mini|Medaillenzeichnung der Düsseldorfer Hofopernbühne von Giorgio Maria Rapparini, 1709 mini|Lage der Hofoper (später Reitschule) an der Mühlenstraße, um 1800 gezeichnet von Franz Bernhard Custodis Das Opernhaus Düsseldorf war ein barockes Opernhaus in der der kurfürstlichen Residenzstadt Düsseldorf.
Geschichte Wie der bergische Landschreiber Dietrich Graminäus überlieferte, kam in Düsseldorf bereits 1585 bei den mehrtägigen Feierlichkeiten zur Hochzeit des Herzogs Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg mit Jakobe von Baden-Baden mit dem Werk Orpheus und Amphion ein opernartiges Singspiel der Renaissance mit dramatischer Handlung und singenden Protagonisten auf einer eigens errichteten Simultanbühne zur Aufführung. Die Anfänge der barocken Düsseldorfer Hofmusik reichen in die Regierungszeit der Herzöge und Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm und Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg zurück, die eine Hofkapelle mit italienischen und deutschen Kapellmeistern unterhielten. Deren Aktivitäten erweiterten sich unter Herzog Philipp Wilhelm zu einer Hofoper und führten unter dem Herzog und späteren Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz und dessen erster Gemahlin Maria Anna Josepha von Österreich zu einer kulturellen Blüte als einem der Zentren der italienischen Oper im deutschsprachigen Raum.Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Triltsch Verlag, Düsseldorf 1983, ISBN 3-7998-0000-X, S. 57, 59, 61 f. In Düsseldorf gingen mit Sebastiano Moratellis und Giorgio Maria Rapparinis Werken Erminia ne boschi (1687), Erminia al campo (1688)Sebastiano Moratelli (Musik), Giorgio Maria Rapparini (Text): Erminia Al Campo. Trattenimento Musicale. Rappresentato Ne’ Giorni Carnevaleschi Per Commando Del A. S. Del Duca Di Giuliers Prencipe Ellettorale Palatino. Et alla medesima Altezza consacrato. Düsseldorf 1688 (Digitalisat) und Didone (1688) die ersten italienischen Vollopern über die Bühne.Renate Brockpähler: Handbuch zur Geschichte der Barockoper (= Die Schaubühne, 62). Emsdetten 1964, S. 145. Zitiert nach: Reinhard Strohm: Agostino Steffani und die Oper in Deutschland. In: Claudia Kaufold, Nicole K. Strohmann, Colin Timms (Hrsg.): Agostino Steffani. Europäischer Komponist, hannoverscher Diplomat und Bischof der Leibniz-Zeit. V&R unipress, Göttingen 2017, ISBN 978-3-8471-0709-5, S. 55 (Google Books)Ludwig Schiedermair: Musik am Rheinstrom. Entwicklungen und Wesenheiten, Gestalten und Schicksale. Staufen, Köln 1947, S. 125
Wohl ab 1695 ließ Kurfürst Johann Wilhelm in seiner Residenzstadt an der Mühlenstraße neben dem Marstall ein Hofopernhaus errichten. Treibende Kraft des Projekts war die zweite Gattin des Kurfürsten, Anna Maria Luisa de’ Medici, die sich nicht länger mit behelfsmäßigen Opernaufführungen im Düsseldorfer Schloss zufriedengeben mochte und den Opernbau aus ihrer Privatschatulle mitfinanzierte. An der Berufung von Kunsthandwerkern für die künstlerische Ausgestaltung des Baus, vielleicht auch an den Bauplänen, war der seit 1694 in den Diensten des Kurfürsten stehende Architekt Matteo Alberti beteiligt.Jörg Gamer: Matteo Alberti. Oberbaudirektor des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, Herzogs zu Jülich und Berg etc. (= Die Kunstdenkmäler des Rheinlands, 18). Schwann, Düsseldorf 1978, ISBN 978-3-5902-9018-1, S. 48Nina Sträter: Höfische Musik unter Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg. rheinische-geschichte.lvr.de, 21. März 2022/20. April 2022, abgerufen am 16. Februar 2026
Der leicht schiefwinkelige Bau war nach Baurechnungen 9 rheinische Ruten lang und 4,5 breit (ca. 34 × 17 m). Der Zuschauerraum und das barocke Proszenium waren durch die Italiener Gorini und Gualardi reichlich mit Stuck verziert. Erhaltene Textbücher mit ihren szenischen Hinweisen lassen darauf schließen, dass ein hoher Standard der damaligen barocken Bühnentechnik vorhanden war. Theaterdekorationen wurden von dem Hofmaler und Bühnenarchitekten Antonio Maria Bernardi, einem Mitarbeiter Albertis, gestaltet.Richard Klapheck: Die Baukunst am Nieder-Rhein. Band 2: Von Jan Wellem und der Baukunst des Jahrhunderts Karl Theodors von der Pfalz. Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1916, S. 12 (Digitalisat)
Am 12. Februar 1696 fand mit der Oper La Giocasta (1677) von Giovanni Andrea Moniglia die Einweihung des Gebäudes statt. In Gegenwart des Kurfürsten und seiner Gattin wurden dort in der Folgezeit mehr als 20 Opern aufgeführt. Allein im Jahr 1697 waren es vier Uraufführungen. Ein Höhepunkt war im Herbst 1703 die Aufführung der Oper La monarchia stabilita, die anlässlich des Besuchs des habsburgischen Erzherzogs Karl, der zum König von Spanien designiert worden war, von Giorgio Maria Rapparini (Libretto), Johann Hugo von Wilderer (Musik) und Georg Andreas Krafft (Ballett) komponiert und in 3 Akten und 49 Szenen einstudiert worden war.Rashid-S. Pegah: „Chi in amor ha nemica la pace“ – Ein Arientext und seine Rezeption. In: Peter Wollny (Hrsg.): Bach-Jahrbuch 2018. 104. Jahrgang (2018), S. 221 1709 wurde die Oper Tassilone von Agostino Steffani inszeniert. Weitere bekannte Künstler der Düsseldorfer Hofoper waren Sebastiano Moratelli, Carlo Luigi Pietragrua, Stefano Pallavicini, Valeriano Pellegrini, Johannes Schenck und Johann Sigismund Weiss.
