Die Weißbrauendrossel (Turdus obscurus) ist ein Singvogel aus der Familie der Drosseln (Turdidae).P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
Der Vogel brütet in Sibirien bis Kamtschatka, südlich bis zur Nordmongolei, der Äußeren Mandschurei und Sachalin, überwintert von Nordostindien bis nach Taiwan, den Großen Sundainseln und den Philippinen. Als Irrgast wird die Art selten in Europa gesichtet,Lars Svensson, Peter J. Grant, Killian Mullarney, Dan Zetterström: Der neue Kosmos Vogelführer., S. 300, 1999, Kosmos, Stuttgart, ISBN 3-440-07720-9 Einzelbeobachtungen gab es in Israel und sogar in Australien nach einem ungewöhnlich heftigem Zyklon."Eye-browed Thrush – First for Australia, Feb. 9, 2011
Der Lebensraum umfasst zur Brutzeit dichten Nadelwald und Taiga, bevorzugt in Wassernähe, Mischwald im Flachland und Bergen bis 1500, seltener bis 2400 m. ü. M. Während des Zuges ist die Art auch in Waldrändern, buschigen Flächen, auf Ackerland, in Obstgärten und Gärten mit Bäumen zu finden. Überwintert wird in offenen Wäldern aller Art, buschigen Flächen, feuchten Schluchten, Plantagen, Mangrovenwald, Feldern und Obstgärten bis 2300, in Borneo bis 3300 m. Höhe.N. Collar: Eyebrowed Thrush (Turdus obscurus), version 1.0. In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana (Herausgeber): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Turdus obscurusR. Grimmett, T. Inskipp: Birds of Northern India. Helm Field Guides, 2017, ISBN 978-0-7136-5167-6
Der Artzusatz kommt von .J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. 1991. ISBN 0-19-854634-3.
Merkmale Der Vogel misst 20–23 cm und wiegt 61–117 g, eine schlanke Drossel mit langem Schwanz und kurzem Schnabel. Hauptmerkmal und Namensgeber ist der breite weiße Überaugenstreif, hinzu kommt ein weißer Halbmond unter dem Auge, dunkle schwärzlich braune Zügel, darunter ein weißer Bartstreif bis zum Kinn reichend. Beim Männchen ist der Kopf blaugrau, die Oberseite ist olivbraun bis rostrot. Brust und Flanken sind pfirsichfarben bis orange, gegen die übrige weiße Unterseite abgesetzt. Die Unterflügel sind grauweiß. Die Iris ist dunkel, der Schnabel matt braun, am Unterschnabel gelblich, die Beine sind bräunlich gelb. Weibchen sind brauner an Kopfkappe und Ohrdecken, an den Nackenseiten und an der Kehle weißer. Jungvögel sind an der Oberseite braun, blass orange an der Unterseite, die Kopfzeichnung ist noch undeutlich und haben gelbbraune Flecken und Strichelung im Gefieder.
Geografische Variation Die Art ist monotypisch.IOC World Bird List 15.1 ThrushesAviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
Stimme Der Gesang des Männchens wird als eine willkürliche Folge kurzer, abwechslungsreicher Phrasen aus einfachen vollen bis schrillen Lauten beschrieben „teveteu… trrryutetyuté… trrryutetyutyu…“, oft mit einem sehr kurzem schrillen Triller beendet. Rufe sind ein dünnes „zip-zip“ beim Auffliegen, weitere Rufe sind drosselähnlich fein „tsriih“.
Lebensweise Die Art ist ein Zugvogel. Das Brutgebiet wird im September verlassen, der Zug geht häufig über die Koreanische Halbinsel (im Mai und im November). In Japan erscheint der Vogel Anfang Oktober bis November, zieht Ende April oder im Mai wieder ab. Versprengte Vögel können nahezu überall vorkommen, so auch in Marokko.R. Messemaker: Rare birds in Morocco : report of the Moroccan Rare Birds Committee (2007–2009). In: Bulletin of the African Bird Club, Band 18, Heft 1, S. 40–60, 2011, [DOI:10.5962/p.309926]
Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten, Schnecken und Beerenobst, auf Borneo wohl ausschließlich Beeren. Gesucht wird am Boden und in den Bäumen und Büschen. Während des Zuges und der Überwinterung bildet die Drossel häufig kleine Gruppen. Die Brutzeit liegt zwischen Mai und Juli, in der Mongolei im August. Meist kommt es zu zwei Bruten. Das Nest ist eine Schale aus Gras, kleinen Wurzeln, Rinde und Zweigen mit etwas Schlamm vermischt in einer Astgabel im Unterwuchs. Das Gelege besteht aus 4–6 blass-blauen Eiern mit rötlich-braunen Flecken.
2017 wurde bei einer Untersuchung von indonesischen Sperlingsvögeln aus dem späten Pleistozän ein Fossil dieser Art gefunden.H. J. Meijer, R. Awe Due, T. Sutikna, W. Saptomo,. Jatmiko, S. Wasisto, M. W. Tocheri, G.: Late Pleistocene songbirds of Liang Bua (Flores, Indonesia); the first fossil passerine fauna described from Wallacea. In: PeerJ. Band 5, 2017, S. e3676, doi:10.7717/peerj.3676, PMID 28828271, .
Gefährdungssituation Die Weißbrauendrossel gilt als nicht gefährdet (Least Concern).
Literatur J. F. Gmelin: Turdus obscurus. In: Systema Naturae, Ausgabe 13, Band 1, Teil 2, S. 816, 1789, Biodiversity Library Q. Phillipps und K. Phillipps: Phillipps' Field Guide to the Birds of Borneo: Sabah, Sarawak, Brunei, and Kalimantan, 3. Auflage, S. 278, 2014, Princeton University Press, ISBN 978-0-691-16167-9.
Weblinks
Macaulay Library
Einzelnachweise
Kategorie:Drosseln