mini|hochkant|Sándor Makkai
Sándor Makkai (* 13. Mai 1890 in Nagyenyed; † 19. Juli 1951 in Budapest) war ein siebenbürgisch-ungarischer Schriftsteller, Pädagoge, reformierter Pfarrer und von 1926 bis 1936 Bischof des reformierten Kirchenbezirks Siebenbürgen (ungar. Erdély).
Leben Sándor Makkai wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters in einer großen, von seiner Mutter geprägten reformierten Familie auf. Er erhielt seine Ausbildung an mehreren reformierten Schulen Siebenbürgens und studierte anschließend gleichzeitig Theologie und Philosophie in Klausenburg, wo er 1912 promovierte. Neben wissenschaftlicher Arbeit trat er bereits früh literarisch hervor, insbesondere mit seinem 1912 erschienenen Gedichtband Számadás.
Zwischen 1912 und 1918 entwickelte sich Makkai vom jungen Religionslehrer und Hilfspfarrer zu einem anerkannten Theologen, Publizisten und Hochschullehrer. Neben Gemeindedienst und Unterricht prägten besonders seine publizistische Tätigkeit und seine pädagogischen Überlegungen zum Religionsunterricht sein Profil. Während des Ersten Weltkriegs deutete er den Krieg theologisch als Folge menschlicher Sünde, zugleich aber als Anlass zu Trost, Gebet und Umkehr. Die harte Pfarrzeit in der armen Landgemeinde Vajdakamarás ab 1915 formte sein Verständnis des Pfarrberufs nachhaltig und inspirierte ihn zu seinem Roman Holttenger (zu deutsch „Totes Meer“). Schließlich führte ihn seine wissenschaftliche Arbeit 1917/18 zur Professur und damit in den akademischen Bereich der reformierten Theologie.
Zwischen 1918 und 1926 entwickelte sich Makkai in Klausenburg zu einer führenden theologischen und kirchlichen Persönlichkeit. Die politischen Umbrüche nach dem Vertrag von Trianon, bei der Siebenbürgen von Ungarn getrennt wurde, prägten sein Denken stark und führten zu intensiver wissenschaftlicher Arbeit sowie zu einem Programm der kirchlichen Erneuerung (siehe Vécser Bund). Nach dem Weggang von Ravasz Lászlo übernahm er das Rektorat der Theologischen Fakultät in Klausenburg. Die Aufgabe der theologischen Fakultät bestimmte er dreifach:
Sie sollte eine wissenschaftliche Hochschule sein – denn Theologie schafft den Glauben nicht, sondern setzt ihn voraus. Sie sollte ein Ausbildungsort für Pfarrer mit praktischer Ausrichtung sein, wobei die Persönlichkeit der Lehrenden entscheidend ist. Sie sollte eine spezifisch siebenbürgische Institution sein, ein geistliches Zentrum für die Region.
1926 wurde Makkai Bischof des siebenbürgischen Kirchenbezirks der Reformierten Kirche in Rumänien und leitete ein umfassendes Reform- und Aufbauprogramm: Ausbildung, Mission, Liturgie und kirchliche Organisation wurden erneuert. Unter schwierigen politischen Bedingungen für die ungarische Minderheit reorganisierte er das Gemeindeleben, gründete Verbände, Schulen, soziale Einrichtungen und schließlich sogar ein Krankenhaus. Gleichzeitig war er mit finanziellen Krisen, staatlichen Konflikten und persönlichen Angriffen konfrontiert. Die enorme Arbeitslast und die Minderheitensituation führten zu schwerer körperlicher und seelischer Erschöpfung. 1936 legte er aus Gewissensgründen sein Bischofsamt nieder.
Nach seiner Übersiedelung nach Ungarn konnte er ab 1936 in Debrecen an der Reformierten Theologischen Universität als Praktischer Theologie lehren. Er entwickelte eine theologisch-pädagogische Vision: Die reformierte Kirche sollte als „Kirche des Wortes“ missionarisch auf Nation und Gesellschaft wirken. Seine Schriften verbanden Christentum, nationale Bildung und kulturelle Verantwortung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er kurzzeitig politisch verfolgt, später im kommunistischen Ungarn kirchlich marginalisiert. Die Belastungen brachen ihn schließlich gesundheitlich; 1951 starb er. Sein Werk prägte nachhaltig die reformierte Theologie und Kirchenentwicklung, besonders in Siebenbürgen.
Werke (Auswahl) Számadás (Gedichte), Klausenburg, 1912 Kapu előtt (Roman), Klausenburg, 1921 Holttenger (Roman), Klausenburg, 1923 Az Eszter padja, Klausenburg, 1924 Élet fejedelme (Roman), Klausenburg, 1924 Megszólalnak a kövek (elbeszélések), Klausenburg, 1925 Ördögszekér, Klausenburg, 1925 Gyöngyvirág (Theater), Klausenburg, 1927 Magyar fa sorsa. A vádlott Ady költészete, Klausenburg, 1927 Ágnes (Roman), Klausenburg, 1928 Az elátkozott óriások (Vorträge), Klausenburg, 1928 Egyedül. Bethlen Gábor lelki arca. Klausenburg, 1929 Magunk revíziója (Vorträge), Klausenburg, 1931 Erdélyi szemmel (Studien, Essays), Klausenburg, 1932 Harc a szobor ellen (Studien), Klausenburg, 1933 Táltoskirály (historischer Roman), Klausenburg, 1934 Az élet kérdezett I., II. (Studien), 1935 Magyar nevelés, magyar műveltség, Budapest, 1937 Magyarok csillaga, Budapest, 1937 Tudománnyal és fegyverrel. Arte et marte. A nemzetnevelés terve; Révai, Bp., 1939 Örök Erdély Budapest, 1940 Mi Ernyeiek Budapest, 1940 Szép kísértet (Roman), Budapest, 1942 A fejedelem rózsája, Budapest, 1943 Szabad vagy, Budapest, 1943
Weblinks
https://mek.oszk.hu/03600/03628/html/m.htm#MakkaiS%C3%A1ndor https://web.archive.org/web/20130616090958/http://www.makkaisandor.ro/ https://mek.oszk.hu/00800/00878/ https://web.archive.org/web/20070717095207/http://makkai.adatbank.transindex.ro/bibl.php3
Einzelnachweise
Kategorie:Evangelischer Bischof (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Siebenbürgen) Kategorie:Hochschullehrer (Debrecen) Kategorie:Hochschullehrer (Cluj-Napoca) Kategorie:Praktischer Theologe Kategorie:Reformierter Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Reformierter Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Rektor einer Hochschule Kategorie:Rumäne Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren 1890 Kategorie:Gestorben 1951 Kategorie:Mann