mini|Eine kurz nach dem Unfall entstandene Daguerreotypie, die als ältestes bekanntes Foto eines Eisenbahnunfalls gilt. Beim Eisenbahnunfall von Valley Falls ereignete sich am 12. August 1853 eine frontale Kollision zweier Personenzüge auf der Eisenbahnstrecke zwischen Valley Falls und Pawtucket im US-Bundesstaat Rhode Island. Das Unglück kostete 14 Menschen das Leben. Verletzt wurden bis zu 60 Personen, 17 davon schwer. Im Zusammenhang mit diesem Unfall ist das erste bekannte Foto eines Eisenbahnunfalls entstanden.
Unfallhergang Ein Sonderzug mit acht Personenwagen der 1. Klasse, der 475 Reisende nach Narragansett Bay bringen sollte, verließ Uxbridge (Massachusetts) am Morgen des 12. August um 6:30 Uhr. Um 7:20 Uhr erfolgte in Providence die Abfahrt eines anderen, regulär im Fahrplan verkehrenden, Zuges mit zwei Personenwagen und etwa 50 Passagieren, der auf dem Weg nach Worcester die Strecke in die Gegenrichtung befuhr.
Die beiden entgegengesetzt fahrenden Züge sollten sich planmäßig auf einem zweigleisigen Streckenabschnitt in der Nähe Pawtuckets begegnen. Der aus Providence kommende Zug wartete entsprechend der bestehenden Vorgaben fünf Minuten lang in Pawtucket und setzte seine Fahrt anschließend pünktlich fort.
Der in südlicher Richtung verkehrende Zug aus Uxbridge, der planmäßig um 7:29 Uhr in Valley Falls hätte halten sollen, traf 7 Minuten verspätet dort ein. Trotz der Verspätung setzte der Lokomotivführer seine Fahrt mit etwa 40 Meilen pro Stunde fort. Er hoffte, so noch rechtzeitig die Boston-Weiche passieren zu können.
Als der Zug aus Providence gegen 8 Uhr langsam die enge, eingleisige Kurve nördlich der Weiche durchfuhr, kam ihm der andere Zug auf dem Weg nach Providence bei voller Geschwindigkeit entgegen. Auf Höhe des Bahnhofs von Valley Falls kollidierten die beiden Züge frontal.
Folgen
Ausmaß des Unglücks Beide Lokomotiven und der erste Wagen des Sonderzuges wurden völlig zerstört. Der Lokführer konnte sich durch einen Sprung aus dem Zug retten, der Heizer wurde jedoch getötet. Zu erheblichen Schäden kam es auch am zweiten und dritten Wagen, da der dritte Wagen über und in den zweiten geschoben wurde. Die meisten der 14 Verstorbenen befanden sich in diesen ersten Wagen. Drei Menschen, die durch die Fenster entkommen wollten, starben bei dem Versuch.
Die Reisenden des aus Providence kommenden Zuges, darunter auch der Präsident der Providence and Worcester Railroad, überlebten allesamt ohne schwere Verletzungen.
Ein Personenzug auf dem Weg nach Boston hielt an, um den Opfern des Zugunglücks Hilfe zu leisten und die Verletzten zur weiteren ärztlichen Versorgung nach Pawtucket zu bringen. Der nächste fahrplanmäßig verkehrende Zug, der an der Stelle eintraf, half dabei, die Strecke freizumachen.
Fotografie Der aus Pawtucket stammende L. Wright erstellte wenige Minuten nach dem Unglück eine Daguerreotypie des Unfallortes. Zwei Wochen später, am 27. August 1853, diente die Fotografie als Vorbild für eine Holzschnittillustration des Zugunglücks, die in der New York Illustrated News abgedruckt wurde. Es handelt sich um das erste bekannte Foto eines Eisenbahnunfalls.
Ermittlungen Die Ermittlungen gaben dem Schaffner Frederick W. Putnam die unmittelbare Schuld für das Unglück. Auf seine Weisung hin verließ der Zug den Bahnhof in Valley Falls, obwohl die Boston-Weiche, vor der sich der Zusammenprall ereignete, seiner Uhr zufolge in einer sehr knappen Zeit von vier Minuten hätte erreicht werden müssen. Auch der Lokführer Edwin Gates hielt diese vier Minuten für ausreichend. Dieses später als fahrlässig beschriebene Vorgehen widersprach den Vorgaben des Eisenbahnunternehmens.
Erschwerend kam noch hinzu, dass die Uhr des Schaffners um zwei Minuten nachging. Tatsächlich blieb also noch weniger Zeit, was das rechtzeitige Zurücklegen des eingleisigen Streckenabschnitts unmöglich machte. Putnam wurde daraufhin festgenommen und des Totschlags angeklagt.
Darüber hinaus wurde den Vorgesetzten des Schaffners vorgeworfen, einen unerfahrenen Mitarbeiter auf einer besonders schwierigen und risikobehafteten Verbindung eingesetzt zu haben. Putnam arbeitete eigentlich als Bremser und war die Vertretung für den regulären Schaffner des Uxbridge-Zuges, Perry G. Card.
Es seien weiterhin keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen worden, um das ordnungsgemäße Funktionieren der Uhren zu gewährleisten: Die vorherigen Fahrten auf dieser Strecke, für die Putnam verantwortlich gewesen war, waren ebenfalls durch Verspätung aufgefallen, ohne dass etwas unternommen worden wäre.
Auch die Fahrpläne und Streckenplanung an sich wurden kritisiert. Es habe keine Notwendigkeit bestanden, die Boston-Weiche von so vielen Zügen in so kurzen Abständen passieren zu lassen und die damit verbundenen Risiken in Kauf zu nehmen. Ein von Valley Falls aus sichtbares Eisenbahnsignal nördlich der Kurve hätte die Katastrophe womöglich ebenfalls verhindern können.
Sicherheitsreformen Der Unfall reihte sich in eine rasant steigende Zahl von Eisenbahnunfällen in den Vereinigten Staaten ein. Allein in diesem Jahr waren bereits 65 Eisenbahnunfälle mit insgesamt 176 Toten erfolgt.
Ein zentrales Sicherheitsrisiko war das Fehlen einer standardisierten Zeit. Infolge des Eisenbahnunfalls von Valley Falls, der auf einen leichtsinnigen Schaffner und eine falsch gehende Uhr zurückgeführt wurde, wurde in der Region die Verwendung einer standardisierten „Eisenbahnzeit“ (railroad time) vorgeschrieben. Da die Diskrepanzen zwischen lokaler Zeit und Eisenbahnzeit unnötige Umstände bereiteten, kam es zu einer zunehmenden Verbreitung der Synchronisierung von Zeit. Auf diese Weise entstand die erste Zeitzone in den Vereinigten Staaten.
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Einzelnachweise
Kategorie:Eisenbahnunfall 1853 Kategorie:Eisenbahnunfall in den Vereinigten Staaten Kategorie:Pawtucket Kategorie:Schienenverkehr (Rhode Island) Kategorie:Geschichte von Rhode Island