Ukemochi no kami (, auch: Ōgetsu-hime () „Prinzessin große Nahrung“) ist die japanische Göttin (Kami) der Nahrung und Tochter der Schöpfungsgötter Izanagi und Izanami. Ukemochi ist damit wichtiger Bestandteil der japanischen Mythologie und wird als Nahrungsgöttin im Shintoismus verehrt. Sie ist Gegenstand der beiden ersten geschichtlich-mythologischen Werke Japans, dem Kojiki und dem Nihonshoki. Insbesondere die zunächst unmotiviert erscheinende Erzählung im Kojiki sorgt bis heute in der Fachwelt für Diskussionen um ihre Deutung.
Mythos Nach dem Nihonshoki entsteht Ukemochi aus dem Blut des Feuergottes Kagutsuchi, als dieser von Izanagi in drei Stücke gehauen wird.In einer Alternativfassung des Nihonshoki gebar Waku Musuhi die Getreidesorten. Diese männlich vorgestellte Gottheit war das Kind des Feuergottes Kagutsuchi und der Bodengottheit Haniyama hime.Nihonshoki Variante VI + VII nach Nelly Naumann, S. 67 Nach dem Kojiki wird Ōgetsu-hime, nachdem die Schaffung der Länder beendet war, von Izanami und Izanagi zusammen mit 31 Göttern gezeugt.Klaus Antoni, S. 51
Die Sonnengöttin Amaterasu schickte einst den Mondgott Tsukuyomi zu Ukemochi. Ukemochi speiste ihn mit Nahrung aus ihrem Mund. Tsukuyomi ist davon angeekelt und tötet Ukemochi mit einem Schwert. Amaterasu ist über Tskuyomi erzürnt und will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Von da an ließ sie den Mondgott den Himmel nur noch dann erleuchten, wenn sie es nicht tat. Amaterasu sendete in der Folge den Wolkengott Ama-kuma-no-ushi (auch: Ama no kumahito) nachzusehen, ob Ukemochi wirklich erschlagen wurde. Bei seiner Rückkehr bestätigt der Wolkengott den Tod von Ukemochi berichtet aber auch davon, dass aus ihrem Körper alle wichtigen Nahrungsmittel hervorgegangen sind: aus dem Scheitel entsprangen Ross und Rind, aus ihren Augenbrauen wuchs der Maulbeerbaum und das Gespinst der Seidenraupen, aus den Augenhöhlen koreanische Hirse, auf der Stirn die eigentliche Hirse, auf ihrem Bauch der Reis, die große, kleine und rote Bohne und die Gerste. Das sind vortreffliche Dinge für die Menschen, die bisher nur Kräuter verspeisten, urteilte Amaterasu. Auch der Himmel profitierte, denn Amaterasu ordnete an Reis anzubauen, teilte die Himmelsebene in Felder ein und bestimmte Vorsteher. Auf die Himmelshügel pflanzte sie Maulbeerbäume. Hirse, Gerste und Bohnenfrüchte wurden auf die höheren Felder gepflanzt. Ukemochi wird seither hoch verehrt und beschützt mit ihrem Diener dem weißen Fuchs vor allem den Reisbau.Berndt Schulz, S. 61–64.
Deutung Die Gottheit Ōgetsu-hime hält sich im Schilfland (, Ashihara no Nakatsukuni) auf, das zwischen Takamanohara (der Ebene des Hohen Himmels) und der Unterwelt Yomi no kuni liegt. Durch den Tod der Ōgetsu-hime entstehen alle landwirtschaftlichen Kernprodukte und das Saatgut. Sie ist daher sowohl als Dema-Gottheit verstanden als auch mit dem indonesischen Hainuwele-Mythos, bei dem sinngemäß die Körperteile eines begrabenen Mädchens sich in Knollen- und Wurzelfrüchte verwandeln, in Verbindung gebracht worden.
