mini|Musée de Nouvelle-Calédonie mini|Traditionelle Hütte der Kanak im Innenhof des Museums Das Musée de Nouvelle-Calédonie („Museum von Neukaledonien“) ist ein staatliches kulturhistorisches Museum im französischen Überseegebiet Neukaledonien. Es befindet sich im Quartier Latin von Nouméa und dient als Schaufenster der neukaledonischen Gesellschaft, mit dem Schwerpunkt auf der Geschichte, der Diversität sowie auf dem künstlerischen und kulturellen Ausdruck der Kanak in ihrer ozeanischen Umgebung.
Geschichte Als Vorbereitung auf die Weltausstellung Paris 1867 begann die Kolonialregierung am 28. August 1863 in Neukaledonien Objekte zu sammeln, welche die Kolonie auf der Weltausstellung repräsentieren könnten, darunter mineralische, botanische und paläontologische Musterstücke sowie „indigene Kuriositäten“. Diese bildeten den Grundstock der Museumssammlung, der sukzessive durch Spenden, botanische Kollekten und Austausch mit anderen Museen erweitert wurde. Ausgestellt wurden die Objekte im öffentlichen Saal des Conseil Général. Erst nachdem der Bergbauunternehmer Lucien Bernheim mit einer Spende von 100.000 Francs den Pavillon Neukaledoniens von der Weltausstellung Paris 1900 nach Nouméa gebracht hatte, fand die Ausstellung einen permanenten Platz im Obergeschoss des Gebäudes, während im Untergeschoss die Bibliothèque Bernheim eingerichtet wurde.
Einen Wendepunkt erfuhr die Sammlung in den Jahren 1930–1940 mit der verstärkten Sammlung ethnologischer Objekte, vorangetrieben durch den Pastor Maurice Leenhardt, den Anthropologen Jean Guiart und den Museumsdirektor Luc Chevalier. Im Jahr 1947 wurden Kredite für den Bau eines eigenen Museums gebilligt, der Bau wurde jedoch immer wieder verschoben. 1963 wurde Leenhardts und Guiarts Sammlung vom Institut de la France d’Outre-Mer in Bordeaux in die Bibliothèque Bernheim überführt. Nur durch die jahrzehntelange Beharrlichkeit von Luc Chevalier konnte 1971 das aktuelle Museum eröffnet werden. In dem neuen Gebäude fanden sie bessere Bedingungen der Konservation, Lagerung und Präsentation.
In den 1980er Jahren erfuhr die Sammlung durch den Ethnologen Patrice Godin einen Wandel. Es unterstand seit 1983 nicht mehr dem französischen Bildungsministerium, sondern wurde eigenständig innerhalb der Verwaltung Neukaledoniens. Das Museum widmete sich ausschließlich der traditionellen Kulturen der Kanak und der Ozeanier. Zum Ende dieser Periode übernahm der Kanak Emmanuel Kasarhérou die Museumsleitung und integrierte wieder alle Kulturen des Territoriums. Seit Mai 2020 ist er Direktor des Pariser Musée du quai Branly. Seine inklusive Ausrichtung wurde auch von der aktuellen Direktorin Marie-Solange Néaoutyine übernommen.
Erweiterungsbau Im Jahr 2019 begann der Bau eines Erweiterungsgebäudes mit einer Fläche von 2630 m², mit dem sich die Gesamtfläche mehr als verdoppelt. Dafür mussten auf dem Baugelände 27 Araucaria columnaris-Pinien und 62 Palmen gefällt werden, was von Aktivisten kritisiert wurde. In der Symbolik der Kanak repräsentiert die Araucaria columnaris den Mann und die Palme die Frau. Die Museumsleiterin erklärte, dass dafür in dem 2000 m² großen Garten des Museums 1500 Pflanzen unterschiedlicher Arten kultiviert werden.L’adieu aux arbres du Musée de la Nouvelle-Calédonie la1ere.franceinfo.fr, 10. August 2020, abgerufen am 8. Februar 2026 (französisch) Die Wände des neuen Gebäudes aus Cortenstahl und Holz sind schräg und an den Ecken gerundet, die schuppenartige Verzierung erinnert an neukaledonische Plattschwänze.Le projet d'extension du Musée de Nouvelle-Calédonie museenouvellecaledone.gouv.nc, abgerufen am 8. Februar 2026 (französisch) Nach jahrelangen Verzögerungen konnten Ende Dezember 2025 die letzten Arbeiten an der Elektrik und Klimaanlage abgeschlossen werden. Die Kosten von 4 Milliarden CFP-Francs wurden zu Zwei-Dritteln vom französischen Staat übernommen.Musée de Nouvelle-Calédonie facebook, 28. Dezember 2025, abgerufen am 8. Februar 2026 (französisch) Das Gebäude wurde am 26. Februar 2026 übergeben, kann aber aus finanziellen Gründen nicht für die Öffentlichkeit eröffnet werden.Culture. Après six ans de travaux, le nouveau Musée de la Nouvelle-Calédonie pourrait ne pas ouvrir au public la1ere.franceinfo.fr, 20. Februar 2026, abgerufen am 24. Februar 2026 (französisch)
Sammlung Das Museum umfasst über 9000 Werke. Auf einer dauerhaften Ausstellungsfläche von 1630 m² und einer temporären von 500 m² wird eine der schönsten Sammlungen kanakischer Kunst und die thematisch vollständigste in der Welt präsentiert, darunter auch Objekte der Lapita-Kultur. Besonders beeindruckend ist diese Sammlung in Bezug auf die Sammlungen der großen Museen Europas. Daneben besitzt es eine beachtliche Sammlung ozeanischer Objekte von Papua-Neuguinea über Vanuatu bis ins östliche Polynesien.Présentation du musée museenouvellecaledonie.gouv.nc, abgerufen am 8. Februar 2026 (französisch)
Museumsgarten Ein ethno-botanischer Garten, in dem Bäume und andere traditionelle Pflanzen der Kanak präsentiert werden, sowie ein weiterer open-air Bereich, der Teil eines typischen Kanakdorfs mit Pinien und einer Rundhütte abbildet, vervollständigen die Ausstellung.Andrea Witcomb, Chris Healy: South Pacific Museums Monash University e-Press, 2006, ISBN 9780975747599, S. 31 (englisch)
Weblinks Un peu d'histoire Musée de Nouvelle-Calédonie Online-Ausstellung Musée de Nouvelle-Calédonie
Einzelnachweise
Kategorie:Volkskundemuseum in Frankreich Kategorie:Organisation (Neukaledonien) Kategorie:Kultur (Neukaledonien) Kategorie:Nouméa Kategorie:Ethnographische Sammlung Kategorie:Museumsgründung 1863