Die Stuttgarter Schützengilde e. V. (kurz: SGi Stuttgart) ist ein Schützenverein in Stuttgart. Gegründet im Jahr 1500, gilt sie als der älteste Sportverein der baden-württembergischen Landeshauptstadt und als eine der ältesten noch bestehenden Schützengilden in Deutschland. Der Verein ist Mitglied im Deutschen Schützenbund (DSB) und im Württembergischen Schützenverband (WSV).
Geschichte mini|hochkant|Bild der Holzstatue des Hl. Sebastian im Foyer des Schützenhauses der Gilde Die Ursprünge der Stuttgarter Schützengilde reichen auf die St. Sebastiansbruderschaft zurück, eine Armbrustschützengemeinschaft, die bereits 1482 an der Stuttgarter Stiftskirche bestand. Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen gründete Jakob Walther, genannt Kühorn, die Büchsenschützengesellschaft, die 1500 die herzogliche Bestätigung erhielt. Dieses Jahr gilt daher als offizielles Gründungsjahr.
Bereits 1501 fand das erste große Freischießen in Stuttgart statt, das als sechswöchiges Volksfest überliefert ist und an dem Herzog Ulrich von Württemberg teilnahm. Dieses Ereignis diente als Vorbild für zahlreiche weitere Schießwettbewerbe im 16. Jahrhundert. Berühmtester Schütze dieser Epoche war der Stuttgarter Schneider Hans Sindelfinger, dessen Sieg beim Kölner Freischießen 1504 zu einer folgenschweren Auseinandersetzung führte: Nach Nichtauszahlung des Preisgeldes unternahm Götz von Berlichingen eine bis 1511 dauernde Fehde zur Durchsetzung der Forderung, die Johann Wolfgang von Goethe in seinem Drama Götz von Berlichingen erwähnt.
Ursprünglich diente die Gilde auch militärischen Übungszwecken für Soldaten und Söldner. Ab dem 17. Jahrhundert verlor sie mit dem Aufkommen stehender Heere diese Funktion und wandelte sich zu einem bürgerlichen Sport- und Traditionsverein.
Die Geschichte des Vereins ist von acht Ortswechseln geprägt, meist durch Stadtwachstum, Sicherheitsgründe oder Infrastrukturprojekte bedingt. Ihr erstes Schützenhaus erhielt die Gilde 1515 (heutige Büchsenstraße); eine Bronzetafel in der Grünanlage an der Schloßstraße nahe der Stuttgarter Liederhalle erinnert daran. Weitere Standorte lagen u. a. in der Rotebühlstraße, Haußmannstraße, Burgstallstraße und Heslach. Das 1895 von Karl Hengerer entworfene und von König Wilhelm II. von Württemberg eingeweihte Schützenhaus musste 1988 dem Bau der B 14 weichen. Als Ausgleich errichtete die Stadt das heutige Domizil am Kühornweg.
Trotz Kriegen, Zerstörungen (insbesondere im Zweiten Weltkrieg) und politischer Umbrüche gelang immer wieder ein Neuanfang. Nach dem Zweiten Weltkrieg ruhte der Betrieb; 1949 erfolgte die offizielle Wiedergründung, ab 1950 durfte wieder geschossen werden.
Sport Die Schießanlage befindet sich am Kühornweg 10 in Stuttgart-Heslach. Angeboten werden Disziplinen in Luftgewehr, Luftpistole, Kleinkaliber-Gewehr, Kleinkaliber-Pistole, Großkaliber-Pistole, Armbrust, Laufende Scheibe und Zimmerstutzen.
Der Verein nimmt regelmäßig an Meisterschaften auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene teil und pflegt Traditionen durch Vereinsfeste, Adlerschießen, Meisterfeiern und Begegnungen mit anderen Vereinen. Mitglieder der Stuttgarter Schützengilde erzielten herausragende Ergebnisse bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. In ihren Reihen sind zahlreiche Medaillengewinner von Welt- und Europameisterschaften.
Bekannte (Ehren-)Mitglieder
Literatur Otto Schanzenbach: Zur Geschichte der Stuttgarter Schützengilde. Eine Festschrift zur Feier ihres 400jährigen Bestandes 1500–1900. Stuttgart 1901 (illustriert von Peter Schnorr). Festschrift zur Einweihung der neuen Schießanlage, 20. Oktober bis 5. November 1989, Stuttgart 1989. Festschrift zum fünfhundertjährigen Bestehen der Stuttgarter Schützengilde e.V. 1500–2000, Stuttgart 2000. „Das erste Heim der Schützengilde“, in: Stuttgarter Nachrichten, 9. April 2012.
Weblinks Website der Stuttgarter Schützengilde
Einzelnachweise
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