Lee Yong-soo (; geb. 13. Dezember 1928 in Daegu, japanisch besetztes Korea) ist eine ehemalige „Trostfrau“ aus Südkorea. Sie wurde während des Zweiten Weltkriegs von der Kaiserlich Japanischen Armee als Sexsklavin benutzt. Sie ist eine der jüngsten noch lebenden so genannten Trostfrauen.
Leben mini|Lee Jae-myung mit Lee Yong-soo in 2018. Lee Yong-soo wurde am 13. Dezember 1928 in Daegu, japanisch besetztes Korea (일제강점기 – Ilje Gangjeomgi), geboren. Sie war sechzehn Jahre alt, als sie in die Sexsklaverei gezwungen wurde. Sie sammelte mit ihrer Freundin Bunsun Schnecken an einem Flussufer, als beide von einem Soldaten gefangen genommen wurden. Mit ihrer Freundin wurde sie in einen Transportzug gesetzt um später in Anju auf ein Boot geschafft zu werden. Auf dem Boot, das zu einer Kamikaze-Einheit (Shimpū Tokkōtai) im Landkreis Hsinchu, Taiwan, fuhr, wurde sie zum ersten Mal vergewaltigt. Sie erinnert sich, dass sie durchschnittlich mit vier bis fünf Männern pro Tag zum Geschlechtsverkehr gezwungen wurde und selbst während ihrer Menstruation keine Ruhe fand. Sie berichtet außerdem, dass sie „Elektroschocks erlitt, geschlagen und von einem Soldaten mit einem Messer verletzt wurde“.„suffered electrical torture, was beaten and was cut by a soldier’s knife“. Sie lernte schnell, sich zu unterwerfen, um nicht erneut geschockt oder geschlagen zu werden. Lee sagt, sie habe nie an Flucht gedacht, weil sie nicht gewusst hätte, wie sie das Gebiet verlassen sollte, selbst wenn ihr die Flucht gelungen wäre. Außerdem war sie von den anderen Trostfrauen in ihrer Gegend isoliert. Nach dem Krieg und ihrer Heimkehr sagte sie, ihre Familie habe sie nicht mehr erkannt und sie habe sich nicht heiratsfähig gefühlt. Sie schämte sich für das, was ihr widerfahren war, und ahnte nicht, dass mit so vielen anderen Frauen dasselbe geschehen war.
Lee trat im Juni 1992 erstmals an die Öffentlichkeit, um über ihre Erfahrungen als Trostfrau zu berichten. Kim Hak-suns Pressekonferenz im Fernsehen hatte sie dazu bewegt, endlich mit anderen zu sprechen. Yong-soo ließ sich bei den koreanischen Behörden als Trostfrau registrieren. Sie war die 29. Frau, die über ihre Erlebnisse aussagte. Ihr öffentliches Auftreten gab ihrem Leben einen neuen Sinn: „Ich dachte, ich sei wertlos. Ich habe nicht darüber gesprochen, und niemand hat mich gefragt. Bis die anderen Frauen an die Öffentlichkeit gingen, existierte ich nicht“ („I thought I was worthless. I didn't talk about it, and nobody asked me. Until the women came out, I did not exist“).
Ab 1996 studierte Lee an der Kyungpook-Nationaluniversität und erwarb dort schließlich 2001 ihren Master-Abschluss.
Vor dem Internationalen Tribunal für Frauenkriegsverbrechen im Zusammenhang mit der sexuellen Versklavung von Japans Militärangehörigen (Women’s International War Crimes Tribunal on Japan’s Military Sexual Slavery), welches im Jahr 2000 in Tokio stattfand, sagte sie über ihre Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs aus und erzählte ihre Geschichte später im United States Holocaust Memorial Museum.
