Die Dampflokomotiven L.K.B. 3II–4II, 5 und O.K.B 4II wurden von der Arnold Jung Lokomotivfabrik in Jungenthal in Kirchen (Sieg) 1916 bis 1919 für die Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft in Königsberg entwickelt und auf den Lycker Kleinbahnen (L.K.B) und den Treuburger Kleinbahnen (O.K.B) eingesetzt.

Drei Lokomotiven kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in den Bestand der PKP und wurden als Tya 6-3324–Tya6-3326 bezeichnet. Die beiden Lokomotiven Tya 6-3324 und Tya 6-3325 wurden 1974 verschrottet, die Tya 6-3326 wurde erhalten und steht seit 1992 im Schmalspurbahnmuseum Gryfice, ab 2009 im Eisenbahnmuseum Sochaczew.

Geschichte 1916 bis 1945 mini|links|Personenzug um 1936 im Bahnhof Thurowen bei der Lycker Kleinbahn Im Einmarschgebiet der beiden Kleinbahnen Lycker Kleinbahnen und Oletzkoer Kleinbahnen entstanden durch Kriegshandlungen im Ersten Weltkrieg durch russische Truppen schwerste Verwüstungen und den Verlust der vorhandenen Lokomotiven der beiden Bahngesellschaften. Da die Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft in Königsberg mit der Lokomotivfabrik Jung gute Erfahrungen gemacht hatte, beauftragte sie bei ihr die Beschaffung neuer Lokomotiven. Es erfolgte 1915/1916 die Lieferung zunächst der Lokomotiven Jung 2358–2359 als Nummer 3 sowie 4 in zweiter Belegung für die Lycker Kleinbahnen und die Jung 2360 als Nummer 4 in zweiter Belegung für die Treuburger Kleinbahnen.Auflistung der von Jung gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) 1919 erfolgte die Nachlieferung einer dritten Lokomotive für die Lycker Kleinbahnen als Nummer 5, Jung-Fabriknummer 3054.Ingo Neidhardt, Jörg Petzold: Schmalspur-Album Ostpreußen. Verlag SSB Medien, SOEG Zittau, ISBN 978-3-9826224-2-2, Zittau 2024

Die Lokomotiven waren äußerlich ähnlich zu den PKB Nr. 21 bis 25, waren allerdings größer und schwerer ausgeführt und besaßen auch eine höhere Leistung. Sie beförderten auf den Strecken GmP-Züge und typenreine Züge von einer überschaubaren Länge, die höhere Leistung war für eventuelle Wintereinbrüche im damaligen Ostpreußen gut zu gebrauchen. Die Stammstrecke der Lokomotive für die O.K.B war die Strecke von Oletzko nach Garbassen.

Nach 1945

Möglicherweise ist die Lokomotive O.K.B 4II im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Die Lokomotiven der Lycker Kleinbahnen wurden aber von den PKP übernommen und ab 1951, da die Stammstrecke auf 750 mm umgespurt wurde, auf der Warschauer Zufuhrbahn eingesetzt. Die Lokomotiven haben die PKP-Bezeichnungen Tya 6-3324 (Jung 2358, L.K.B 3II), Tya 6-3325, (Jung 2359, L.K.B. 4II) und Tya 6-3326 (Jung 3054, L.K.B 5) erhalten. Die Lokomotiven waren in Piaseczno beheimatet und auf den Strecken, z. B. nach Góra Kalwaria eingesetzt.Foto der Tya 6-3326 bei der Warschauer Zufuhrbahn auf polskiparovozy.pl

Ende der 1960er Jahre endete dieser Dienst. Die Tya 6-3324 sowie Tya 6-3325 wurden daraufhin ausgemustert und 1974 verschrottet, die Tya 6-3326 erhielt eine neue Heimat in Białogard.Foto von der Tya 6-3326 in Bialogard auf polskiparovozy.pl Die Lokomotive fuhr noch bis 1977 auf dem Netz der Greifenberger Kleinbahn und wurde 1978 endgültig ausgemustert. 1992 wurde die Lokomotive im neuen Schmalspurbahnmuseum Gryfice ausgestellt,Foto der Lokomotive Tya-3326 in Gryfice seit 2009 ist die Lok im Eisenbahnmuseum Sochaczew ausgestellt.Foto der Lokomotive Tya6-3326 in Sochaczew

Technische Merkmale

Die Lokomotiven sind C-gekuppelte Lokomotiven mit führender Laufachse, die als Adamsachse ausgebildet ist, die Achsen sind in einem Blechrahmen gelagert. Die Laufachse konnte mit Spiralfedern nach der Kurvenfahrt wieder in die Ausgangsstellung zurückgeführt werden. Ein Teil des Rahmens war als zusätzlicher Wasserbehälter ausgeführt.

Der Kessel wurde mit Regler auf Flachschieberbauart gesteuert, er besaß Regelarmaturen, ein Patent-Sicherheitsventil, ein halbhohes Blasrohr mit Funkenfänger. Zusätzliche Ausrüstteile waren der Dampfdom und der fast quadratische Sandkasten, von dem pro Seite drei Sandfallrohre herabführten mit denen die zweite Achse beidseitig und die als Treibachse ausgebildete dritte Achse von hinten gesandet werden konnte. Der Kohlevorrat war hinter dem Führerhaus gebunkert, der Wasservorrat war in den seitlichen Kästen sowie im Wassertank des Rahmens. Der Kessel wurde von zwei Strahlpumpen versorgt.

Die Lok war mit der Heusinger-Steuerung ausgerüstet und mit Flachschieber versehen. Die Kuppelmöglichkeit mit dem Wagenpark geschah über Balancierhebelkupplung.

Siehe auch

Eisenbahnmuseum Sochaczew

Literatur

Stefan Lauscher/Gerhard Moll: Jung-Lokomotiven, EK-Verlag, Freiburg 2014, ISBN 978-3-88255-798-5, Seite 202–203 Bogdan Pokropiński: Sochaczewska kolej waskotorowa, Wydawnictwa Komunikacji i Łączności, Warszawa 2012. ISBN 978-83-206-1845-7. Seiten 105–127 Ingo Neidhardt, Jörg Petzold: Schmalspur-Album Ostpreußen. Verlag SSB Medien, SOEG Zittau, ISBN 978-3-9826224-2-2, Zittau 2024

Weblinks

Internetseite über die Lokomotive Tya6-3326 auf polskieparowozy.pl

Einzelnachweise

Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge 1C Kategorie:Triebfahrzeug (Lycker Kleinbahn) Kategorie:Triebfahrzeug (Treuburger Kleinbahn) Tya6-3326 Kategorie:Schienenfahrzeug (Jung)