mini|Baalu Girma Baalu Girma (; * 1938 in der damaligen Provinz Illubabor, heute Oromia; † 1984) war ein äthiopischer Journalist und Schriftsteller, dessen politischer Roman Oromay (1983) als Schlüsselwerk der modernen amharischen Literatur gilt. Das Buch, eine Satire auf Propaganda und Gewalt des Derg-Regimes, wurde nach Erscheinen rasch zensiert und kurz darauf verboten. Girma verschwand im Jahr 1984 unter bis heute ungeklärten Umständen; vielfach wird seine Tötung wegen Oromay vermutet.

Leben Girma wurde 1938 in der damaligen Provinz Illubabor (heute Oromia) als Sohn einer äthiopischen Mutter und eines indischen Vaters geboren. Er wuchs mehrsprachig auf, studierte zunächst in Addis Abeba und absolvierte anschließend an der University of Michigan in den Vereinigten Staaten ein Journalistik- und Politikstudium. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Journalist und Redakteur bei Medien wie Addis Reporter und Ethiopian Herald und leitete später die äthiopische Nachrichtenagentur. Nach der Revolution von 1974 wechselte er in die staatliche Informationsarbeit. Im Jahr 1982 war Girma als leitender Propagandist der Rot-Stern-Kampagne in Eritrea eingesetzt, was ihn unmittelbar mit den Realitäten des Krieges konfrontierte. Seine Erfahrungen flossen in Oromay ein, das 1983 erschien. Nach heftigen Repressionen wurde er entlassen, und sechs Monate später verschwand er spurlos.

Wirken Girma veröffentlichte mehrere Romane und avancierte – gemeinsam mit Tsegaye Gabre-Medhin und Solomon Deressa – zu einem der bedeutendsten Vertreter der modernen amharischen Literatur. Sein Hauptwerk Oromay spielt während der Rot-Stern-Kampagne von 1982 und setzt dokumentarische Genauigkeit und politische Satire ein, indem es die Sprache und Mechanik der Diktatur seziert. Nach Erscheinen wurde Oromay umgehend zensiert und bereits fünf Tage nach Veröffentlichung verboten. Trotz des Verbots zirkulierte das Buch über Kopien weiter und entwickelte sich zum Kulttext, welcher das Regime und seine Propaganda nachhaltig in Frage stellte. Der Titel Oromay leitet sich vom in Asmara gebräuchlichen italienischen Ausdruck „oramai“ ab und bedeutet sinngemäß „es ist vorbei“ – ein Hinweis auf die Desillusionierung, welche das Werk durchzieht. Die weltweite Rezeption wurde 2025 durch die englische Übersetzung (Übersetzer: David DeGusta und Mesfin Felleke Yirgu) bei MacLehose verstärkt. Zeitgleich würdigten internationale Besprechungen die Aktualität des Romans und seine schonungslose Analyse von Krieg und Propaganda, womit Oromay auch im anglofonen Raum als moderner Klassiker verankert wurde. Über die Literatur hinaus inspirierte Oromay künstlerische Auseinandersetzungen mit Zensur, etwa Eric Gottesmans Oromaye Project und eine Leseecke für verbotene Bücher in der Ausstellung Listen Until You Hear in New York.

Einzelnachweise

Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literatur (Amharisch) Kategorie:Zeitungsjournalist Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Vermisste/Verschollene Person (20. Jahrhundert) Kategorie:Äthiopier Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Gestorben 1984 Kategorie:Mann