mini|Olga Blinder (2007)|alt=86-Jährige, freundlich in die Kamera blickend, mit kurzen grauen Haaren und einer Perlenkette in einem Ausstellungsraum, links im Hintergrund ein Porträt in schwarz auf rotem Grund
Olga Blinder (* 21. Dezember 1921 in Asunción; † 19. Juli 2008) war eine paraguayische Malerin, Graphikerin und Bildhauerin.
Biografie Herkunft und Ausbildung Olga Blinder wurde 1921 in Asunción in eine jüdische Familie geboren. Ihr Vater unterstützte ihre Kunstbegeisterung und meldete sie zu Kunstkursen an.
Sie studierte von 1939 bis 1943 Ingenieurwesen am Ateneo Paraguayo und machte ihren Abschluss in Pädagogik. 1948 besuchte sie einen Malkurs an der paraguayischen Universität und studierte in der Folge Malerei bei João Rossi und Ofelia Echagüe Vera.
Karriere Olga Blinder hatte ihre erste Ausstellung 1950 im Ateneo Paraguayo, gefolgt von einer Ausstellung 1952 im paraguayisch-amerikanischen Kulturzentrum. 1954 gründete sie gemeinsam mit Josefina Plá, Lilí del Mónico, José Laterza Parodi, Edith Jiménez, Ruth Fisher und anderen die Künstlervereinigung Grupo Arte Nuevo. Die Bedeutung dieser Gruppe lag darin, dass sie mit dem Naturalismus brach, der die Kunst seit dem 19. Jahrhundert dominiert hatte, und sich stattdessen dem Expressionismus zuwandte. Zentrale Themen ihrer Arbeiten waren Menschlichkeit und Gesellschaft. Die Ästhetik der Gruppe war nicht einheitlich, das Spektrum reichte von konstruktivistischer Abstraktion, über die Stilisierung der Figuration bis hin zum sozialen Realismus.
In Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Künstler Livio Abramo (1903–1993) erarbeitete sich Blinder den Holzschnitt als wichtiges künstlerisches Ausdrucksmittel.
Blinder galt in den 1950er Jahren bald als grundlegende Förderin des Wandels in der paraguayischen Kunst. Sie orientierte sich in dieser Zeit am sozialen Realismus. Ihr Stil war bekannt für seine Ausdruckskraft und seine harten, rigorosen Darstellungen von Rauheit, die in der Regel den Menschen in den Mittelpunkt stellten. Ein Schlüsselelement in Blinders Werk ist die Darstellung von Frauen, meist auf dem Land lebend und indigenen Bevölkerungsgruppen angehörend, die alltägliche Arbeiten verrichten und sich um ihre Kinder kümmern.
In den 1960er Jahren setzte Blinder markante und vereinfachte Körperformen in Holzschnittbildern als zentralen Bestandteil ihres Werks ein. In den 1970er Jahren beschäftigte sie sich intensiv mit Printmedien und schuf zahlreiche ausdrucksstarke Stiche. In den 1980er Jahren kehrte sie zum Expressionismus als zentralem Aspekt ihrer Malerei zurück und ihr Werk wurde introspektiver, verkörperte aber immer noch Themen der menschlichen Natur und der Not.
Im Laufe ihres Lebens nahm sie an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil, unter anderem in den Niederlanden, Venezuela, Argentinien, Spanien, Chile, Lissabon, Kolumbien, Uruguay und den Vereinigten Staaten.
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit war sie auch dreißig Jahre als Professorin für Kunst und Kunstdidaktik tätig. Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher und Artikel über Bildung und Kunst. Sie war Direktorin der Escolinha de Arte von Paraguay und des Instituto de Arte (ISA) der Nationalen Universität von Asunción. Sie war auch Beraterin des Bildungsministeriums bei der Entwicklung von Schulbüchern für den Kunstunterricht.
Werke (Auswahl) „Pareja Triste“, 1957
Das Ölgemälde auf Sackleinen, Pareja Triste [Trauriges Paar] wurde 1957 fertiggestellt. Das Gemälde zeigt zwei Personen mit spiegelbildlich angeordneten Gesichtszügen. Beide blicken mürrisch mit nach unten gerichteten Augen und gerunzelten Stirnen, die beiden Körper überlappen sich. Die dunkelblauen und braunen Farbtöne erzeugen einen düsteren Ton.
„Miedo“, 1959
Auf dem 1959 entstandenen Holzstich Miedo [Furcht] hält eine Mutterfigur zwei Kinder in ihren Armen, um sie vor äußerer Gewalt zu schützen.
„Lavandera“, 1961
Ein weiteres Beispiel für ihre Holzschnittkunst ist das 1961 fertiggestellte Werk Lavandera [Die Wäscherin]. Es stellt eine Frau dar, die ein Kleidungsstück auf einem Waschbrett schrubbt. Der Körper der Frau wird durch zerklüftete Winkel dargestellt.
