mini|Abbildung von Sri Lanka (Taprobana) auf der Weltkarte von Willibald Pirckheimer (1535), basierend auf der Geographie des Claudius Ptolemäus (2. Jahrhundert) Die Geschichte Sri Lankas umfasst die Entwicklungen auf der Insel Sri Lanka (ehemals Ceylon) von der Urgeschichte bis in die Gegenwart. Sri Lanka blickt auf eine lange kontinuierliche Besiedlungsgeschichte zurück, mit archäologischen Nachweisen menschlicher Präsenz, die bis 125.000 Jahre und möglicherweise noch weiter zurückreichen. Ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. entwickelten sich auf der Insel komplexe Gesellschaften und städtische Zentren wie Anuradhapura und Polonnaruwa, die zugleich Hochburgen des Theravada-Buddhismus wurden. In der Folgezeit prägten rivalisierende singhalesische und tamilische Reiche das politische Gefüge, bevor die Insel unter die Kontrolle portugiesischer, niederländischer und schließlich britischer Kolonialherren geriet. Nach der Unabhängigkeit 1948 kam es im Land zu zunehmenden Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen, die 1983 in einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg mündeten. Erst 2009 endete dieser Konflikt mit einem militärischen Sieg der Regierung. Seither durchläuft das Land einen anhaltenden Transformationsprozess, der von politischen Machtwechseln und wirtschaftlichen Krisen (z. B. Wirtschaftskrise in Sri Lanka ab 2019) geprägt wurde.

Frühzeit und erste Königreiche mini|Fiktive Darstellung der Krönung von Prinz Vijaya Geologisch gesehen ist Sri Lanka eine Verlängerung des indischen Subkontinents, die sich möglicherweise erst vor relativ kurzer Zeit, nämlich im Miozän (vor etwa 25 bis 5 Millionen Jahren), vom Festland getrennt hat. Durch die Schwankung des Meeresspiegels war Sri Lanka immer wieder mit Indien verbunden, was Besiedelung und kulturellen Austausch erleichterte. Archäologische Untersuchungen belegen, dass die Insel bereits vor etwa 75.000 bis 125.000 Jahren von frühen Menschen bewohnt war. Wahrscheinlich geht die menschliche Besiedlung der Insel bis zu 300.000 Jahre zurück und möglicherweise sogar bis zu 500.000 Jahre. In jüngerer Zeit entdeckte man in der Höhle Fa-Hien Lena im Südwesten Sri Lankas Knochenpfeilspitzen, die auf ein Alter von rund 45.000 bis 48.000 Jahren datiert werden, der bisher früheste gefundene Nachweis für den Gebrauch von Pfeil und Bogen außerhalb Afrikas. Diese frühen Bewohner lebten als Jäger und Sammler und nutzten einfache Steinwerkzeuge; ab etwa 26.000 Jahren v. Chr. treten auch feinere Geräte aus Quarzit und Hornstein auf. Um das 9. Jahrhundert v. Chr. begann die Bevölkerung mit Ackerbau und Bewässerungsexperimenten und machte Gebrauch von ersten eisernen Werkzeugen. Vor 7000 Jahren war Sri Lanka letztmals mit dem indischen Festland verbunden.

Die schriftliche Überlieferung Sri Lankas setzt mit buddhistischen Chroniken ein. Die Dipavamsa („Inselchronik“, 4. Jahrhundert n. Chr.) und die darauf basierende Mahavamsa („Große Chronik“) schildern die legendäre Gründung des ersten singhalesischen Königreichs. Demnach landete Prinz Vijaya aus Nordindien mit 700 Gefolgsleuten im 5. Jahrhundert v. Chr. an der Westküste der Insel. Der Legende zufolge besiegte er dort mythische Yaksha-Wesen und begründete eine Dynastie. Historisch gesichert ist, dass um diese Zeit indoiranischsprachige Siedler aus Nordindien einwanderten. Linguistische und archäologische Befunde deuten auf mehrere Migrationswellen hin – sowohl aus dem Nordwesten Indiens (etwa aus Gujarat) als auch später aus dem Nordosten (Region Bengalen/Orissa). Parallel dazu wanderten ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. möglicherweise auch dravidische Gruppen aus Südindien ein, die sich vor allem im Norden der Insel niederließen. Der ersten städtischen Siedlungen entwickelten sich bereits um das 10. Jahrhundert v. Chr. nahe Anuradhapura im nordzentralen Tiefland. Um ca. 700 bis 600 v. Chr. hatte der Ort bereits eine Größe von 50 Hektar und kann damit als Stadt gelten. Traditionell wird die Gründung des Reiches von Anuradhapura dem König Pandukabhaya im 4. Jahrhundert v. Chr. zugeschrieben, unter dessen Herrschaft sich Anuradhapura zur ersten Hauptstadt Sri Lankas entwickelte.

