Der Eastern-Air-Lines-Flug 375 (Flugnummer: EA375, Funkrufzeichen: EASTERN 375) war ein Linienflug von Boston nach Atlanta über Philadelphia, Charlotte (North Carolina) und Greenville (South Carolina). Am 4. Oktober 1960 verunglückte eine Lockheed L-188 Electra beim Start vom Logan International Airport nach einem Vogelschlag, wobei 62 der 72 Insassen starben.
Maschine Das Flugzeug war eine 1 Jahr und 2 Monate alte Lockheed L-188A Electra mit der Werknummer 1062, deren Erstflug am 23. Juni 1959 erfolgt war. Die Maschine wurde am 8. Juni 1959 an Eastern Air Lines ausgeliefert und ging bei dieser mit dem Luftfahrzeugkennzeichen N5533 und der Flottennummer 553 in Betrieb. Das viermotorige Mittelstreckenflugzeug war mit vier Turboproptriebwerken des Typs Allison 501-D13 ausgestattet. Insgesamt hatte die Maschine bis zum Absturz 3.526 Betriebsstunden absolviert.
Passagiere und Besatzung Den Flug von Boston nach Charlotte hatten 67 Passagiere angetreten. Es befand sich eine fünfköpfige Besatzung an Bord, bestehend aus dem 59-jährigen Flugkapitän Curtis W. Fitts, der am 13. Dezember 1934 eingestellt wurde. Er verfügte über Musterberechtigungen für die Martin 202, die Martin 404, die Convair CV-240, die Convair CV-340, die Convair CV-440, die Douglas DC-4, die Douglas DC-6, die Douglas DC-7, der Lockheed Constellation und die Lockheed L-188 Electra. Fitts verfügte über 23.195 Stunden Flugerfahrung, davon hatte er 1.053 Flugstunden im Cockpit der Lockheed L-188 Electra absolviert. dem Ersten Offizier Martin J. Calloway. Calloway war am 5. Oktober 1953 von Eastern Airlines eingestellt worden. Er verfügte über Musterberechtigungen für die Flugzeugtypen Martin 202, Martin 404, Convair CV-240, Convair CV-340, Convair CV-440. Von seinen insgesamt 5.820 Stunden Flugerfahrung hatte er erst 201 Stunden im Cockpit der Lockheed L-188 Electra abgeleistet. dem Flugingenieur Malcolm M. Hall. Hall war am 7. Dezember 1953 von Eastern Air Lines eingestellt worden. Er verfügte über 7.796 Stunden Flugerfahrung, davon hatte er 369 Stunden im Cockpit der Lockheed L-188 Electra absolviert. den beiden Flugbegleiterinnen Joan Berry (22) und Patricia DaviesElectra Plane Crash Kills 61.
Verlauf Alle Zeiten in EST
mini|rechts|Das Wrack der Maschine mini|rechts|Bergung der Maschine aus dem Boston Harbor Um 17:35 Uhr verließ die Electra das Vorfeld. Laut Flugplan, der einen Instrumentenflug vorsah, sollte sie nach dem Abheben den Kurs für zwei Minuten halten und auf 3.000 ft (ca. 900 m) Höhe die Intersection Natick kreuzen. Die Electra rollte auf Startbahn 09, von der sie um 17:39 Uhr ihren Startlauf begann. Nach dem Abheben verblieb das Flugzeug im Horizontalflug über der Bahn, bevor es in einen Steigflug überging. Sechs Sekunden nach dem Abheben kollidierte die Electra in einer Höhe von 37 Metern mit einem Starenschwarm. Mehrere dieser Vögel wurden von den Triebwerken 1, 2 und 4 angesaugt. Der Propeller von Triebwerk 1 wurde wie vorgesehen durch ein automatisches Propellerverstellsystem in Segelstellung gebracht. Die Triebwerke 2 und 4 erlitten erhebliche Leistungsverluste. Konstruktionsbedingt verhinderte das Flugzeugsystem jedoch, dass sich auch deren Propeller automatisch in Segelstellung brachten, da bei aktiviertem System nur ein Propeller automatisch in Segelstellung gebracht werden darf. Der abrupte und intermittierende Leistungsverlust und die damit verbundene Schubasymmetrie führten dazu, dass das Flugzeug nach links gierte und unter die Geschwindigkeit fiel, bei der die Maschine noch kontrollierbar gewesen wäre. In einer Höhe von 61 Metern gierte das Flugzeug nochmals nach links. An der linken Tragfläche kam es dann zum Strömungsabriss, die Nase hob sich und die Maschine sank auf 30 Meter. Das Flugzeug rollte nach links und stürzte fast senkrecht in die Winthrop Bay nahe dem Ende der Landebahn.
