mini|Geraldine Grove, 1923 thumb|Geraldine Grove, Frontispiz ihres Buches The Social Fetich, 1907 Agnes Geraldine Grove, geborene Lane Fox, auch Fox-Pitt, Lady Grove (* 25. Juli 1863; † 7. Dezember 1926 in Wiltshire) war eine englisch-britische Tagebuchschreiberin und Essayistin. Sie schrieb zur Unterstützung des Frauenwahlrechts, gegen Vivisektion und gegen Impfungen.
Leben Grove war das siebte von neun Kindern von Lieutenant General Augustus Henry Lane‑Fox (1827–1900), einer Schlüsselfigur der britischen Archäologie und der erste Inspektor für historische Denkmäler, und Lady Alice Margaret Stanley (1828–1910), Tochter von Edward Stanley, 2. Baron Stanley of Alderley. Ihr älterer Bruder war der Elektroingenieur St. George Lane Fox-Pitt. Im Gegensatz zu ihren Geschwistern, die überwiegend zu Hause unterrichtet wurden, besuchte sie die Oxford High School.
Nach dem Erbe des 12.000 ha großen Rushmore Estate in Tollard Royal, Wiltshire, heute Rushmore Park, ein Golfplatz, Larmer Tree Gardens und Sandroyd School, vom Cousin des Vaters Horace Pitt-Rivers, 6. Baron Rivers, nahmen ihr Vater und ihr ältester Bruder am 25. Mai 1880 den Namen Fox Pitt‑Rivers an. Sie selbst nahm – wie die anderen acht Kinder der Familie – den Namen Fox‑Pitt an. Diese Namensführung war jedoch nur von kurzer Dauer, da sie 1883 gegen den Widerstand ihres zukünftigen Schwiegervaters Walter John Grove heiratete. Das Paar hatte fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter:Honor (1883–1944), Gerald (später der 3. Baronet 1886–1962), Oenone (1889–1956), Terence (1893–1902) und Walter (1904–1944). Unterstützt durch das väterliche Erbe war ihre Hochzeitsreise äußerst aufwändig und umfasste unter anderem einen dreimonatigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten, wo sie führende Familien wie die Vanderbilts und die Hewitts kennenlernte. Nach ihrer Rückkehr verbrachte sie viel Zeit bei gesellschaftlichen Anlässen, lebte in Grosvenor Gardens, kehrte jedoch auch regelmäßig nach Rushmore zurück.
Ab 1879 führte sie ein tägliches Tagebuch, das sie bis zu ihrem Tod führte und das ein umfassendes Zeitzeugnis darstellt. Sie war eine frühe Unterstützerin des Frauenwahlrechts, und als gebildete Aristokratin wurde sie nach ihrem Beitritt zur Bewegung 1892 eingeladen, auf Versammlungen zu sprechen. Sie verfasste unterstützende Beiträge, die im Cornhill Magazine und im Fortnightly Review veröffentlicht wurden. 1895 traf sie Thomas Hardy und gewann ihn als Mentor und er wurde ein lebenslanger Freund.
1897 starb ihr Schwiegervater Sir Thomas Grove, 1. Baronet, und sie wurde Lady Grove of Ferne House. 1900 hielt sie sich in Paris auf, wo sie auf dem International Congress of Women sprach. Sie und ihr Ehemann hatten 1897 mehrere Immobilien geerbt, darunter Ferne House, verkauften dieses jedoch 1902, um ihren Lebensstil zu finanzieren.
Ihr erstes veröffentlichtes Buch, war ein Reisebericht und erschien 1902 unter dem Titel 71 Days Camping in Morocco. Das Buch behandelte ihre Ablehnung einer „orientfreundlichen Haltung“ im vier Jahre zuvor erschienenen Werk von Robert Cunninghame Graham zu einem ähnlichen Thema. Aufgrund ihres gesellschaftlichen Status und der für viele britische Leser Fremdheit Nordafrikas konnte Grove ihr Buch in der Times bewerben. Im folgenden Jahr wurde sie für 10 Guinees pro Monat als Autorin für die New Review engagiert.
Grove lehnte sowohl Vivisektion als auch Impfungen ab. In letzterer Angelegenheit wurde sie 1905 vor Gericht gebracht, weil sie es versäumt hatte, ihren Sohn impfen zu lassen.
1907 schrieb sie eine gesellschaftspolitische Abhandlung, The Social Fetich [sic!], die sie Hardy widmete und die sich gut verkaufte. G. K. Chesterton bezeichnete sie als eine „Mystagogin“ und verspottete ihre aristokratisch-weltfremden Argumente, da sie nicht erkläre, sondern ihre Leser „schmerzlich spüren lasse, dass sie nichts verstehen“.Gilbert Keith Chesterton: Demagogues and Mystagogues in All Things Considered. Methuen & Co., London 1908.
Im Juni 1905 wurde sie von einem Londoner Taxifahrer vor den Bow Street Magistrates’ Court gezogen, weil sie den vollen Fahrpreis nicht bezahlt hatte. Der Fahrer hatte sie vom King’s Theatre zu ihrem Haus am Bedford Square gefahren – eine Strecke, für die fünf Schilling zu zahlen gewesen wären. Sie zahlte jedoch nur den von ihr für angemessen gehaltenen Betrag von drei Schilling und sechs Pence und schlug ihm die Tür vor dem Gesicht zu. Sie erschien nicht zur Gerichtsverhandlung und wurde zur Zahlung der Differenz von einem Schilling und sechs Pence sowie acht Schilling Gerichtskosten verurteilt.West London Observer 9 June 1905
1908 veröffentlichte sie The Human Woman, das sich mit der Staatsbürgerschaft der Frau befasste und auch ihre Rede von 1900 in Paris enthält. 1910 folgte On Fads. Beide Sammlungen bieten lebendige Darstellungen verschiedener frauen- und gesellschaftspolitischer Themen wie der Frage, warum es Frauenzeitungen an intellektuellem Gehalt mangele, wer die Theater kontrolliere und welche Rollen Frauen im öffentlichen Leben einnehmen sollten.
Grove starb 1926 in Rushmore an einer Tuberkulose, die bereits zwanzig Jahre zuvor bei einer Erkrankung in Deutschland diagnostiziert worden war. In ihren letzten Lebensjahren sind ihre Tagebucheinträge von finanzieller Not geprägt. Eine Erbschaft von 1924 wurde fast vollständig zur Tilgung von Schulden verwendet. Hardy schrieb nach ihrem Tod das Gedicht Concerning Agnes für sie.
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