mini|Werbeanzeige der Grimmaer Stadtbrauerei um 1908 mini|Das Heidelberger Fass, Spezialausschank der Stadtbrauerei Grimma um 1908 Die Stadtbrauerei Grimma war eine Brauerei in der sächsischen Stadt Grimma im heutigen Landkreis Leipzig. Sie gehörte zu den älteren Braustätten der Region mit Wurzeln im späten Mittelalter bis in die frühe Neuzeit.
Geschichte Die Brautradition in Grimma reicht weit zurück und ist Teil einer langjährigen regionalen Bierkultur. Laut historischen Verzeichnissen sowie verschiedenen Brau-Inventaren entstand die Braustätte, die später als Stadtbrauerei Grimma bekannt wurde, bereits um 1300. Im Jahr 1505 wurde aus Archivquellen festgestellt, dass große Mengen Bier in Grimma abgerechnet wurden, und im Jahr 1618, zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, hatte sich dieser Wert deutlich erhöht, was auf eine lebhafte Brau- und Ausschankpraxis in der Stadt hindeutet.
Im Mittelalter führte der Streit um Braurechte zwischen 1537 und 1575 sogar zu einem sogenannten „Bierkrieg“ mit dem Nachbarort Nerchau, wodurch die politische sowie die wirtschaftliche Bedeutung des Bieres und der Brauereirechte in der Region deutlich werden.
Das Städtische Brauhaus zu Grimma wurde 1670 gegründet.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1890, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023 Im 19. Jahrhundert wandelte sich der Betrieb mehrfach: 1858 trat die Brauerei Hildebrandt in Erscheinung, später um 1880 die Brauerei Frohberg, um die Jahrhundertwende bis 1901 als Bairische Dampfbierbrauerei Grimma, und im frühen 20. Jahrhundert firmierte der Betrieb als Grimmaer Stadtbrauerei GmbH.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1890, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023
1872 erwarb Carl Theodor Robert Frohberg die Stadtbrauerei und modernisierte sie technisch (u. a. neues Sudwerk und Darre). Um 1880 entwickelte er durch die Kombination von hellem Darrmalz und erhöhter Hopfengabe ein helles, schlankes und stärker gehopftes Bier. Nach späteren Darstellungen gilt diese Brauweise als Variante des hopfenbetonten „Pilsener“-Typs. In diesem Zusammenhang kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Bürgerlichen Brauhaus in Pilsen, das seine Bezeichnung später markenrechtlich schützen ließ.
Archivarische Adressbücher weisen für das frühe 20. Jahrhundert die Stadtbrauerei GmbH, Lange Straße 24 aus, was den Standort der Brauerei in der Grimmaer Altstadt bestätigt. Darüber hinaus betrieb die Brauerei um 1908 einen Spezial-Ausschank mit dem Namen Heidelberger Fass, der von Traugott Eulitz geleitet wurde.
Die (Stadt-)Brauerei griff für ihr Logo auf das Stadtwappen Grimmas, eine goldene gezinnte Stadtmauer mit offenem Tor, darüber ein Rundturm umgeben von zwei Spitztürmen, zurück.
Niedergang Wie viele kleinere Brauereien in Deutschland war auch die Stadtbrauerei Grimma im Laufe des 20. Jahrhunderts gegenüber größeren Betrieben mit industrieller Produktion wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig. 1918 wurde die Brauerei geschlossen, das Kontingent ging an die Brauerei Sternburg in Lützschena.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1890, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023
Heute erinnert in Grimma nur noch der Straßenname „Braugasse“ an die ehemalige Brau- und Biertradition der Stadt, und lokale Stadtführungen zur Grimmaer Biergeschichte greifen die lange Tradition des Bierbrauens auf.
Sortiment Die Grimmaer Stadtbrauerei bzw. ihre Vorgängerbrauereien hatten unter anderem Pilsener Bier, Grimmaer Tafelbier nach Pilsener Art, Einfachbier sowie Münchener Lagerbier im Sortiment. Des Weiteren wurde ein Bier unter dem Namen „Edelbräu“ angeboten; bei welcher Biersorte es sich dabei handelte, ist aus den Quellen nicht ersichtlich.
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Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmen (Grimma) Kategorie:Bauwerk in Grimma Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Landkreis Leipzig) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Landkreis Leipzig) Kategorie:Ehemalige Brauerei (Sachsen)