2007 sagte sie vor dem US-Kongress über ihre Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs aus. Sie erklärte: „Ich bin eine ehrenwerte Tochter Koreas, ich bin keine Trostfrau“ („I am an honorable daughter of Korea, I am not a comfort woman“). Ihre Erfahrungen in den Händen der japanischen Armee wurden als „traumatisch“ beschrieben. Nach ihrer Aussage wies der japanische Premierminister Shinzō Abe die Schuld Japans zurück und erklärte, eine formelle Entschuldigung des japanischen Kabinetts im Jahr 1993 sei nicht notwendig gewesen. Dennoch führte ihre Aussage (zusammen mit den Aussagen zweier weiterer Trostfrauen) dazu, dass das Repräsentantenhaus eine Resolution verabschiedete, in welcher die japanische Regierung aufgefordert wurde, sich formell bei den ehemaligen Trostfrauen zu entschuldigen. Die Resolution wurde einstimmig angenommen.
Rechtsgerichtete Kräfte in der japanischen Regierung versuchen, die Geschichte der Trostfrauen auszulöschen. Dagegen kämpfen Yong-soo und andere. 2014 traf Lee Yong-soo Papst Franziskus. Als gläubige Katholikin hoffte sie, dass der Papst dazu beitragen könne, ihr Leid zu lindern.
2015 besuchte sie die Ausstellung der südkoreanischen Nationalversammlung mit Kunstwerken ehemaliger Trostfrauen. Später reiste sie nach San Francisco, um eine Auszeichnung des Stadtrats entgegenzunehmen und die Stadt aufzufordern, ein Denkmal für die ehemaligen Trostfrauen zu errichten. Im selben Jahr war sie Gast des kalifornischen Abgeordneten Mike Honda. Yong-soo beteiligte sich außerdem an Protesten in den Vereinigten Staaten während des Besuchs von Premierminister Abe.
Lee Yong-soo nimmt weiterhin an den wöchentlichen Demonstrationen teil, die mittwochs vor der japanischen Botschaft stattfinden. Sie trägt stets einen traditionellen koreanischen Hanbok, bestehend aus Dongjeong, Beoseon und Gomusin, um jedem, der sie sieht, zu zeigen: „Ich bin eine Tochter der Joseon. Ich bin eine ehrenwerte Koreanerin.“ Sie sagt: „Ich möchte nicht öffentlich bekanntgeben, dass ich ein Trostfrauen-Opfer bin. Vielmehr möchte ich dazu beitragen, dass es keine weiteren Kriegsopfer wie uns geben wird.“ („I am a Joseon daughter. I am an honorable Korean. I don’t want to advertise that I am a comfort women victim. Rather, I want to be a problem solver that can ensure that there will be no other victims of war such as us.“) Sie erklärt, dass sie nicht aufgeben wird, bis Premierminister Abe die Wahrheit ihrer und der Aussagen anderer Frauen anerkennt.
Im Mai 2020 beschuldigte Lee den Koreanischen Rat für Gerechtigkeit und Erinnerung sowie die ehemalige Vorsitzende Yoon Mee-hyang der Veruntreuung von Geldern. Daraufhin kündigte Lee an, nicht mehr an den Mittwochsdemonstrationen teilzunehmen und forderte Yoon Mee-hyang zum Rücktritt von ihrem Mandat in der Nationalversammlung auf. Am 27. Mai erschien Lee jedoch überraschend wieder bei einer der Mittwochsdemonstrationen in Daegu.
Am 3. März 2021 traf Lee Yong-soo Außenminister Chung Eui-yong. Sie forderte die koreanische Regierung auf, die Frage der sexuellen Versklavung durch japanische Soldaten vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) anzusprechen. In Bezug auf den Harvard-Rechtsprofessor J. Mark Ramseyer, der in seiner Arbeit „Verträge für Sex im Pazifikkrieg“ behauptet hatte, koreanische Frauen hätten sich freiwillig dazu entschieden, Trostfrauen zu werden, sagte sie: „Auch dieser Professor sollte vor den IGH gebracht werden“ („That professor should be dragged to the ICJ too“).
Einzelnachweise
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