Das Tikvah Institut (hebräisch תקווה, Tikvah, Hoffnung) ist eine in Berlin ansässige gemeinnützige Forschungs- und Bildungsorganisation, die sich der Untersuchung und Bekämpfung von Antisemitismus sowie der Vermittlung jüdischer Perspektiven in Wissenschaft und Gesellschaft widmet.

Ziele sind laut Angaben auf der Website ein fachlicher Austausch über Antisemitismus zwischen Kreisen aus Wissenschaft, Pädagogik, zivilgesellschaftlichen Aktivisten, Politik und Regierung. Hierzu dienen öffentliche Fachtagungen, Veröffentlichungen von Policy-Papers und Beteiligungen an Bildungsprojekten. Das Institut wird unter anderem durch das Bundesministerium des Innern und das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie durch die Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert.

Gründung und Zweck Das Institut wurde im Sommer 2020 gegründet. Zu den Gründern zählen die Journalistin Deidre Berger, die ehemalige Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute und derzeitige Vorsitzende der Jewish Digital Cultural Recovery Project Foundation, sowie Volker Beck, der frühere Bundestagsabgeordnete und derzeitige Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Das Tikvah Institut ist eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) und unabhängige Organisation. Es besteht keine Verbindung zum amerikanischen Tikvah Fund. Das Institut formuliert als Ziel auf seiner Webseite, wissenschaftlich fundierte Forschung, Bildungsangebote und Policy-Analysen zur Prävention von Antisemitismus bereitzustellen sowie jüdische Lebenswirklichkeiten in den öffentlichen Diskurs einzubringen.

Öffentliche Stellungnahmen und Veranstaltungen Das Institut veröffentlicht Pressemitteilungen und Policy-Papiere zu aktuellen politischen Fragen wie zum Beispiel zur rechtlichen Anerkennung jüdischer Feiertage in Landesgesetzen oder zum Umgang mit Symbolik und Demonstrationen im Kontext von Konflikten in Israel und Palästina. Es organisiert öffentliche Konferenzen und wissenschaftliche Panels.

Fachtagung „Wie deutsch ist Jiddisch?“ Die Fachtagung „Wie deutsch ist Jiddisch?“ war eine öffentliche wissenschaftliche Veranstaltung im Oktober 2021 in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, unterstützt von der Hertie-Stiftung, dem Centrum Judaicum und der Amadeu Antonio Stiftung. Anlass war das Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Fokus war eine Auseinandersetzung zum Verhältnis des Jiddischen zum Deutschen sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Struktur, Vokabular und Sprachpolitik aufzuzeigen. Ein Artikel in der Jüdischen Allgemeinen erwähnte, dass Jiddisch historisch im mittelalterlichen deutschsprachigen Raum entstand, von den deutschen Dialekten beeinflusst ist und über Jahrhunderte vielfältige kulturelle Verbindungen zu deutschsprachigen Regionen aufweist. Außerdem wurde die bisherige Rechtspraxis hinterfragt, die Jiddisch aus dem deutschen Sprach- und Kulturkreis ausgeschlossen hatte. So hatten Entscheidungen des Bundesgerichtshofs (BGH) in den 1970er und 1980er Jahren u. a. den Ausschluss mancher Opfer des Nationalsozialismus von Entschädigungs- und Rentenleistungen zur Folge, wie in einer historischen Einordnung der Diskussion in einem Artikel des Legal Tribune Online zusammengefasst. An einer abschließenden Diskussionsrunde nahmen parteiübergreifend ehemalige oder zum Zeitpunkt der Veranstaltung aktuell tätige Abgeordnete des Bundestags teil, unter anderem Michaela Engelmeier (SPD), Peter Harry Carstensen (CDU), Frank Müller-Rosentritt (FDP), Marlene Schönberger (B'90/Die Grüne) sowie die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags Petra Pau (Die Linke).

Fachtagung „Gut Schabbes? Chag Sameach! Religionsfreiheit und Respekt für die Arbeitsruhe an Schabbat & jüdischen Feiertagen“ Die Veranstaltung fand am 6. November 2022 in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin statt und widmete sich Alltagssituationen, in denen religiöse Juden in Deutschland zwischen Religionspflichten (z. B. der Ruhetag Schabbat) und weltlichen Anforderungen wählen müssen. Hierbei ging es vor allem um die Vereinbarkeit des halachischen Gebots der Arbeitsruhe am Schabbat und an jüdischen Feiertagen mit weltlichen Anforderungen (z. B. Prüfungen, Arbeit, Schulpflicht). Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam mit dem Blog der Experteninitiative Religionspolitik (EIR), der Jüdischen Studierendenunion Deutschland und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Eingeladen waren u. a. Religionsverfassungsrechtler, Rabbiner und Vertreter aus Politik und öffentlicher Verwaltung.