Die These, dass die indoarischen Migranten als Kultur- und Zivilisationsbringer auf der Insel gewirkt hätten, wird in der moderneren Forschung zunehmend angezweifelt. So waren Landwirtschaft, Bewässerung und die Nutzung von Eisen und Töpferei schon davor bekannt gewesen. So stellte das „arische“ singhalesische Königreich und seine Kultur womöglich eine Synthese aus indigenen, dravidischen und indoarischen Elementen dar.

Einführung des Buddhismus mini|Buddhastatue bei Anuradhapura aus dem 5. Jahrhundert Einen prägenden Einschnitt in der Frühgeschichte markiert die Einführung des Buddhismus. Der Überlieferung nach sandte der indische Maurya-Kaiser Ashoka im 3. Jahrhundert v. Chr. eine Missionsdelegation unter Leitung seines Sohnes Mahinda nach Sri Lanka. König Devanampiya Tissa von Anuradhapura konvertierte der Legende zufolge nach einer Begegnung mit Mahinda am Berg Mihintale zum Buddhismus. In Anuradhapura wurden daraufhin Klöster gegründet und ein Zweig des heiligen Bodhi-Baumes aus Indien feierlich gepflanzt. Diese Ereignisse begründeten die bis heute andauernde Rolle des Theravada-Buddhismus als Hauptreligion der Singhalesen. Bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. war der Buddhismus auf der Insel weit verbreitet und trug wesentlich zur kulturellen Einheit und Identität der frühen singhalesischen Zivilisation bei. Neben dem Buddhismus gab es jedoch auch andere Glaubensgemeinschaften: So verweist die Mahavamsa auf ein Jain-Kloster und die Anwesenheit von Brahmanen (Hindu-Priester) in jener Zeit. Als Staatsreligion spielte der Buddhismus eine dominante Rolle in Politik und Gesellschaft. Könige bauten, unterhielten und stifteten viele Schreine und Klöster und griffen ein, um Ordnung zu schaffen und Spaltungen innerhalb der buddhistischen Gemeinschaft zu verhindern. Das buddhistische Sri Lanka war von einem Kastensystem geprägt, das weniger strikt als das in Indien war.

Anuradhapura-Periode mini|Sigiriya, kurzzeitig die Hauptstadt Sri Lankas In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Königreich von Anuradhapura zum größten Machtzentrum der Insel. König Dutthagamani (Dutugämunu) konnte um 161–137 v. Chr. rivalisierende Fürstentümer unterwerfen, die Tamilen vertreiben und so die politische Einheit eines Großteils Sri Lankas erstmals herstellen. Die Herrscher von Anuradhapura förderten den Buddhismus und errichteten monumentale Stupas (z. B. Thuparamaya und Abhayagiri) und weitläufige Bewässerungsanlagen für den Reisanbau. Eine besondere Blüte erlebte das Reich unter der Lambakanna-Dynastie (ca. 1.–4. Jh. n. Chr.): König Mahasena (276–303) etwa ließ zahlreiche Stauseen und Kanäle bauen, die die Grundlage der „hydraulischen Zivilisation“ im trockenen Norden bildeten. Die Hauptstadt Anuradhapura wuchs kontinuierlich und wurde zum Zentrum einer hochentwickelten buddhistischen Kultur. Im 1. Jahrhundert n. Chr. begann der Handel und kulturelle Austausch mit dem Römischen Reich und China.Sri Lanka and the Roman Empire

Über die Jahrhunderte sah sich das Reich jedoch wiederholt Invasionen aus Südindien ausgesetzt. Bereits 432 n. Chr. beendete ein Einfall der südindischen Pandya vorübergehend die singhalesische Herrschaft. Im 5. Jahrhundert verlegte König Kashyapa I. die Hauptstadt zeitweise nach Sigiriya, um sich auf dem dortigen Felsen vor Machtkämpfen zu schützen. Ab dem 7. Jahrhundert nahmen Einflüsse der Tamilen weiter zu, teils durch angeworbene Söldner in königlichen Diensten. Die Könige von Anuradhapura waren oft in die dynastischen Konflikte südindischer Reiche (Pallava, Pandya, Chola) verwickelt. Im späten 10. Jahrhundert schließlich nutzten die südindischen Chola die inneren Schwächungsprozesse des Anuradhapura-Reiches und eroberten nacheinander die Insel: 993 n. Chr. fiel der Norden (Rajarata) an das Chola-Reich, und bis 1017 war auch der Süden von den Invasoren besetzt. Damit endete die über tausendjährige Anuradhapura-Periode.

