das Relief In den oberen Würfel ist ein Terrakottarelief eingelassen, dessen drei allegorische Figuren in Konstanz galvanisch überkupfert wurden. Links steht Minerva, die Göttin der Weisheit und der Künste, mit einem Lorbeerkranz in der Rechten. In der Mitte sitzt Klio, die Muse der Geschichtsschreibung, mit einer Papyrusrolle in Händen. Rechts unten steht Wilhelm Tells Sohn Walter mit dem durchschossenen Apfel in der Rechten und dem Schweizerwappen in der Linken. Das Bild spielt auf Müllers bekanntestes Werk Geschichten Schweizerischer Eigenossenschaft an, mit dem er sich als Geschichtsschreiber (Klio) der Schweiz (Walter) Dichterruhm (Minerva) erworben hat.
Zuoberst thront die 89 cm hohe Büste Müllers aus Carrara-Marmor. Sie ist signiert und auf 1848 datiert. Oechslin orientierte sich dabei an der Büste, die Johann Gottfried Schadow 1808 für die Walhalla geschaffen hatte.
Rezeption Georg Kreis nahm das Johannes-von-Müller-Denkmal in seine Liste der 121 wichtigsten Denkmäler in der Schweiz auf.Georg Kreis: Zeitzeichen für die Ewigkeit. 300 Jahre schweizerische Denkmaltopografie. Verlag NZZ, Zürich 2008, S. 502.
Siehe auch Liste von Denkmälern im Kanton Schaffhausen
Literatur Reinhard Frauenfelder: Die Stadt Schaffhausen (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 26). Birkhäuser, Basel 1951, S. 71 (online). Daisy Sigerist: Johann Jacob Oechslin. In: Biographien. Band IV (= Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Band 58). 1981, S. 208–217, hier 214 (online; PDF; 457 kB).
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Einzelnachweise
Kategorie:Denkmal in Schaffhausen Kategorie:Kunst im öffentlichen Raum (Schweiz) Kategorie:Skulptur (1851) Kategorie:Skulptur (Schweiz) Kategorie:Bauwerk in Schaffhausen Kategorie:Kunst (Schaffhausen)