mini|hochkant|Stammwappen derer von Schwartzhoff im Baltischen Wappenbuch (1882) Schwartzhoff (auch Swarthof, Schwarzhof, Schwarzenhof, Schwardthof o. ä.) ist der Name eines erloschenen baltischen Uradelsgeschlechts.
Geschichte Das Geschlecht soll ursprünglich aus Westfalen stammen. Es zählte zum kurländischen Uradel.Spießen (1901–1903), S. 117.Klingspor (1882), S. 90. In Livland erscheint die Familie bereits 1302 mit Barthold von Schwartzhoff, der mit den Gütern Altenwoga und Ecken belehnt wurde. In jenem Jahr belehnte Bischof Isarnas Tacconi die Schwartzhoff mit dem Ogershof (damals noch Altenwoga genannt) und dem Oselshof. 1382 waren diese Güter im Besitz von Clas von dem Schwartzhoffe. Fromhold von Schwarzhoff erscheint 1408 in einer rigaischen Urkunde. Friedrich Swartehoff tritt 1425 und 1429 im Stift Ösel auf sowie 1427 als Domherr der dortigen Kirche und noch 1438 als Mann der Oeselschen Kirche. Hans Swarthoff wird 1425 in Wierland erwähnt und Claus Swarthoff 1429 als Landvogt zu Leal. Lüdecke Schwarthof erhielt 1464 vom Ordensmeister Johann von Mengede einen Haken Land im Marienburgischen (später Nötkenhof). 1470 kaufte Friedrich von Schwartzhoff von seinem Schwager Jörge von Ungern Hohenheide sowie das Dorf Olopsteche an der Sillenghe. Es folgende weitere urkundliche Erwähnungen bis Ende des 16. Jahrhunderts: Fromhold Schwartzhoff (1494), Helmold Schwartzhoff zu Pall und Parjenthal (1512), Jürgen Schwartzhoff (1533), Berthold Schwartzhoff (1534), Friedrich Schwartzhoff (1552, kaufte Hof Forel) und Ritter Friedrich Schwartzhoff (1565, bei der Belagerung von Reval). 1593 wurden die Brüder Fromhold und Johann Schwartzhoff von König Sigismund III. von Polen in ihrem uralten, schon 1302 verlehnten Besitz Ogershof mit Ecken und Lopen bestätigt. Die Brüder folgen im Polnisch-Schwedischen Krieg den Polen, worauf die Schweden ihren Besitz einzogen und König Gustav II. Adolf Altenwoga 1625 an die Mengden verlieh. Auch die Besitzungen Reppekaln, Adfel-Schwarzhof und Grundsal verloren sie damals, weil sie die Polen unterstützten. Zwischenzeitlich war Johann(es) Schwartzhoff 1599 die Altadeligkeit anerkannt worden. Er besaß Güter im Schwaneburgischen.Gritzner (1898), S. 430.
Folgende Stammfolgen finden sich bei Gritzner:Gritzner (1898), S. 431.
Aus einer Ahnentafel ergibt sich folgende Stammreihe:
Eine weitere Ahnentafel zeigt folgende Stammfolge:
Auch in Ost- und Westpreußen war die Familie begütert. In Ostpreußen besaß es noch 1805 Abscheningken, Neusorge und Tartaren bei Insterburg im Kreis Darkehmen, Eszerischken im Kreis Gumbinnen:Ledebur (1856), S. 422.Kneschke (1868), S. 391 f.
Unter dem Namen „Schwarzhof-Czarnolenski“ hatte die Familie 1788 Besitz in Swiniarz im Kreis Löbau und in Szewno im Kreis Schwetz in Westpreußen.
