mini|Antiquarum statuarum urbis Romae … Icones, 1584 mini|I vestigi dell‘ antichità di Roma, 1575

Vaccari, auch Vaccario, Della Vaccaria, Della Vaccheria und De La Vacherie, war der Name einer ab spätestens 1574 in Rom während etwa 50 Jahren als Drucker, Händler und Verleger von Druckgrafik tätigen italienischen Familie französischer Herkunft. Durch seine frühe Kooperation mit Étienne Dupérac und Cornelis Cort konnte sich Lorenzo Vaccari schnell zum Hauptkonkurrenten des Marktführers Antonio Lafreri und nach dessen Tod 1577 von Claudio Duchetti entwickeln. Ein durch seine Söhne Andrea und Michelangelo 1614 erstelltes Verzeichnis listet den Großteil der etwa 1800 Kupferstiche und Radierungen auf, darunter Porträts, Zeugnisse der römischen Antike, Veduten, Landkarten und Heiligenbilder nach Kunstwerken von Michelangelo, Raffael, Tizian, Federico Barocci, Federico Zuccari, Agostino Carracci etc.

Erste Generation: Lorenzo Geburts- und Sterbedatum des Stammvaters sind nicht bekannt. Seine in der Literatur widersprüchlich angegebene Herkunft klärt sich durch eine eigene Aussage. In der Befragung zu einem Todesfall gab er am 8. November 1577 an: „Io son di natione francese“ („Ich bin französischer Staatsbürger“). Christopher Witcombe fügt dem noch Paris als Heimatort und Laurence de La Vacherie als Geburtsnamen hinzu. Die gelegentlich geäußerte Tätigkeit in Bologna könnte auf ein Arbeitsumfeld in einer frühen Phase seiner Laufbahn verweisen, ist aber sehr vage. Der einzige sicher belegte Wirkungsort von Lorenzo Vaccari ist Rom. Hier publizierte er 1574 den von Étienne Dupérac in Kupfer gestochenen „Großen Plan von Rom“ und im Jahr darauf dessen „Spuren“ (Vestigi) antiker Monumente der Stadt sowie einige Einzelblätter nach Gemälden von Federico Zuccari, Francesco Salviati und Federico Barocci. Der Zeitpunkt war nicht zufällig gewählt: Zum alle 25 Jahre begangenen Jubeljahr musste der Bedarf der Pilger an Stadtplänen sowie religiösen und antiquarischen Motiven gedeckt werden.

Vaccaris Werkstatt befand sich neben seinem Haus im Bezirk Parione, wo auch andere Drucker wie Francesco Tramezzino, Mario Cartaro und Antonio Lafreri wirkten. Das Nebeneinander war keineswegs einvernehmlich, im Gegenteil, der Wettbewerb unter den Werkstätten führte zu zahlreichen Konflikten und zum Gerangel um die besten Meister. Dies ging 1577 so weit, dass Vaccari der Tötung des Modeneser Stechers Geronimo verdächtigt, inhaftiert, dank der Aussage eines Assistenten jedoch entlastet wurde. Witcombe widmet diesem Fall ein halbes Kapitel und stützt sich dabei auf die Vernehmungsprotokolle.

Für Vaccari arbeiteten etablierte Kupferstecher wie Cornelis Cort, Giovanni Maggi und Cherubino Alberti, aber auch aufstrebende Künstler wie der genannte Dupérac und Ambrogio Brambilla. Als sein größter Konkurrent Lafreri im Sommer 1577 ohne ein Testament zu hinterlassen verstarb, sah Vaccari eine Chance, seinen Bestand an Druckplatten aufzustocken und einen Teil der Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Die Bemühungen bleiben jedoch erfolglos. Die Platten wurden unter den Erben Stefano und Claudio Duchetti aufgeteilt und Vaccari ein Komplott gegen die Werkstatt unterstellt. Kurz zuvor hatte er sich schon mit dem Wechsel seines Druckers Giacomo Gherardi in Duchettis bottega abfinden müssen.

