mini|Rita Lobato, 1887 Rita Lobato Velho Lopes (* 7. Juni 1866 in Rio Grande, Kaiserreich Brasilien; † 6. Januar 1954 in Rio Pardo) war eine brasilianische Medizinerin und Politikerin. Sie war die erste Frau, die in Brasilien einen medizinischen Abschluss erwarb und als Ärztin praktizierte. Sie war die zweite Ärztin in ganz Südamerika und eine Verfechterin der Frauenrechte.

Leben und Werk mini|Briefmarke Lobato war eines von 14 Kindern des Viehzüchters und Händlers Francisco Lobato Lopes und Rita Carolina Velho Lopes. Sie verbrachte ihre frühen Jahre auf der Santa Isabel Ranch bei Pelotas und zog später auf die Areal Ranch, wo sie mit fünf Jahren ihre Schulbildung in Areial begann. Sie erhielt ihre Sekundarschulbildung in Pelotas und besuchte, nachdem Kaiser Pedro II. 1879 ein Dekret unterzeichnet hatte, das Frauen den Zugang zu höherer Bildung ermöglichte, besuchte sie einen Vorbereitungskurs für die Universität in Porto Alegre. 1883 starb ihre Mutter im Alter von 41 Jahren an einer Blutung nach der Geburt ihres 14. Kindes. Zusammen mit ihrer Familie zog sie 1884 in die Hauptstadt des Kaiserreichs, wo sie sich zusammen mit ihrem Bruder Antônio an der Medizinischen Fakultät in Rio de Janeiro einschrieb. Dort waren sie und Ermelinda Lopes de Vasconcelos und Antonieta César Dias die einzigen Studentinnen. Ihre Zulassung zur Universität war durch ein kaiserliches Dekret von 1879 ermöglicht worden, das die Diskriminierung von Frauen im Hochschulbereich verbot. Aufgrund einer Auseinandersetzung beschloss ihr Vater, dass ihr Bruder und sie, die im zweiten Studienjahr war, an der Medizinischen Fakultät in Bahia weiter studieren sollten.

Am 14. Mai 1885 erreichte sie mit ihren Geschwistern an Bord des Dampfschiffs Ceará die Hauptstadt Bahias. Dort schrieb sie sich für das zweite Studienjahr an der Medizinischen Fakultät der Bundesuniversität von Bahia ein. Am 18. Mai nahm sie ihr Studium auf und war damit die erste Frau, die an der medizinischen Fakultät von Bahia studierte. Sie nutzte die Regelung zur Vorverlegung von Prüfungen und schloss das sechsjährige Studium in nur drei Jahren ab. Am 10. Dezember 1887 schloss sie ihr Studium an der Medizinischen Fakultät von Bahia im Alter von 21 Jahren mit der Dissertation: Parallelen zwischen den in der Kaiserschnittpraxis befürworteten Methoden ab. Am 20. Dezember 1887 verließ sie Salvador und zog nach Rio Pardo. Sie arbeitete anderthalb Jahre lang in Porto Alegre als Gynäkologin und Geburtshelferin.

Am 18. Juli 1889 heiratete sie Antonio Maria Amaro de Freitas, mit dem sie am 26. Oktober 1890 eine Tochter bekam. Das Paar reiste nach Europa und erwarb nach seiner Rückkehr 1891 die Ranch Capivari, wo sie fortan lebten. Im März 1910 reiste sie zum Studium nach Buenos Aires und besuchte fünf Monate lang verschiedene Krankenhäuser, Kurse und Konferenzen. Ende September 1910 kehrte sie nach Rio Grande do Sul zurück und nahm ihre ärztliche Tätigkeit wieder auf. Mit dem Schwerpunkt Geburtshilfe bot sie ihre Dienste Frauen aller Gesellschaftsschichten an. 1925, nach 15 Jahren Tätigkeit, spendete sie ihre chirurgischen Instrumente dem Santa Casa de Misericórdia in Porto Alegre und beendete ihre Praxis.

Nach dem Tod ihres Ehemannes am 20. September 1926 widmete sie sich der Pionierbewegung feministischer Anführerinnen, die für die politischen Rechte brasilianischer Frauen kämpften und setzte sich für die Aufnahme von Frauen in das Wahlgesetz von 1932 ein. 1934 trat sie der Libertador-Partei bei und wurde am 21. August desselben Jahres als erste Frau in den Stadtrat von Rio Pardo gewählt. 1937 führte der Staatsstreich von Getúlio Vargas zur Errichtung einer Diktatur in Brasilien und beendete ihre Amtszeit.

Von 1950 bis 1952 lebte sie in Porto Alegre, kehrte 1952 nach Rio Pardo zurück und starb dort 1954 im Alter von 87 Jahren.

Ehrungen und Auszeichnungen (Auswahl) 1967 gab die brasilianische Post- und Telegrafengesellschaft eine Gedenkbriefmarke zum hundertsten Jahrestag ihrer Geburt heraus. Am 10. Oktober 2014 wurde am Dom Bosco Campus der Bundesuniversität São João del-Reider das Akademische Zentrum für Medizin mit dem Namen Rita Lobato (CA-Rita) gegründet.https://ufsj.edu.br/carita/quem_somos.php Am 7. Juni 2024 wurde ihr 158. Geburtstag mit einem Google-Doodle gefeiert. Eine der Hauptstraßen in der Stadt Rio Pardo ist nach ihr benannt. Einer der Räume im Museum für Medizingeschichte (MUHM) in Rio Grande do Sul trägt ihren Namen.https://www.simers.org.br/noticia/rita-lobato-e-a-presenca-feminina-na-medicinahttps://www.muhm.org.br/

Literatur Yvonne Capuano: Matris Anima Curant: as pioneiras médicas, Maria Augusta Estrela e Rita Lobato. Línea Médica, 2002, ISBN 978-8573727890. Ana Paula Pires Trindade: Desafios das primeiras médicas brasileiras. História da Ciência e Ensino: Construindo interfaces, Bd. 4, Trindade, APP & Trindade, 2011, S. 24–27. Hebe C. Boa-Viagem A. Costa: Elas, As Pioneiras do Brasil. Scortecci.2014, ISBN 978-85-67443-19-5.

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Einzelnachweise

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