Namens- und Wappenvereinigung mit der Familie Groß Julie Friederike von Schwarzhoff heiratete Karl Ludwig von Groß (1785–1842). Durch die preußische Genehmigung zur Namens- und Wappenvereinigung vom 6. Februar 1835 erhielten die drei Kinder Dietrich, Julius und Scipio die Erlaubnis zum Führen des Nachnamens „von Groß genannt von Schwarzhoff“. Im Mannesstamm erlosch dieser Zweig der Familie Groß 1901 mit dem Tod von Julius Karl von Groß genannt von Schwarzhoff (1850–1901), preußischer Generalmajor und Chef des Generalstabes des Armeeoberkommandos in Ostasien.George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 2. Abt., Bd. 2: Der blühende Adel des Königreichs Preußen: Edelleute. Nachträge und Verbesserungen, Nürnberg 1906, S. 88 (uni-goettingen.de) und Tfl. 74 (uni-goettingen.de).George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 7 (Ergänzungen), 3. Abt., a: Ausgestorbener Preußischer Adel, Provinzen Ost- und Westpreussen. Supplement, Nürnberg 1900, S. 23 (uni-goettingen.de) und Tfl. 15 (uni-goettingen.de).Otto Titan von Hefner, Alfred Grenser, George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 2. Abt., Bd. 1, T. 1: Der blühende Adel des Königreichs Preußen: Edelleute A–L, Nürnberg 1878, S. 152 (uni-goettingen.de) und Tfl. 199 (uni-goettingen.de).
Dieser Familienzweig hatte 1855 Besitz im ostpreußischen Dargels im Kreis Braunsberg und in Meyken im Kreis Labiau. Das Gut Dargels stand 1857 dem Oberregierungsrat von Schwartzhoff in Köslin zu.
Wappen Blasonierung des Stammwappens: In Silber eine abgeschnittene, balkenweis die Krallen abwärts und rechts kehrende Bärentatze, begleitet von drei (2:1) roten Sternen. Auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken zwei schwarze wachsende, gemeinsam einen roten Stern haltende Bärentatzen.
Abweichend wird der Schild auch golden (Decken und Helmwulst dann schwarz-golden) oder blau (Decken und Helmwulst dann blau-golden) dargestellt. In der blauen Variante findet sich als Helmzier ein offener Flug, rechts golden, links schwarz, dazwischen ein nach oben gekehrter 5-zinkiger Kamm (oder die Kralle?).
Die Nachfahren der Eheleute Karl Ludwig von Groß und Julie Friederike von Schwarzhoff vermehrten durch die 1835er Wappenvereinigung das Groß’sche mit dem Schwartzhoff-Wappen. Das vermehrte Wappen wird wie folgt blasoniert: Geviert. Felder 1 und 4 in Silber eine aufwärts geringelte, natürliche Schlange mit einer natürlichen, roten Rose an abhängendem, grünen Blätterzweig im Rachen; Felder 2 und 3 (= Wappen derer von Schwarzhoff) in Blau eine querrechtshin liegende, von drei (2:1) goldenen Sternen begleitete, natürliche Bärentatze. Zwei gekrönte Helme mit blau-silbernen Decken: I. fünf Straußenfedern, abwechselnd blau und silbern; II. zwei aneinander zugewendete, natürliche Bärentatzen, zwischen denen ein goldener Stern schwebt.
Abweichend werden die Felder 1 und 4 auch in Blau und die Felder 2 und 3 in Silber dargestellt.
Literatur Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 11. Abt., T. 1, Bd. 2: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen, Teil 1: Die Ritterschaft, Bd. 2: Edelleute (Hertell–Zoritsch); Nachträge und Berichtigungen, Nürnberg 1898, S. 430 f. (uni-goettingen.de) und Tfl. 168 f. (uni-goettingen.de). Otto Titan von Hefner, Alfred Grenser, George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 2. Abt., Bd. 1, T. 2: Der blühende Adel des Königreichs Preußen: Edelleute M–Z, Nürnberg 1878, S. 372 (uni-goettingen.de) und Tfl. 420 (uni-goettingen.de). Carl Arvid von Klingspor: Baltisches Wappenbuch, mit Zeichnungen von Adolf Matthias Hildebrandt, Stockholm 1882, S. 90 (digitale-sammlungen.de) und Tfl. 104 (digitale-sammlungen.de). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 8: Saackhen, Wailckhl v. Saackhen – Steinhauer zu Bulgarn. Leipzig 1868, S. 391 f. (Google Bücher). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 422 (digitale-sammlungen.de); Band 3: T–Z, Berlin 1858, S. 342 (digitale-sammlungen.de). George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 4. Abt.: Abgestorbener Preußischer Adel, Provinz Preußen, Nürnberg 1874, S. 83 (uni-goettingen.de) und Tfl. 61 (uni-goettingen.de). Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 117 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 291 (hhu.de).
Einzelnachweise
Kategorie:Baltisches Adelsgeschlecht