Die Bezeichnung Vaccaris als „mercante di disegni“ durch die Congregazione dei Virtuosi al Pantheon (1579) entspricht seiner eigenen Beschreibung von 1577: „Ich bin Buchhändler und verkaufe Entwürfe (disegni), die ich täglich drucke“ („Io son libraro e vendo disegni ch'io fo stampar alla giornata“). Als Druckermarke verwendete er eine stilisierte Palme („palme victricis“ oder „palma d’oro“).

Das nach den Vestigi zweite umfassende Werk Vaccaris ist der 1584 herausgegebene Icones-Band mit 73 Kupferstichen der prominentesten römischen Statuen wie dem Apollo und der Laokoon-Gruppe im Cortile del Belvedere. Es handelt sich überwiegend um Nachstiche unterschiedlicher Hand (und Qualität) nach den Antikenstichwerken Giovanni Battista Cavalieris und einzelnen Blättern Lafreris. Die neue, zumeist horizontale Schraffur des Hintergrunds sollte den Tafeln eine gewisse Einheitlichkeit verleihen. Wennschon für den profitorientierten Vaccari alleine die Beliebtheit der Sujets zählte, leistete seine Publikation einen Beitrag zur Popularisierung der antiken Bildwerke außerhalb der Ewigen Stadt.

mini|G. Maggi, Descriptio Urbis Romae Novissima Vaccari war seit 1575 mit Virginia verheiratet, wahrscheinlich einer Tochter des Verlegers Étienne Guilleret aus Lunéville. Durch die Ehe Cavalieris mit Virginias Schwester waren beide Männer verschwägert. Für die Herausgabe des mit einem Privileg versehenen Stichs Marienkrönung mit dem Martyrium des hl. Laurentius und anderen Heiligen von Cort nach Zuccari gingen sie 1576 eine Partnerschaft ein. Seine Werkstatt übergab Vaccari wahrscheinlich kurz vor der Jahrhundertwende an seine Söhne. Sein letztes bekanntes Werk ist die Veröffentlichung der Descriptio Urbis Romae Novissima des Kartografen Giovanni Maggi. Die 1599 entstandene Karte Roms ist umrahmt von Darstellungen der sieben Basiliken und der Zeremonie zur Öffnung der Heiligen Pforte anlässlich des Jubiläumsjahres 1600. Dass der Verleger 1606 nicht mehr als Familienmitglied genannt ist, legt sein Ableben vor dieser Erhebung (s. u.) nahe.

Zweite Generation: Andrea und Michelangelo Das bei der Befragung des Vaters 1577 angegebene Alter der beiden Brüder lässt auf die Geburtsjahre 1573 (Andrea) und 1576 (Michelangelo) schließen. Ein weiterer offizieller Nachweis der Familienverhältnisse entstammt den Seelenverzeichnissen der Pfarrei Santa Cecilia in Monte Giordano. Danach bestand der Haushalt von Andrea Vaccari 1606 aus seiner Frau Giulia Elisabetta Uberti und drei Kindern, Carlo, Vittoria und Lucrezia, seinem Bruder Michelangelo und seiner Mutter Virginia. 1609 wurde Andrea Witwer und heiratete im folgenden Jahr die Parfümeurin Livia Sponta. Am 13. Oktober 1615 erhielten „Michail Angelus und Andrea de Vaccharis“ das römische Bürgerrecht und wurden damit vollwertige Mitglieder jener Stadt, in der sie geboren, aufgewachsen und seit mindestens fünfzehn Jahren tätig waren.