Der Rumpf zerbrach in zwei Teile; acht Passagiere und die zwei Flugbegleiterinnen im hinteren Teil wurden aus ihren Sitzen geschleudert und von Booten, die sich bereits in der Bucht befanden, schnell aufgenommen. Von den zehn Überlebenden waren neun schwer verletzt. Der vordere Teil sank auf den Grund der Bucht und riss den Großteil der Passagiere und der Besatzung mit sich. Ein Kommandant der Marinereserve, der kurz darauf am Unfallort eintraf, berichtete, dass viele Passagiere in ihren Sitzen eingeklemmt waren und sich vor dem Sinken nicht mehr befreien konnten. Der gesamte Unfallablauf vom Start bis zum Aufprall im Wasser dauerte weniger als eine Minute. Nach dem Absturz bargen die Ermittler etwa 75 Starenkadaver auf bzw. in der Nähe des mutmaßlichen Unfallorts auf der Startbahn.
Ermittlungen Das Civil Aeronautics Board übernahm nach dem Unfall die Ermittlungen zur Unfallursache. Die Ermittler, darunter Bobbie R. Allen, Leiter der Operationsgruppe des Civil Aeronautics Board stellten fest, dass die Triebwerke zwei und vier jeweils mindestens einen Vogel angesaugt hatten und Triebwerk eins mindestens acht. Die Vogelschlagschäden führten dazu, dass der Propeller Nr. 1 in die Segelstellung geriet und das Triebwerk gleichzeitig abgestellt wurde. Gleichzeitig verhinderten die Schäden an den Triebwerken zwei und vier, dass diese in einer kritischen Flugphase ihre volle Leistung erbringen konnten. Das Flugzeug, das nicht mehr steigen konnte, geriet in einen Strömungsabriss. Der Leistungsausfall der linken Triebwerke verursachte vermutlich einen Strömungsabriss an der linken Tragfläche; diese senkte sich ab und das Flugzeug stürzte ins Wasser. Es gab auch Hinweise darauf, dass Vögel in die Windschutzscheibe eingeschlagen waren und die Sicht der Piloten beeinträchtigt hatten; außerdem hatten Vogelreste die Pitotrohre verstopft, wodurch die Geschwindigkeitsmesser der Piloten unzuverlässig wurden.
Schließlich wurde festgestellt, dass Turboprop-Triebwerke wie die der Electra sehr anfällig für Schäden durch Vogelschlag waren. Das CAB empfahl der Civil Aeronautics Administration (CAA, der Vorgängerorganisation der FAA), Maßnahmen zu ergreifen, um die durch Vogelschläge verursachten Schäden an Turbinentriebwerken zu verringern, und Wege zu finden, um die Vogelpopulationen in der Umgebung von Flughäfen zu reduzieren.
Als wahrscheinliche Unfallursache stellten die Ermittler die besondere und kritische Abfolge von Triebwerksausfall und -neustart nach dem Vogelschlag fest. Diese habe zu dem Geschwindigkeits- und Kontrollverlust beim Start geführt.
Quellen Unfallbericht L-188, N5533 im Aviation Safety Network Crash of a Lockheed L-188A Electra in Boston: 62 killed, B3A – Bureau of Aircraft Accident Archives Abschlussbericht des Civil Aeronautics Board, 26. Juli 1962. Betriebsgeschichte der Maschine, planespotters.net
Einzelnachweise
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