Die Dampflokomotiven I.K.B 35, 36, 38 / K.K.B 6–9 / P.K.B 13 wurden von der Arnold Jung Lokomotivfabrik in Jungenthal 1913 bis 1920 für die Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft in Königsberg entwickelt und auf der Königsberger Kleinbahn (K.K.B), den Insterburger Kleinbahnen (I.K.B) und der Pillkaller Kleinbahn (P.K.B) eingesetzt.
Die Lokomotiven waren dort bis zum Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Zwei Lokomotiven kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in den Bestand der PKP. Sie wurden zur Baureihe Tx 6 und erhielten die Betriebsnummern Tx 6-1362 und Tx 6-1363.Auflistung der von Jung gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) Sie waren bis 1966 bzw. 1972 in Betrieb.Stefan Lauscher/Gerhard Moll: Jung-Lokomotiven, EK-Verlag, Freiburg 2014, ISBN 978-3-88255-798-5.
Geschichte Vorkriegsgeschichte Für die Königsberger, Insterburger und Pillkaller Kleinbahnen suchte die Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft in Königsberg leistungsfähige Lokomotiven mit geringem Unterhaltungsaufwand. Auf den genannten Strecken waren kleine, zweifach gekuppelte Maschinen oder solche der Bauart Mallet im Einsatz.
Die Anforderung war gute Kurvenläufigkeit. Deshalb entwickelte die Lokfabrik Jung einen Loktyp mit Gölsdorf-Achsen und stellte den Gesellschaften im Jahr 1913 eine Probelokomotive zur Verfügung.
Dieser Probebetrieb verlief offensichtlich zur Zufriedenheit, sodass bis 1920 sieben baugleiche Lokomotiven nachbestellt wurden und bei der Königsberger Kleinbahn als Nummern 6–9, bei der Pillkaller Kleinbahn als Nummer 13 und bei den Insterburger Kleinbahnen als Nummer 35, 36 und 38 bezeichnet wurden.
Die Lokomotiven der Königsberger Kleinbahnen waren zu ihrer Bauzeit die stärksten Maschinen der Gesellschaft und gegenüber einer in etwa gleich großer Maschine der Union auch wartungsärmer.Ingo Neidhardt, Jörg Petzold: Schmalspur-Album Ostpreußen. Verlag SSB Medien, SOEG Zittau, ISBN 978-3-9826224-2-2, Zittau 2024 Die Lokomotiven wurden vor allem im Güterverkehr eingesetzt, wobei sich ihr Einsatzgebiet bis in den Stadtbereich von Königsberg Königstor erstreckte. Zudem fuhren sie in der Hauptverkehrszeit Personenzüge.
Für die Insterburger Kleinbahnen wurden 1914 zwei Lokomotiven der Reihe mit den Fabriknummern Jung 2120 und 2122 gekauft, sie erhielten die Betriebsnummern 35 und 36. 1920 kam mit der Fabriknummer Jung 2391 eine dritte Lokomotive hinzu, sie erhielt die Betriebsnummer 38. Dort waren die Lokomotiven hauptsächlich im Güterverkehr eingesetzt.
Bei der Pillkaller Kleinbahn fuhr die Lokomotive mit der Fabriknummer Jung 2121 aus dem Jahr 1914, sie erhielt die Betriebsnummer 13. Sie wurde dort bis zur 1917 durchgeführten Umspurung der Strecke auf 1000 mm Spurweite eingesetzt.
PKP Tx 6-1362–1363
Die meisten Lokomotiven sind während des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen. Die beiden Lokomotiven I.K.B 35 und 36 (Jung 2121 und 2122) kamen nach dem Krieg zu den PKP und auf den Rastenburger Kleinbahnen eingesetzt. Nach 1961 hatten sie die Betriebsnummern Tx 6-1362 sowie Tx 6-1363. Sie wurden 1966 und 1972 ausgemustert.
Technische Merkmale
Der Außenrahmen war als Wasserkastenrahmen ausgeführt, die Achsen wurden über Hallsche Kurbeln angetrieben. Die Lokomotiven besaßen Gölsdorf-Achsen, es waren die zweite Achse um 13 mm und die vierte Achse um 20 mm seitenverschiebbar. Die als Treibachse ausgeführte dritte Achse war mit geringeren Spurkränzen versehen. Die Federung der Achsen erfolgte über oberhalb der Achslager liegende Blattfedern, die jeweils äußeren zwei Federn waren über einen Ausgleich miteinander verbunden.
Der Kessel bestand aus zwei Schüssen, auf dem ersten saß der Dampf- und auf dem zweiten der Sanddom, von dem aus je Lokseite zwei Sandfallrohre herabführten und die Treibachse beidseitig sanden konnten. Dazu war auf der Rauchkammer noch ein Dampfläutewerk angebracht. Die Dampfmaschine war mit der Heusinger-Steuerung ausgerüstet und mit Flachschiebern versehen. Die Treib- und Kuppelstangen waren als Flacheisen ausgeführt, der Kreuzkopf wurde zweiseitig auf der Gleitbahn geführt.
Der Wasservorrat war teils im Wasserkastenrahmen, teils in den seitlichen Kästen gebunkert, die Kohlen waren im linken seitlichen Kasten auf der Heizerseite. Neben dem Dreilicht-Spitzensignal mit Petroleumbeleuchtung war eine Dampfpfeife am Führerhaus vorhanden. Abgebremst wurden die Lokomotiven nur über eine Handbremse.
Literatur
Stefan Lauscher/Gerhard Moll: Jung-Lokomotiven, EK-Verlag, Freiburg 2014, ISBN 978-3-88255-798-5 Ingo Neidhardt, Jörg Petzold: Schmalspur-Album Ostpreußen. Verlag SSB Medien, SOEG Zittau, ISBN 978-3-9826224-2-2, Zittau 2024
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Triebfahrzeug (Insterburger Kleinbahnen) Kategorie:Triebfahrzeug (Königsberger Kleinbahn) Kategorie:Triebfahrzeug (Pillkaller Kleinbahn) Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge D Kategorie:Schienenfahrzeug (Jung)