Herbstakademie 2025 „Antisemitismus und die ,Krise‘ der Wahrheit: Empirische und theoretische Perspektiven auf antisemitismuskritische Forschung und Bildung“ Die Veranstaltung dauerte vom 29. November bis 1. Dezember widmete sich der Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungsansätzen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, dem Ziel, diese für Medien und Öffentlichkeit stärker sichtbar zu machen. Sie war in Kooperation mit zahlreichen jüdischen und nicht-jüdischen Verbänden, Organisationen und Hochschuleinrichtungen organisiert, unter anderem dem Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien (CARS) der Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, der Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung der Universität Trier, der Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Passau, dem Netzwerk Jüdischer Hochschullehrer, der Jüdischen Studierendenunion Deutschland und dem Jungen Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, und fand in der Urania statt. Internationale wissenschaftliche Beiträge stammten unter anderem vom israelischen Militärhistoriker Danny Orbach zu aktuellen Studienergebnissen zum angeblichen Genozid im Gazastreifen, Stephan Grigat zu projektivem Antizionismus als israelbezogenen Antisemitismus vor und nach dem 7. Oktober, und dem US-amerikanischen Historiker Jeffrey Herf über eine zunehmende Dominanz antizionistischer Positionen in der Nahostforschung. Vertrerinnen der Bundesregierung nahmen ebenfalls teil in Form von Grußworten von der Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und der Bundesbildungsministerin Karin Prien.

2024 Herbstakademie „Antisemitismuskritische Antisemitismusforschung nach dem 7. Oktober 2023“ Die Herbstakademie 2024 zur Antisemitismusforschung nach dem 7. Oktober 2023 dauerte vom 30. November bis 2. Dezember und war in Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences organisiert. Dabei wurden neuere Studien und empirische Befunde zu Antisemitismus in Deutschland beleuchtet und kritisch diskutiert. Laut einem Pressebericht der Jüdischen Allgemeine legten die Veranstalter besonderen Wert auf einen interdisziplinären Dialog und die Einbeziehung jüdischer Perspektiven, um aktuelle Erscheinungsformen von Antisemitismus differenziert zu analysieren. Podiumsdiskussionen, Vorträge und akademische Präsentationen behandelten unter anderem islamistischen Judenhass, sozialpsychologische Analysen von Israelhass sowie aktuelle Herausforderungen der Antisemitismusforschung. Beteiligt waren u. a. Lars Rensmann, die Soziologin Julia Bernstein, der Publizist und ehemalige Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit Josef Joffe und der Historiker und Publizist Volker Weiß.

Juristische Fachtagung „Antisemitismusbekämpfung mit dem Strafrecht – Möglichkeiten und Grenzen“ Im Dezember 2024 veranstaltete das Tikvah Institut gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin eine öffentliche juristische Fachtagung mit dem Titel Antisemitismusbekämpfung mit dem Strafrecht – Möglichkeiten und Grenzen. Dabei wurden Möglichkeiten zur effektiveren strafrechtlichen Verfolgung antisemitischer Äußerungen und Taten in Deutschland diskutiert. Hintergrund war ein deutlicher Anstieg antisemitisch motivierter Straftaten seit dem Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und insbesondere israelbezogener Antisemitismus. Konkrete Reformvorschläge, darunter eine Erweiterung des Volksverhetzungs-Tatbestands (§ 130 StGB) und Möglichkeiten einer Vereinbarkeit mit der Wahrung verfassungsrechtlicher Grenzen, insbesondere der Schutz der Meinungsfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, wurden in einem Artikel des Legal Tribune Online zusammengefasst. Ein Artikel in der Tageszeitung (TAZ) erwähnte eine Diskussion zur potentiellen symbolischen Funktion von Normverschärfungen des Strafrechts, jedoch auch seine Grenzen. Diskussionsbeiträge und Vorträge stammten unter anderem von den Strafrechtsexperten und Hochschullehrer Michael Kubiciel, Martin Heger, und Frank Meyer.

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Kategorie:Antisemitismus in Deutschland Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 2020 Kategorie:Organisation (Berlin)