Arthur Wilbur Staats (* 17. Januar 1924 in Greenburgh; † 26. April 2021 in Honolulu) war ein US-amerikanischer Psychologe und emeritierter Professor an der University of Hawaiʻi at Mānoa.I. M. Evans: Arthur W. Staats (1924–2021). In: American Psychologist. 77, Nr. 3, 2022, S. 485 (psycnet.apa.org), abgerufen am 8. Februar 2026.Arthur Staats Obituary auf legacy.com, abgerufen am 8. Februar 2026.
Leben Er wurde im Bundesstaat New York geboren, kam aber nach dem Tod seines Vaters – er war damals drei Monate alt – mit seiner Mutter und drei Geschwistern nach Los Angeles. Mit 17 Jahren verließ er die High School und meldete sich freiwillig zur United States Navy. Dort diente er während der Landung in der Normandie im Zweiten Weltkrieg auf der USS Nevada. Dank des G. I. Bill konnte er nach dem Krieg Psychologie studieren. Er erwarb 1949 seinen Bachelor in Psychology an der University of California, Los Angeles (UCLA), 1953 seinen Master of Arts und promovierte (Ph.D.) 1956 in General Experimental and Clinical Psychology, wobei er sich besonders für das Lernen komplexen Verhaltens, Persönlichkeitspsychologie und klinische Diagnostik interessierte.
Seine berufliche Laufbahn begann er 1950 bis 1953 als Psychologe am Beratungszentrum der UCLA, von 1953 bis 1955 war er Klinischer Praktikant am Veterans Affairs Hospital. Von 1955 bis 1956 war er Dozent für Psychologie an der University of Arizona und dem Center for Psychological Behaviorism and Radical Behaviorism, 1956 bis 1958 war er hier Assistenzprofessor, 1958 bis 1960 außerordentlicher Professor und von 1960 bis 1964 Professor. Es folgte 1961 bis 1962 ein Jahr als Stipendiat der National Science Foundation an der University of London. Danach war er 1964 bis 1965 Gastprofessor an der University of California, Berkeley und 1965 bis 1967 Professor für Pädagogische Psychologie und Forschung am University of Wisconsin Research and Development Center Cognitive Learning in Madison. 1966 zog er nach Oʻahu in Hawaii, um dort Professor für Psychologie an der University of Hawaiʻi at Mānoa zu werden. Hier verblieb er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999.
Werk Sein Werk zählt zum Gebiet der behavioristischen Psychologie, zu der er sowohl theoretisch als auch praktisch bedeutende Beiträge geleistet hat. Er war der führende Kopf der Bewegung, die nacheinander als „sozialer Behaviorismus“, „paradigmatischer Behaviorismus“ und in jüngerer Zeit als „psychologischer Behaviorismus“ bekannt wurde. Diese Bewegung zeichnet sich dadurch aus, dass sie theoretische, methodische und technologische Beiträge in einem einheitlichen Rahmen zusammenführte und neu ordnete: einer wissenschaftlich-philosophischen Perspektive, dem sogenannten „vereinheitlichten Positivismus“.
Das Konzept des Time-out (dt. = Auszeit) wurde von ihm erfunden und so benannt. Diese Methode der Verhaltenskontrolle, die auf dem kurzzeitigen Entzug positiver Verstärkung beruht, hat er aufgrund von Erfahrungen mit seiner Tochter und später seinem Sohn entwickelt. Es ist eine wenig aufwendige Methode aus dem Bereich der verhaltenswissenschaftlichen Techniken und kann wirksam sein, wenn die Aufmerksamkeit der Eltern/Betreuungspersonen die positive Verstärkung für negatives Verhalten darstellt. Das Münzverstärkungs-System war eine weitere Erfindung von ihm. Diese Methoden sind besonders effektiv, wenn das Kind für gutes Verhalten viel positive Verstärkung (Lob, Aufmerksamkeit) erhält; Bestrafungsmaßnahmen können hingegen andere Problemverhaltensweisen hervorrufen, die Beziehung schädigen oder Flucht- bzw. Vermeidungsverhalten auslösen. Aus diesem und anderen ethischen Gründen schöpfen Verhaltensanalytiker alle Möglichkeiten der differenziellen Verstärkung und/oder der Extinktion aus, um Problemverhalten zu reduzieren. Das Vorgehen des Time-out ist als effektiv nachgewiesenR. E. Larzelere; M. L. Gunnoe; M. W.Roberts; H. Lin; C. J. Ferguson: Parental Use of Time Out Revisited: A Useful or Harmful Parenting Strategy? In: Marriage & Family Review. 2020, 56, Nr. 4, doi:10.1080/01494929.2020.1712304, S. 287–319. und es beeinträchtigt nach einer Studie der University of Michigan nicht die Erzieher-Kind-Beziehung.‘Time outs’ don’t do any harm, parents told. auf bbc.com vom 14. September 2019, abgerufen am 8. Februar 2026.