Das Nihonshki führt aus, dass aus ihrem Mund gekochter Reis, Breitflossiges und Schmalflossiges sowie Hartfelliges und Weichfelliges hervorkamen. In Varianten wird berichtet, dass die Nahrungsmittel aus verschiedenen Körperteilen hervorgehen – so entstanden auf ihrem Scheitel Pferd und Rind, auf ihrer Stirn Kolbenhirse, auf ihren Augenbrauen Seidenraupen-Kokons, in ihren Augen Rispenhirse, in ihrem Leib Reispflanzen, in ihrer Scham Gerste, die großen Bohnen und die Azuki-Bohnen.
Damit ist die Erzählung von Ukemochi ein Herkunftsmythos. Er erklärt innerhalb der Schöpfung einerseits die Herkunft der Nahrung. Andererseits erklärt er die Trennung der Sonnengöttin Amaterasu und des Mondgottes Tsukuyomi und damit die Entstehung von Tag und Nacht.
Aufgrund der Unterschiede der Erzählungen in der Ausführlichkeit, der strukturellen Einordnung im Text und der beteiligten Gottheiten im Kojiki und Nihonshoki wurde in der Forschung die Frage aufgeworfen, ob es sich tatsächlich um dieselbe Geschichte handele.Wittkamp, S. 369 Während die Erzählung im Kojiki ohne Vorbereitung und Übergang in einer verkürzten Form eingeschoben ist und isoliert wirkt, so als konnte nicht darauf verzichtet werden von der Herkunft der Nahrungsmittel zu berichten, konnte das Nihonshoki in der Hauptfassung darauf verzichten. Im Nihonshoki wird der Tod der Nahrungsgöttin durch den Mondgott verursacht und Amaterasu selbst pflanzt im Himmelsgefilde die Nahrungsmittel und macht daraus Samenkörner. Im Kojiki hingegen ist der ungestüme Susanoo no mikoto der Übeltäter, der Ōgetsu-hime tötet. Die acht Myriaden Götter beraten über ein Strafe für Susanoo und legen fest, dass er 1000 Tische mit Opfergaben bereit stellen soll. Susanoo bittet daraufhin Ōgetsu-hime die Nahrungsmittel zu beschaffen, ist wie der Mondgott angeekelt von der Art, mit der sie das tut und erschlägt sie daraufhin. Im Kojiki ist es zudem die Gottheit Kami-musubi-mi-oya-no-mikoto, die anstelle Amaterasus die Nahrungsmittel in Saatgut verwandelt.
Nelly Nauman bringt ohne die Textstelle im Kojiki selbst zu übersetzen abweichend den Begriff harahe (, Reinigung, Austreibung)Naumann, S. 86. anstelle des Wortes nuku (, herausziehen) in ihre Deutung ein. Die Strafe des Susanoo und der Textsinn wandeln sich dadurch vom Ausreißen der Nägel zu einer reinigenden Strafe, die in der Beschaffung der Nahrung besteht. Dabei unterscheidet sie zwischen der Reinigung von einer Schuld (harahe) und dem schlichten Abwaschen (, misogi, der rituellen Waschung im Shintō).Naumann, S. 84. Dieser alternativen Textstelle und Deutung folgen auch die Mehrzahl der japanischen Forscher. Motoori Norinaga und Antoni hingegen verwenden für ihre Übersetzung die Textfassung mit dem Wort nuku und der Bestrafung durch Ausreißen der Nägel.
Bedeutsam für die Gesamtdeutung sind die Herkunft der Nahrung und die Trennung von Sonne und Mond. Zudem ist mit der Nahrungsgottheit die „Mythe vom Leben durch Sterben“.Wittkamp, S. 372. Die Erzählung von Ukemochi zeigt damit die Transformation und nicht den Tod einer Gottheit. Eine wesentliche Aussage des Ukemochi-Mythos ist daher, dass die Nahrung, die der Mensch zu sich nimmt, Teil einer Gottheit ist.
Trivia Ukemochi wird insbesondere neben Inari, der Gottheit des Ackerbaus und des Getreides, im Fushimi Inari-Taisha verehrt.
Außerdem wird Ukemochi im Onikoshi Sōzen Schrein in Takizawa, Präfektur Iwate als Nahrungsgöttin und Schutzgöttin der Pferde verehrt.
Siehe auch Ukanomitama
Anmerkungen
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