Mit der Erkrankung und dem Tod des Kurfürsten kamen bis 1716 alle Vergnügungen am Düsseldorfer Hof zum Erliegen. Die kurpfälzische Hofkapelle, die 1711 sechzig Musiker umfasst hatte und ein Ensemble von europäischen Rang war,Klaus Wolfgang Niemöller, Stefan Weiss: Musikinstitutionen seit dem Mittelalter. Rheinland-Verlag, 2002, Band 12, S. 20 wurde zunächst aufgelöst, aber bald in Mannheim reorganisiert, wo sie die Mannheimer Schule begründete. 1738 wurde die Düsseldorfer Hofoper für eine Nutzung als Reitschule der Marstall-Kaserne umgebaut. Zeitweise fand sie auch als Depot für Baumaterial Verwendung.Edmund Spohr: Düsseldorf. Stadt und Festung. Schwann, Düsseldorf 1979, ISBN 978-3-59030-241-9, S. 253 Im Juli 1758, während des Siebenjährigen Kriegs und kurz nach der Schlacht bei Krefeld, brannte das Gebäude in einem von Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel befohlenen Bombardement der von französischen Truppen unter Louis de Bourbon gehaltenen Stadt Düsseldorf nieder.Walter Kordt: Der Fall Klüber. Ein Kapitel zur Biographie des Baumeisters Adolph von Vagedes. In: Düsseldorfer Heimatblätter „Das Tor“. XXI. Jahrgang, Heft Nr. 5 (Mai 1955), S. 89 (PDF) An seiner Stelle wurde 1764 bis 1766 das Statthalterpalais errichtet.Der Düsseldorf-Atlas. Geschichte und Gegenwart der Landeshauptstadt im Kartenbild. Emons, Düsseldorf 2004, ISBN 978-3-89705-355-7, S. 37
Eine Ansicht von dem Gebäude ist nicht bekannt.Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf. Band 1: Von den Anfängen bis 1815. Unveränderter Nachdruck der Originalausgabe von 1921, Antigonos Verlag, Frankfurt am Main 2025, ISBN 978-3-563-93820-1, S. 214 (Google Books) In der Handschriftensammlung des italienischen Hofbeamten Giorgio Maria Rapparini, der eine Reihe von Opernlibretti schrieb, findet sich jedoch eine Ansicht der Hofopernbühne in der Form einer Medaillenzeichnung.Giorgio Maria Rapparini: Le portrait du vrai mérite dans la personne serenissime de Monseigneur L’Electeur Palatin. 1709, Faksimile des Heinrich-Heine-Instituts, Düsseldorf 1988
Literatur Friedrich Walter: Geschichte des Theaters und der Musik am kurpfälzischen Hofe (= Mannheimer Altertumsverein (Hrsg.): Forschungen zur Geschichte Mannheims und der Pfalz, Band 1). Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig 1898, S. 54 ff. (Link zum Digitalisat). Alfred Einstein: Italienische Musiker am Hofe der Neuburger Wittelsbacher (1614–1716). Neue Beiträge zur Geschichte der Musik am Neuburg-Düsseldorfer Hof im 17. Jahrhundert. In: Sammelbände der Internationalen Musik-Gesellschaft 9 (1907/1908), S. 336–424. Andreas Freiträger: Die Barockoper unter Jan Wellem (1679–1716). Studien zur Düsseldorfer Hofoper als Verherrlichung des Fürsten (= Düsseldorfer Familienkunde, Sonderheft Juni 1990). Düsseldorf 1990. Laura Windisch: Kunst. Macht. Image. Anna Maria Luisa de’ Medici (1667–1743) im Spiegel ihrer Bildnisse und Herrschaftsräume. Böhlau Verlag, Köln 2019, ISBN 978-3-412-51178-4, S. 153.
Weblinks Die Bühne des Kurfürstlichen Opernhauses mit wehendem Vorhang, Datenblatt im Portal emuseum.duesseldorf.de
Einzelnachweise
Dusseldorf Kategorie:Barocktheater Kategorie:Theatergebäude in Düsseldorf Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Düsseldorf Kategorie:Barockbauwerk in Düsseldorf Kategorie:Bauwerk in der Altstadt (Düsseldorf) Kategorie:Erbaut in den 1690er Jahren