Er ist auch bekannt für den experimentellen Nachweis, dass die affektive Komponente von Einstellungen durch Konditionierungsprozesse höherer Ordnung verändert werden kann. Diese Studie wurde in die Liste der klassischen Experimente in der Psychologie aufgenommen. Bei diesem Versuch gingen er und seine Frau (1958) von folgenden Überlegungen aus: Wenn eine sinnlose Silbe, z. B. „gej“ mit einer Reihe von angenehmen Wörtern (CS für positive Emotionen) gekoppelt wird (Liebe, Gerechtigkeit, Süßigkeit), dann sollte diese Silbe als angenehmer eingeschätzt werden, als wenn sie mit unangenehmen Bedeutungsinhalten verknüpft wird (faul, schmutzig, hässlich; CS für negative Emotionen). In der Tat konnten durch diese Technik der Konditionierung von Bedeutungen sogar Nationalitätsstereotype (z. B. Japaner, Koreaner) in Richtung „angenehm“ und „weniger angenehm“ verändert werden.
Er entwickelte auch die A-R-D-Theorie (Attitude-Reinforcer-Discriminative System) als lerntheoretisches Modell zur Erklärung von Einstellungsbildung und Einstellungsänderung. Dabei bedeutet A = Affektiv (ein Reiz löst eine emotionale Reaktion aus), R = Reinforcer (der Reiz kann als Belohnung oder Bestrafung dienen und somit die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens beeinflussen), D = Discriminative Stimuli (der Reiz signalisiert, welches Verhalten in einer bestimmten Situation angemessen ist oder zu einer Verstärkung führt). Die Theorie beschreibt, wie interne Reize (z. B. Symbole, Gedanken und mentale Bilder, als attitudinal stimuli bezeichnet) drei Funktionen gleichzeitig erfüllen: Sie lösen Affekte aus, verstärken und dienen als diskriminative Reize. Zweitens postulierte diese Theorie, dass Reaktionen Ketten weiterer Handlungen auslösen. Das dritte vereinheitlichende Prinzip besagt, dass alle grundlegenden Reaktionen eine Kombination aus instrumenteller und klassischer Konditionierung beinhalten und von grundlegender Bedeutung für die Methoden der klinischen Verhaltenstherapie sowie für die behavioristische Lernpsychologie sind.A-R-D-System auf dorsch.hogrefe, abgerufen am 8. Februar 2026. 1962 stellte er die Vorstellung in Frage, dass der IQ ein unveränderliches, genetisch determiniertes Merkmal sei, und veröffentlichte die erste einer Reihe von Studien, die zeigten, dass sich der IQ bei kulturell benachteiligten Kindern mit seinen Techniken steigern ließ.
Er ist auch für die Entwicklung des Teilgebiets der Psychologie bekannt, die als Psychologischer Behaviorismus bezeichnet wurdeArthur W. Staats und der psychologische Behaviorismus, abgerufen am 8. Februar 2026. bezeichnet wird. Zentrales Postulat dieser Theorie ist die Annahme, dass die Psyche eines Menschen durch beobachtbares Verhalten erklärt werden kann. Zu den Komponenten der Psyche eines Menschen gehören Persönlichkeit, Lernen und Emotionen. Er schlug vor, dass die Persönlichkeit aus einer Sammlung erlernter Verhaltensweisen besteht, die aus dem Zusammenspiel von Umwelt, Biologie, Kognition und Emotionen entstehen. Nach seiner Persönlichkeitstheorie gibt es drei Verhaltensrepertoires, die zur Persönlichkeit beitragen. Das erste ist das sensomotorische Repertoire, das sensomotorische, aufmerksamkeitsbezogene und soziale Fähigkeiten umfasst. Das zweite ist das sprachlich-kognitive Repertoire und das dritte das emotional-motivationale Repertoire. Ein Mensch erlebt das Leben anhand seiner Repertoires und entwickelt im Laufe seiner Entwicklung sein grundlegendes Verhaltensrepertoire (basic behavioral repertoire = BBR). Das BBR und die Lebenssituation eines Menschen prägen sein Verhalten und damit seine Persönlichkeit. Hinsichtlich auffälligen Verhaltens argumentiert der psychologische Behaviorismus, dass Verhaltensstörungen erlernte Verhaltensmuster darstellen, die auf einem Mangel an erlernten Verhaltensmustern beruhen, die es dem Individuum ermöglichen können, Lebensereignisse zu bewältigen. Der psychologische Behaviorismus schlägt als klinisches Vorgehen zur Behandlung von Verhaltensstörungen die Methode der Verhaltensanalyse vor und empfiehlt zudem die Prävention der Bedingungen, die diese Störungen begünstigen. Er stellte auch klar, dass klassische und instrumentelle Konditionierung miteinander verbunden sind und eine Belohnung nur dann als Verstärker wirken kann, wenn sie eine emotionale Reaktion auslöst. Dieser Sichtweise und seine Theorien zur Sprachkonditionierung bildeten die Grundlage für die kognitive Verhaltenstherapie und die Verhaltensmodifikation.
