Die Lancing war einer der schnellsten Windjammer aller Zeiten. Zunächst als Dampfschiff mit Zusatzbesegelung unter dem Namen Péreire gebaut, erfolgte nach einer Strandung 1887 der Umbau zum letzten Viermastvollschiff der Welt. Nach zahlreichen erfolgreichen Reisen wurde es 1925 verschrottet.https://www.sandefjordshistorie.no/shipping/ship/f1290 LANCING (I) – Sandefjords Historiehttps://navalmarinearchive.com/research/pdf/4_masted_ships_mm_19_sm.pdf Four masted ships (PDF) – Naval Marine Archive

Geschichte Péreire Die Gründer und Eigner der Compagnie Générale Transatlantique, die Brüder Émile und Isaac Péreire, ließen 1865/66 bei der Werft Robert Napier & Sons in Glasgow ein Dampfschiff bauen, das sie auf ihren eigenen Familiennamen taufen ließen. Der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, das Schiff als Raddampfer zu bauen, doch während des Baues entschied man sich für einen Schraubenantrieb. Eine zweizylindrische Dampfmaschine leistete 1250 PS, die dem Schiff eine Höchstgeschwindigkeit von 15,3 Knoten ermöglichte. Zusätzlich war das Schiff hilfsweise als Dreimastbark getakelt. Gut zwanzig Jahre lang versah dieses als besonders elegant und schnell geltende Schiff den Transatlantikdienst als Post- und Passagierschiff. Es konnte dabei 418 Fahrgäste befördern.

Einer seiner prominentesten Passagiere war der französische Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi, der 1871 eigens nach New York fuhr, um einen geeigneten Standort für seine geplante Freiheitsstatue auszusuchen. Er fand ihn während der Einfahrt in der kleinen Insel Bedloe’s Island, die später in Liberty Island umbenannt wurde. Auch der Schriftsteller Jules Verne fuhr an Bord der Péreire nach Amerika und nahm in der Einleitung seines Romans Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer darauf Bezug.

Am 21. Januar 1869 wurde das Schiff auf der Reise nach New York von einer Riesenwelle überspült und schwer beschädigt. Vier Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder fanden dabei den Tod.

Im Juni 1872 wurde in der Bauwerft ein dritter Dampfzylinder eingebaut, was zu einer merklichen Kohlenersparnis führte. Bereits wenig später wurde die Péreire durch eine Kollision mit einem anderen Dampfschiff erneut schwer beschädigt. Obendrein lief die Péreire auf dem Weg zum Reparaturdock auf dem Clyde auf Grund. Bereits kurz nach der Wiederherstellung ereignete sich ein weiterer Unfall, als die Péreire das Heck der Bremer Bark Laura, eines Auswandererschiffes, streifte und so schwer beschädigte, dass sie sank. Alle Besatzungsmitglieder und Passagiere des Havaristen konnten von der Péreire gerettet werden.

Im Jahr 1880 brach ein Feuer an Bord aus, woraufhin das Schiff gezielt mit einem Torpedo versenkt wurde, um die Flammen zu löschen. Anschließend hob man das Schiff und reparierte es; bei dieser Gelegenheit bekam es einen zweiten Schornstein.

Umbau zum Viermastvollschiff 1887 lief das Schiff in der Loire-Mündung bei St. Nazaire erneut auf Grund und wurde aufgegeben. Das Londoner Unternehmen A. E. Kinnear & Co kaufte das Wrack. Nachdem man es großenteils ausgeschlachtet und auf diese Weise schwimmfähig gemacht hatte, wurde es ins Trockendock von Blyth Shipbuilding in Blyth (England) geschleppt und von Grund auf neu zu einem Viermastvollschiff für Frachtzwecke aufgearbeitet. Damit war es das letzte von insgesamt etwa 130 Schiffen dieses Typs. Sämtliche Dampf-Antriebsanlagen einschließlich der Schraubenwelle wurden ersatzlos entfernt und die Öffnung am Heck verschlossen. An die Stelle des Maschinenraums und der Kohlenbunker kamen nunmehr Frachträume. Zur Entlastung der Besatzung bei Segelmanövern, Ladungsarbeiten usw. erhielt das Schiff einige Dampfwinden, was auch zu einer deutlichen Verkleinerung der Besatzung führte. Insgesamt nahm der Umbau sieben Monate in Anspruch.