„Los Torturados“, 1963
In einer berühmten Serie von Holzschnitten aus dem Jahr 1963 mit dem Titel Los Torturados [Die Gefolterten] verwandte Blinder zwei Formate. Das erste sind Arbeiten, bei denen Körper aufgereiht und manchmal übereinander gelegt werden, und das zweite sind Arbeiten, bei denen der abgebildete menschliche Körper am Rand des Blattes platziert ist. Sie stellte auch verwesende Körper dar, bei denen Teile von Knochen, Fleisch und Fragmente gezeigt wurden.
„Madre“, 1963
Ebenfalls im Jahr 1963 schuf Blinder einen Holzschnitt auf Seidenpapier mit dem Titel Madre [Mutter]. Der Künstlerkollege Livio Bramo sagte über Madre, dass sich Blinder in ihrem Werk „zutiefst mit der conditio humana und insbesondere mit der menschlichen Traurigkeit“ beschäftigt habe. Das Werk wurde als Klage über die Armut vieler Familien während der Diktatur Stroessners interpretiert.
Privates und politisches Leben Olga Blinders Lebenszeit war von politischen Unruhen und Umwälzungen geprägt, die ihre Sicht auf die Welt und die Gesellschaft stark beeinflussten. Sie erlebte den Chacokrieg (1932 bis 1935), den Zweiten Weltkrieg, den Paraguayischen Bürgerkrieg von 1947, dazu die Staatsstreiche in Paraguay von 1954 unter Alfredo Stroessner und 1989 unter Andrés Rodríguez.
Die Auswirkungen der 35-jährigen Diktatur unter General Stroessner von 1954 bis 1989 war immer auch ein zentrales Motiv ihrer künstlerischen Arbeit, in der sie Menschenrechtsverletzungen anprangerte und die Nöte der Menschen im Alltag darstellte.
Im Jahr 1943 heiratete Olga Blinder Isaac Schvartzman. Das Paar hatte drei Kinder.
Ausstellungen Einzelausstellungen Asunción, 1952 Asunción, 1956 Asunción, 1959 (retrospective) Asunción, Brazilian Cultural Mission, (1972) Rosario, 1959 Buenos Aires, 1962 Rosario, 1966 / Madrid, 1969
Gruppenausstellungen Asunción, 1951 Asunción (First Feminine Hall) 1952 Asunción (Second Feminine Hall) 1953 San Pablo (Biennales) 1957, 1959, 1961, 1963 Asunción (First Week of Modern Art) 1954 Buenos Aires (first joint of Paraguayan art since 1934) 1954 Asunción (Art fairs) 1961, 1962, 1963, 1964 Tokyo (engraved Biennial) 1962 / Santiago (engraved Biennial) 1964 Córdoba (II Hispano-American Biennial) 1964 Buenos Aires (engraving, joint) 1964 Buenos Aires (jointly with Colombino) 1965 Buenos Aires (jointly with Colombino and Josefina Plá) 1966 Biennial of Coltejer, Medellín, Colombia, 1970 Exhibition of Color Prints, New Jersey, United States, 1970 II Biennial International Engravings of Buenos Aires, 1970 Carpí (Italy) Exp. Of Contemporary Woodcut, 1972. 2011 Southern Press: Prints from Brazil, Paraguay and Chile im University of Essex Collection of Latin American Arthttps://escala.org.uk/c.php?g=693750&p=4988316 abgerufen am 4. Januar 2024 2018 Radical Women Latin American Art, 1960–1985 Brooklyn Museum of Arthttps://www.mutualart.com/Exhibition/Radical-Women-Latin-American-Art--1960-1/051FEBB34A3FC96D abgerufen am 4. Januar 2024 2021 Trinta/Treinta/Thirty bei Essex Collection of Art from Latin America
Sammlungen Escala: Essex Collection of Art From Latin America Museo Paraguayo de Arte Contemporáneo Museo de Arte Indígena Museum of Ceramics and Fine Arts Julian de La Herreria
Ehrungen 1964: Plaqueta de Oro der Stadt Córdoba auf der II Bienal Americana de Art 1973: Caballero de la Orden de Rio Bronco ernannt durch die brasilianische Regierung Premio Integración Latinoamericana des argentinischen Ministeriums für Kultur und Bildung 2006: Nationaler Verdienstorden im Rang eines Großkreuzes 2006: Ehrendoktorwürde der Universidad Nacional de Asunción
Literatur Arte Actual en Paraguay 1900–1980. Olga Blinder. 1956–1985 Comentarios. Vistos Con Sus Ojos. Antología Retrospectiva 1950–1990.
Weblinks Webpräsenz von Olga Blinder Kurzbiographie von Olga Blinder auf biografiasyvidas.com Porträt Olga Blinders auf dem Portal Guarani Video von Multimedia ISA: Olga Blinder Educadora auf YouTube eingestellt am 27. Mai 2020
Einzelnachweise
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