Ehrungen/Positionen 2023: Arthur Staats Gedenkbank „Kind in der Auszeit“, gestiftet von der Universität von Hawaiʻi in MānoaCreator of ‘Time Out’ child disciplinary tool honored with memorial art auf University of Hawaiʻi at Mānoa, abgerufen am 9. Februar 2026. 2006: „Distinguished Retired Faculty Award“ von der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität von Hawaii 2006: In Anerkennung der Bedeutung von Time-out-Techniken wurde er vom Child Magazine als eine der „20 Personen, die die Kindheit verändert haben“ ausgezeichnet. 1997: „A. W. Staats Unifying Psychology Lecture“, jährlich veranstaltet von der American Psychological AssociationArthur W. Staats Lecture for Unifying Psychology auf American Psychological Association, abgerufen am 8. Februar 2026. Mitglied der American Association for the Advancement of Science Mitglied der American Psychological Society Mitglied der American Psychological Association (general psychology division, experimental psychology division, development psychology division, personality and social psychology divisions, clinical psychology division, educational psychology division, theoretical and philosophical psychology division, experimental analysis of behavior division) Mitglied der Sociedad Interamericana de Psicologia Mitglied der, Psychonomic Society Mitglied der Association Latinoamericana del Analisis y Modificacion del Comportamiento Mitglied der Society for Experimental Social Psychology
Privates Während seines Studiums an der UCLA lernte er seine spätere Ehefrau Carolyn Kaiden (* 1932) kennen, die auch an der UCLA in Psychologie promovierte. Das Ehepaar bekam den Sohn Peter Staats, ein US-amerikanischer Arzt, der sich auf interventionelle Schmerztherapie spezialisiert hat, und die Tochter Jennifer Staats Kelley (* 1960), die ebenfalls Ärztin bzw. Kinderpsychiaterin ist. Sein ganzes Erwachsenenleben lang engagierte er sich vehement gegen Krieg, wirtschaftliche Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen. Seine Sorge um Bedürftige prägte sein Handeln. Nach seiner Emeritierung fuhr er gerne mit seinem Auto mit dem Kennzeichen „TYM-OUT“ umher, spielte früher Tennis und dann Golf. Er verstarb mit 97 Jahren an Herzproblemen.
Publikationen (Auswahl) Monografie Marvelous Learning Animal: What Makes Human Behavior Unique. Prometheus Books, New York 2012, ISBN 978-1-61614-597-2. Mit Carolyn Kaiden Staats: Complex Human Behavior: A Systematic Extension of Learning Principles. Literary Licensing, Whitefish 2011, ISBN 978-1-258-22062-4. Behavior and Personality: Psychological Behaviorism. Springer Publishing Co Inc, Princeton 1996. Psychology's Crisis of Disunity: Philosophy and Method for a Unified Science. Praeger Publishers, Westport 1983, ISBN 978-0-03-063289-1. Social Behaviourism. Dorsey Press, Homewood 1975, ISBN 978-0-256-01537-9. Child learning, intelligence, and personality: principles of a behavioral interaction approach. Harper & Row, New York City 1971.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Neurological Exclusiveness or Unified Science Inclusiveness. In: American Psychologist. 71, Nr. 9, 2016, S. 894–895.