mini|A. Tempesta, Widmung zum Buch der Jagden, undat. mini|Ornamenti di fabriche antichi et moderni, 1600 Der ältere Sohn scheint schon in der väterlichen Werkstatt mitgearbeitet zu haben. Seine Verlegeradresse taucht zum ersten Mal auf einer Bärenjagd-Darstellung Antonio Tempestas von 1599 auf. Das ebenfalls mit der Jahreszahl 1599 versehene Titelblatt der Fürsten- und Feldherrenbildnisse (Effigi naturali de i maggiori Principi et più valoroso Capitani di questa eta con l’arme loro) deutet Ballesi so: Da das Werk u. a. Drucke aus den Jahren 1601, 1605 und 1608 enthält, habe Vaccari die Ausgabe vermutlich zwar viel früher geplant, aber erst deutlich später veröffentlicht. Die Mehrzahl der enthaltenen Blätter hatte bereits der seit 1590 aktive Giovanni Orlandi herausgegeben. Möglicherweise arbeiteten beide Verleger zusammen und Orlandi übergab Vaccari seinen Plattenbestand vor seiner Abreise nach Neapel 1613. Für die Richtigkeit dieser Annahme spricht das Ersetzen der Adresse Orlandis unter der Widmung des Primo libro di caccie varie: Ein Blatt im British Museum zeigt mit der halb ausradierten Adresse so etwas wie einen Fehldruck. Spuren dieses Namenszugs sind auf der Vaccari-Ausgabe noch zu erkennen.

Die erste zum Buch gebundene Ausgabe war demnach das von Giovanni Maggi illustrierte und von Bartolommeo Rossi mit erläuternden Texten versehene Werk über römische Obelisken, Ehrensäulen, Mausoleen und weitere Zierbauten aus dem Jahr 1600, kurz Ornamenti.

Die Brüder arbeiteten in derselben Werkstatt wie ihr Vater; 1612 scheint dann noch einen zweite bottega nahe Santa Maria in Via hinzugekommen zu sein. Welche Drucke angeboten wurden, enthüllt ein 36 Seiten starkes, von Franz Ehrle abgedrucktes Verzeichnis aus dem Jahr 1614. Die häufige Nennung der Urheber, eine damalige Neuerung, erleichtert die Identifizierung. Zu den Erfindern zählen berühmte Künstler wie Michelangelo, Raffael, Tizian, Federico Barocci, Taddeo und Federico Zuccari, Agostino Carracci, Giacomo Barozzi da Vignola, Paul Bril und etliche andere. Noch zahlreicher sind die Namen von Graveuren, darunter Enea Vico, Cornelis Cort, Étienne Dupérac, deren Kupferstiche sich bereits in der Werkstatt von Lorenzo befanden, neben Maggi außerdem Egidius Sadeler, Raffaello Schiaminossi, Cherubino Alberti, Hendrick Goltzius, Antonio Tempesta sowie Matthäus Greuter, Ambrogio Brambilla, Philippe Thomassin und Luca Ciamberlano. Als Sujets sind Landkarten, Porträts, antike Statuen und Monumente, Architekturformen, Veduten, Landschaften, Jagdszenen sowie rund 300 Heiligendarstellungen ausfindig zu machen. Insgesamt beläuft sich die Anzahl der Druckvorlagen auf mindestens 1800.

Andrea Vaccari starb am 13. Februar 1627 im Alter von 54 Jahren. Er wurde in der Kirche San Tommaso in Parione beigesetzt. Bekannt ist, dass Michelangelo 1631 in Trastevere, in der Pfarrei Santa Dorotea, lebte. Die Werkstatt wurde vermutlich von Andreas Sohn Carlo weitergeführt, zumindest taucht sein Name auf einem Neudruck von Schiaminossis Pianta di Roma moderna auf.

Relevante Buchveröffentlichungen I Vestigi dell’Antichità dí Roma, Raccolti et ritratti in perspettiva con ogni diligentia da Stefano Du Perac Parisino. […] appresso Lorenzo della Vaccheria. Parte prima, 1575 Antiquarum Statuarum Urbis Romae, Quae in publicís privatísque locis vísuntur, Icones. […] Ex typis Laurentii Vaccarii. Parte terza, 1584 Ornamenti di fabriche antichi et moderni Dell‘ Alma Citta di Roma. Ad […] Andrea della Vaccaria. Parte Secunda, 1600

Die „Teile“ (parti) entstammen keiner ursprünglichen Planung, sondern wurden in der zweiten Generation hinzugefügt. Ashby datiert die Ergänzungen auf ca. 1608.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Individuelle Familie