Polonnaruwa-Periode und Zerfall der politischen Einheit mini|Gebietskontrolle auf Sri Lanka (1469–1521) Nach zwei Jahrzehnten unter fremder Herrschaft gelang es den Singhalesen, die Chola zurückzuschlagen. Vijayabahu I. befreite 1070 die Insel von der Chola-Besatzung und verlegte die Hauptstadt nach Polonnaruwa im Osten, das strategisch günstiger gegen neue Angriffe zu verteidigen war. Das Königreich Polonnaruwa markiert eine neue Blütezeit. Unter König Parakramabahu I. (1153–1186) erreichte Sri Lanka einen Höhepunkt an Wohlstand und kultureller Entwicklung. Parakramabahu betrieb auch eine aktive Außenpolitik, er entsandte Flotten nach Birma und intervenierte in dynastische Konflikte Südindiens, doch blieben diese Expeditionen ohne dauerhaften Erfolg. Innenpolitisch förderte er Großprojekte wie den gewaltigen Stausee Parakrama Samudra, der über 2.000 Hektar Fläche umfasste. Nach Parakramabahus Tod folgten jedoch Thronkämpfe und eine Schwächung der Zentralmacht, als die indischen Kalinga auf den Thron gelangten. Ab 1215 nutzte der aus Kalinga stammende Usurpator Kalinga Magha die Wirren, besetzte Polonnaruwa mit 24.000 Mann und herrschte mehr als 20 Jahre mit großer Härte und Grausamkeit. Er ließ den buddhistischen Klerus und die singhalesische Eliten verfolgten. Seine Gewaltherrschaft führte zu Verwüstung und dem Zusammenbruch der politischen Einheit, während seine Misswirtschaft zu Hungersnöten führte. Bis 1236 ging die Herrschaft von Polonnaruwa endgültig unter, und die politische Macht verlagerte sich in den Süden und das zentrale Bergland.

In den folgenden Jahrhunderten existierten mehrere kleinere singhalesische Königreiche parallel. Die königliche Hauptstadt wechselte im 13. und 14. Jahrhundert zwischen verschiedenen Orten (Dambadeniya, Yapahuwa, Gampola u. a.), was mit einem allmählichen Bevölkerungsschwerpunkt im Südwesten einherging, während der Nordteil zeitweise verfiel und das landwirtschaftliche Bewässerungssystem vernachlässigt wurde, was zum Niedergang der Landwirtschaft und dem Vordringen des Dschungels führte. Zugleich erstarkte im Norden ein eigenständiges tamilisches Königreich: Die aus Südindien stammende Dynastie der Arya Chakravarti etablierte sich um 1300 im Gebiet von Jaffna und kontrollierte fortan die ganze Jaffna-Halbinsel. Dieses Königreich Jaffna stand in ständiger Rivalität zu den singhalesischen Reichen im Süden. Im 15. Jahrhundert gelang König Parakramabahu VI. von Kotte (Regierungszeit 1412–1467) kurzzeitig die Wiedervereinigung großer Teile der Insel. Doch zerfiel das Reich nach seinem Tod, und neue Mächte traten auf: Kotte wurde durch Thronstreitigkeiten geschwächt, während sich im Hochland das Königreich Kandy als unabhängiger Staat behauptete. Die Insel sah sich immer wieder mit ausländischen Invasionen konfrontiert, so von den Malaien (13. Jahrhundert) und der indischen Vijayanagar (15. Jahrhundert). Anfang des 15. Jahrhunderts erreichte die Flotte von Zhang He die Insel und lokale Königreiche unterwarfen sich dem chinesischen Ming-Kaiser. Bei Ankunft der Europäer um 1505 war Sri Lanka politisch in mehrere Reiche fragmentiert – vor allem in das Küstenreich Kotte im Südwesten, das Königreich Kandy im zentralen Bergland und das tamilische Jaffna im Norden.