Die Fachhochschule für das Öffentliche Bibliothekswesen Bonn (und ihre Vorgängereinrichtung)Zu den Daten siehe: Literatur. war von 1921 bis 2003 eine Ausbildungsstätte für den gehobenen Bibliotheksdienst an Öffentlichen Bibliotheken. Sie stand in der Trägerschaft des römisch-katholischen Borromäusvereins.Norbert Trippen/Horst Patenge (Hrsg.): Bausteine für eine lesende Kirche. Borromäusverein und katholische Büchereiarbeit. Festgabe für Erich Hodick. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1996, ISBN 3-7867-1974-8; Steffi Hummel: Der Borromäus-Verein 1845–1920. Katholische Volksbildung und Büchereiarbeit zwischen Anpassung und Bewahrung (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen / Kleine Reihe, Bd. 18). Böhlau, Köln 2005, ISBN 978-3-412-23505-5.
Geschichte Nach längerer Planung wurde 1921 in Bonn, dem Sitz der Zentralstelle des Borromäusvereins, eine „Bibliothekarschule“ gegründet und am 16. April eröffnet. Sie sollte die Ausbildung (nach staatlicher Anerkennung der Preußischen Regierung) vor allem von Diplom-Bibliothekarinnen und -bibliothekaren an Volksbüchereien und nicht zuletzt an katholischen Bibliotheken ermöglichen. Neben hauptamtlichen Dozenten unterrichteten dort im Nebenamt auch Bibliothekare der Universitätsbibliothek Bonn (wie etwa Willibald KirfelWillibald Kirfel: Grundriß der Bibliographie zum Gebrauch bei Vorlesungen (= Schriftenreihe der Bibliothekarsschule Bonn, Band 1). Zentralstelle d. Borromäus-Vereins, Bonn 1928., Carl Theo Clasen, Hans Flasche oder Viktor Burr) und anderer Bibliotheken in der Umgebung, z. B. Severin Corsten (Universitäts- und Stadtbibliothek Köln). Im Anfangsjahr des Dritten Reiches wurde dieser Ausbildungseinrichtung im November 1933 die staatliche Anerkennung entzogen. Sie musste schließen.
Am 1. Mai 1946 konnte der Borromäusverein die Bibliotheksschule wiedereröffnen, nachdem die Genehmigung durch die amerikanische Militärregierung vorlag; 1947 wurde sie auch vom neu gegründeten Land Nordrhein-Westfalen anerkannt. Für einige Jahre (bis 1954) bezog sie auch einen Ausbildungsbereich für Buchhändler mit ein. Ab 1971 veränderte sich der bisherige dreijährige theoretische Ausbildungsgang (unter Einbeziehung von Praktika) in ein sechssemestriges Studium.
Im Zusammenhang mit der Novellierung des Fachhochschulgesetzes in Nordrhein-Westfalen wurde die Bonner Ausbildungsstätte in eine „Fachhochschule für das Öffentliche Bibliothekswesen Bonn“ umgewandelt, stand aber weiterhin unter der Trägerschaft des Borromäusvereins. Im Vergleich zu anderen Fachhochschulen war sie sehr klein und wohl auch die kleinste FH in der Bundesrepublik Deutschland. Sie konnte ihren Lehrbetrieb nur noch bis zum Jahre 2003 aufrechterhalten und wurde geschlossen. Die Ausbildung für die verschiedenen Bibliotheksberufe auch im Bereich der Öffentlichen Biblioitheken konnte ohnehin im nahegelegenen „Bibliothekar-Lehrinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen“ in Köln absolviert werden, das 1981/82 in die „Fachhochschule für Bibliotheks- und Dokumentationswesen“ umgewandelt wurde.
Literatur
Erich Hodick: Bonn: Junge Fachhochschule mit alten Besonderheiten. In: Buch und Bibliothek (BuB), Bd. 37 (1985), H. 4, S. 322–328 (Volltext). Siegfried Schmidt: Eine der kleinsten Fachhochschulen der Welt. 75 Jahre bibliothekarische Ausbildung in Bonn. In: Die Katholische Öffentliche Bücherei, Bd. 10 (1996), H. 3, S. 1–14. Siegfried Schmidt: Eine verpaßte Gelegenheit? Gründe und Hintergründe zur Schließung der Fachhochschule für das Öffentliche Bibliothekswesen Bonn. In: Gerhard Hacker (Hrsg.): Bibliothek leben. Das deutsche Bibliothekswesen als Aufgabe für Wissenschaft und Politik. Festschrift für Engelbert Plassmann zum 70. Geburtstag. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, S. 123–140, ISBN 3-447-05101-9. Siegfried Schmidt: „Dass diese keine größeren Befugnisse hat als die Bonner Schule“. Zum Verhältnis der Bibliotheksschule des Borromäusvereins zur Westdeutschen Büchereischule bzw. zum Bibliothekar-Lehrinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen in der frühen Nachkriegszeit (1946–1952). In: Haike Meinhardt/Inka Tappenbeck (Hrsg.): Die Bibliothek im Spannungsfeld. Geschichte, Dienstleistungen, Werte. Festschrift für Hermann Rösch. Bock + Herchen, Bad Honnef 2019, S. 79–108, ISBN 978-3-88347-302-4 (Volltext).
Einzelnachweise
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