Lancing Am 5. Februar 1889 verließ das Schiff die britische Werft unter dem Namen Lancing; dies ist der Name eines Dorfes in West Sussex (England). In den folgenden Jahren fuhr das Schiff wechselweise unter britischer und norwegischer Flagge, ehe es 1901 endgültig in norwegische Hände überging. Genauso wie in den Fällen der Pommern oder der Herzogin Cecilie beließen die Skandinavier dem Schiff seinen vorigen Namen.

Mit einem Länge-Breite-Verhältnis von 8,5:1 war die Lancing im Vergleich zu anderen Viermastern recht schlank gebaut, so dass sie ihre schon guten Geschwindigkeitsleistungen aus ihrer Dampfschiffzeit nun unter Segeln noch weit übertraf. Sie erreichte Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 22 Knoten (nach Patentlog). Insbesondere unter norwegischen Kapitänen stellte das Schiff eine ganze Reihe von Geschwindigkeitsrekorden auf. So konnte es bei einer Reise über den Pazifik von Nouméa nach Buenos Aires eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 18 Knoten über 72 Stunden durchhalten, ein anderes Mal wurde über 15 Stunden eine Geschwindigkeit von 22 Knoten über Patentlog gemessen. Diese Leistungen wurden von Großseglern bis heute nicht übertroffen.

Ihre schnellsten Fahrten unternahm die Lancing unter dem Kommando von Nils Bull Melsom (1903–1914) und seinem Schüler und Nachfolger Oscar Olufsen (1914–1918). Mit ihm als Kapitän erzielte das Schiff auch sein größtes Etmal, 366 Seemeilen von Mittag zu Mittag (zum Vergleich: die erst 1895 gebaute Potosi hielt lange den Weltrekord für Windjammer mit 395 Seemeilen, ehe sie schließlich von der Preußen mit 426 Seemeilen abgelöst wurde). Kapitän Olufsen fiel am 16. September 1916 während eines Sturms über Bord und kam ums Leben.

Im Juni 1921 kollidierte die Lancing im Nordatlantik bei dichtem Nebel mit einem Eisberg und verhakte sich daran. In Erwartung des Untergangs ging die Besatzung in die Rettungsboote. Als dann das Schiff nach einer halben Stunde unerwartet freikam, ging die Mannschaft wieder an Bord und stellte fest, dass das Schiff trotz der schweren Beschädigungen an den Masten und dem Oberdeck keinen strukturellen Schaden genommen hatte, so dass es in langsamer Fahrt weiter zu seinem schottischen Zielhafen laufen konnte. Dort konnten Taucher bestätigen, dass der Rumpf tatsächlich intakt geblieben war.

Das Ende des Ersten Weltkriegs läutete auch das Ende der Ära der großen Frachtsegler ein.Audio-Tour Deutsch (Auszug) – Windjammer-Museum Barth Einer der Gründe war die Überflutung des Weltmarktes mit Handelsschiffen, die das deutsche Reich als Reparationen abzutreten hatte. Von dieser Entwicklung war auch die Lancing betroffen; das inzwischen betagte Schiff bekam immer weniger Frachtaufträge. Seine letzte Reise unter norwegischer Flagge führte 1924 von Cape Chat (Kanada) nach Ardrossan (Schottland); es war eine 34-tägige Sturmfahrt. Danach wurde das Schiff zum Abwracken nach Italien verkauft.

Siehe auch Liste großer Segelschiffe

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Einzelnachweise

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