mini|Ludwig Tennenbaum, 1911 Ludwig Tennenbaum (* 3. September 1862 in Wien, Österreich-Ungarn; † 11. Februar 1928 in Wien, Erste Republik Österreich) war ein Industrieller und Unternehmer.

Leben Frühe Jahre und Ausbildung Ludwig Tennenbaum wurde am 3. September 1862 in Wien als Sohn von Carl Tennenbaum, einem Beamten und späteren Notar, und dessen Ehefrau Michaela Tennenbaum, geborene Harum, geboren. Nach dem Besuch der Realschule studierte er von 1879 bis 1880 Chemie an der Technischen Hochschule in Wien. Parallel dazu besuchte er juristische und nationalökonomische Vorlesungen an der Universität Wien.

Berufliche Laufbahn Nach einem kurzen Volontariat bei der Trumau-Marienthaler Spinnerei wurde Tennenbaum 1883 von Vinzenz von Miller zu Aichholz in die Neusiedler AG für Papierfabrikation berufen. Dort erwarb er in den Fabriken in Klein-Neusiedl und Petersdorf (heute Petrești, Rumänien) fundierte technische Kenntnisse in der Papiererzeugung. Ab 1887 übernahm er als Zentral-Fabriksinspektor die technische Überwachung aller Papierfabriken und Nebenwerke der Neusiedler AG. 1906 wurde er zum Generaldirektor des Unternehmens ernannt und prägte maßgeblich dessen Entwicklung zu einem bedeutenden Industriekonzern.

Expansion und Modernisierung Unter Tennenbaums Führung erwarb die Neusiedler AG 1908 die Papierfabriken Schlöglmühl und Stuppach sowie die Natronzellulosefabrik Stuppach. Nach einem Brand in der Schlöglmühler Fabrik 1909 organisierte er den raschen Wiederaufbau und die Modernisierung der Anlage, die bereits 1910 wieder den Betrieb aufnahm. In den folgenden Jahren trieb Tennenbaum die Expansion des Konzerns voran:

1911: Übernahme der Zellstofffabrik Josefihütte bei Marienbad (Mariánské Lázně) von J. Halbmayr & Co. 1912: Eingliederung der Feinpapierfabrik Pilsen (Plzeň). Das Aktienkapital des Unternehmens stieg auf 9 Millionen Kronen. Die Produkte wurden in zahlreiche Länder exportiert, darunter Belgien, die Niederlande, die Schweiz, die Türkei, Griechenland, Südosteuropa und Südamerika. Für den ungarischen Markt gründete Tennenbaum eine eigene Handelsgesellschaft; Filialen bestanden in Prag, Budapest, Lemberg (Lwiw) und Agram (Zagreb). Während des Ersten Weltkriegs übernahm die Neusiedler AG die Anteile der Theresienthaler Papierfabrik von Ellissen, Roeder & Co. AG, zu der Fabriken in Hausmening sowie eine Papier- und Zellulosefabrik in Hilm-Kematen gehörten. Nach dem Zerfall der Monarchie 1918 wurden die Fabriken in der neu gegründeten Tschechoslowakei (Pilsen, Josefihütte, Rattimau) in die Prager Neusiedler Vereinigte Papier-, Zellulose- und Holzstoff-Fabriken AG umgewandelt. Die Papierfabrik in Petersdorf (Petrești, Rumänien) firmierte fortan als Fabrica de Hârtie Petrifalau Societate Anonimă Română. 1920 erwarb die Neusiedler AG die Holzpappenfabrik Schütt bei Waidhofen an der Ybbs sowie die Hirschwanger Holzschleiferei und Holzstoffwarenfabrik Schoeller & Co.

Öffentliche Ämter und Auszeichnungen Tennenbaum engagierte sich in der Industriepolitik und war ab 1920 Präsident des Verbands der österreichischen Papier-, Zellulose-, Holzstoff- und Pappenfabrikanten. 1927 wurde er zum Ehrenpräsidenten des Arbeitgeberverbands der österreichischen Papier-, Zellulose-, Holzstoff- und Pappenindustrie ernannt. Laut Überlieferung lehnte Tennenbaum eine Auszeichnung durch den Wiener Bürgermeister Karl Lueger mit der Begründung ab, er wolle vor einem Antisemiten nicht das Knie beugen.

Privatleben Ludwig Tennenbaum war ab 1902 mit Hedwig Tennenbaum (1875–1939) verheiratet, einer Tochter des Ofenfabrikanten und Hoflieferanten Hermann Heim.

Wirkung und Vermächtnis Ludwig Tennenbaum gilt als einer der prägendsten Industriellen der österreichisch-ungarischen Papier- und Zelluloseindustrie des frühen 20. Jahrhunderts. Durch seine unternehmerischen Entscheidungen und Modernisierungsmaßnahmen festigte er die internationale Position der Neusiedler AG und trug zur Industrialisierung der Region bei.

Literatur

Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Geboren 1862 Kategorie:Gestorben 1928 Kategorie:Mann