mini|alternativtext=Ein Foto des südkoreanischen Regisseurs Chung Ji-young. Er hat kurze strubbelige dunkelbraune Haare, lacht in die Kamera und trägt einen hellen Leinenanzug mit hellblauem Hemd und mittelblauer Krawatte mit einem Muster aus weißen Vogelfedern|Regisseur Chung Ji-young (2019)
My Name ist ein südkoreanisches Filmdrama von Chung Ji-young aus dem Jahr 2026. In den Hauptrollen sind Yeom Hye-ran als Jeong Sun und Shin Woo-bin als ihr Sohn Young-ok zu sehen. Der Film hatte am 13. Februar 2026 in der Sektion Forum der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin seine Weltpremiere. Die offizielle Kinopremiere ist für April 2026 vorgesehen.
Handlung Die Filmhandlung ist im Jahr 1998 angesetzt, einer Zeit der Demokratisierung in Südkorea. Szenen aus dem Alltag des Schülers Young-ok werden mit dem seiner alleinerziehenden Mutter Jeong Sun verknüpft. Ihre Vergangenheit beeinflusst sein Leben mehr, als ihr bewusst ist – und seine Entscheidungen wirken auf sie zurück. Die beiden haben ein enges, fast kumpelhaftes Verhältnis. Young-ok übernimmt trotz seines jugendlichen Alters recht viel Verantwortung für seine Mutter, die vor allem im Frühling unter rätselhaften absence-ähnlichen Anfällen leidet, die sich wie epileptische Anfälle äußern, was vor allem das Autofahren gefährlich für sie macht. Eine körperliche Ursache konnte dafür nicht gefunden werden, so dass Jeong Sun schon seit Jahren Medikamente nimmt, um die Anfälle zu unterdrücken. Sie leidet auch unter Erinnerungslücken, vor allem an ihre Kindheit fehlt ihr jede Erinnerung. Doch ihre junge neue Ärztin, Hee-ra (Kim Gyu-ri), überzeugt sie, sich in Therapiesitzungen dem Trauma zu stellen, das ihren Anfällen zugrunde liegt, und sich auf die Suche nach den Orten ihrer Kindheit zu begeben. Die Spurensuche in ihrer eigenen Erinnerung führt sie zum Meer, zur Insel Jejudo und den Jeju-Aufstand vom 3. April 1948, wo sie sich den Geistern ihrer Vergangenheit stellt und Abschluss findet.
Parallel hat Young-ok mit dem Beginn des neuen Schuljahrs mit Machtspielen an seiner Jungenschule zu kämpfen. Der neue Klassenlehrer Min-su macht deutlich, dass er nichts anderes als Exzellenz in jeder Hinsicht von den Schülern erwartet – und initiiert eine Art „Fight Club“ nach Schulende, in der die Jungen Meinungsverschiedenheiten im Kampf gegeneinander austragen sollen. Young-ok, der zu den eher zurückhaltenden und fleißigen Schülern gehört, ist davon nicht sonderlich begeistert. Dazu trägt auch sein prügelfreudiger neuer Klassenkamerad bei, der aus einer reichen Familie stammt und mit Geld und körperlicher Gewalt eine ihm ergebene Clique um sich schart. Young-ok wird trotzdem Teil der Gruppe und schließlich sogar Klassensprecher, auch wenn sich seine Kumpels immer mal über seinen Namen lustig machen, der eigentlich ein Mädchenname ist. Mit seiner neuen Popularität steigt auch der Druck um Anerkennung, so dass er sich auf Trinkspiele und körperliche Auseinandersetzungen einlässt. Dadurch verliert er seinen ursprünglichen Fokus aus den Augen, verstärkt für seine Mutter da zu sein, um deren Gesundheit er sich nach wie vor sorgt. Ein bisschen peinlich ist ihm auch, dass sie sehr viel älter als die Mütter seiner Klassenkameraden ist, die jung und cool wirken. Ihm zuliebe überlegt Jeong Sun, sich für ein Lehrergespräch an der Schule über seinen Lernfortschritt wenigstens die Haare zu färben, um die grauen Haare zu überdecken, entscheidet sich jedoch dagegen.
Zu allem Überfluss hat Jeong Sun beim Verlassen der Schule nach dem Lehrergespräch einen ihrer Anfälle, was alle Schüler mitbekommen. Da Young-ok gerade nicht da ist, unterstützt sie sein bester Freund, der über ihr Leiden informiert ist. Während die Jungen aufgeregt über einen epileptischen Anfall spekulieren, informiert er darüber, dass es sich um eine psychische Erkrankung handele. Young-ok wird ein verzerrter Bericht des Ereignisses überbracht, der ihn in der Überzeugung zurücklässt, dass sein bester Freund überall herumerzählt, seine Mutter sei psychisch krank. Da er mit ihm auch noch um die Zuneigung eines Mädchens konkurriert, kommt es zu einer Konfrontation.
Hintergrund und Produktion Der Film befasst sich mit dem Genozid, den die koreanische Regierung unter Beteiligung der US-Militärregierung am 3. April 1948 an der eigenen Bevölkerung auf der Insel Jejudo verübte. Den Massakern an der Zivilbevölkerung, die dem Jeju-Aufstand folgten, sind Schätzungen zufolge im Verlauf eines einzigen Jahres rund 30.000 Menschen zum Opfer gefallen, 270 von 400 Inseldörfern wurden niedergebrannt. Jahrzehntelang durfte in Südkorea über den Aufstand nicht öffentlich gesprochen werden – ein Schweigen, das sich symbolisch in der wie ausradierten Erinnerung Jeong Suns in My Name gespiegelt findet. Das langsame Auftauchen von Bruchstücken dieser Erinnerung verläuft im Film analog zu der nur langsamen öffentlichen Aufarbeitung der Ereignisse im kulturellen Gedächtnis Südkoreas. Noch heute wird verbrämt auf die Massaker als „Sa sam“ (Vier Drei) oder das „Ereignis vom 3. April“ Bezug genommen.
My Name wurde von Let’s Films und Aura Pictures aus Südkorea produziert. Den Weltvertrieb übernimmt die ebenfalls südkoreanische Firma M-Line Distribution. Die Weltpremiere erfolgte am 15. Februar 2026 im Rahmen der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin in der Sektion Forum.
Weblinks My Name im Programm der Berlinale
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2026 Kategorie:Filmdrama Kategorie:Südkoreanischer Film