mini|The Suffragette Handkerchief, März 1912 The Suffragette Handkerchief () ist ein Leinentaschentuch mit den eingestickten Unterschriften von Frauen, die im britischen Holloway Prison inhaftiert waren. Diese hatten im März 1912 bei einer zweiten Welle von Demonstrationen der National Union of Women’s Suffrage Societies Fensterscheiben eingeworfen. Es befindet sich heute in der Sammlung des The Priest House.

Geschichtlicher Hintergrund mini|Holloway Prison um 1896 Im März 1912 erreichte in London der militante Kampf für das Frauenwahlrecht im Vereinigten Königreich seinen Höhepunkt, als von der National Union of Women’s Suffrage Societies (WSPU) Schaufenster-Demonstrationen organisiert wurden. Dabei wurden zahlreiche Fensterscheiben von den Suffragetten eingeschlagen oder eingeworfen. Bereits im November 1911 waren 223 Frauen inhaftiert worden, weil sie Schaufenster von Geschäften und Fensterscheiben von Regierungsgebäuden in Whitehall eingeschlagen hatten. Daraufhin organisierten sich die Frauen neu, es kam zu größeren Protesten, die zeitlich auf die Debatten im Parlament abgestimmt waren. Im Land breitete sich eine militante Stimmung aus, nachdem anzunehmen war, dass friedliche Proteste niemals zu einem Erfolg führen würden. So zogen am Abend des 1. März, einem Freitag, und am darauffolgenden Montag WSPU-Anhängerinnen in die Einkaufsstraßen des West End, Knightsbridge, Kensington und Chelsea. Mit Hämmern oder Steinen begannen sie gleichzeitig zu einem vorher vereinbarten Zeitpunkt, die Fenster der dortigen Geschäfte und Büros einzuschlagen. Es kam zu Verhaftungen von mehr als 200 Frauen. Ihre Anführerinnen Emmeline Pankhurst und das Ehepaar Pethick-Lawrence wurden danach zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Christabel Pankhurst floh jedoch nach Paris, wo sie bis zum Ersten Weltkrieg im Exil blieb. Zumeist wurden die teilnehmenden Frauen zu zwei Monaten Haft verurteilt, weil sie sich weigerten, eine Geldstrafe zu bezahlen und eine Friedensverpflichtung abzugeben. Viele wurden auch zu sechs Monaten Haft verurteilt. Das hatte zur Folge, dass die Gefängnisse rasch überfüllt waren. Den Frauen wurde der Status „politischer Gefangener“ verweigert, was für die Frauen auch eine Erleichterung der Haft bedeutet hätte. Bei den daraufhin aufkommenden Hungerstreiks wurden viele der Frauen brutal zwangsernährt.THE PRIEST HOUSE, WEST HOATHLY. SUFFRAGETTE HANDKERCHIEF. HOLLOWAY PRISON, MARCH 1912 (PDF), abgerufen am 7. Februar 2026

Das Taschentuch In dieser Lage begann vermutlich Mary Ann Hilliard, eine Krankenschwester, die später auch das Taschentuch als Andenken an ihre Mitgefangenen aufbewahrte, mit der Bestickung. Es befand sich bis 1942 in ihrem Besitz. Ihre Unterschrift befindet sich unten rechts. Sie schenkte es 1942 dem British College of Nurses. Im British Journal of Nursing wurde dazu festgehalten:

mini|The Priest House Als das College 1956 geschlossen wurde, wurde auch die Sammlung des Colleges aufgelöst. In den 1960er Jahren wurde das Taschentuch auf einem Flohmarkt in West Hoathly angeboten. Es fand sich jedoch kein Käufer und so sollte es mit anderen Abfällen verbrannt werden. Barbara Miller, Museumsleiterin eines kleinen lokalen Museums, nahm das Taschentuch an sich und versuchte die Hintergründe zu recherchieren. Später wurde Dora Arnold, die damalige Verwalterin des The Priest House, aufmerksam und erkannte die historische Bedeutung dieses Werks. Es befindet sich heute in der Sammlung des Priest House.

Ausstellungen Im Priest House wird das Taschentuch in einer Dauerausstellung im ersten Stock gezeigt.

Von September 2018 bis Januar 2019 war es vom Royal College of Physicians im Rahmen der Ausstellung „‘This vexed question’: 500 years of women in medicine“ ausgestellt. Dabei lag ein Schwerpunkt auf der Unterschrift von Alice Stewart Ker (1853–1943), einer schottischen Ärztin, die als Chirurgin am Kinderkrankenhaus in Birmingham arbeitete und Ehrenärztin am Wirral Hospital for Sick Children war. Sie wurde, nachdem sie eine Schaufensterscheibe bei Harrods eingeworfen hatte, zu drei Monaten Haft im Holloway-Gefängnis verurteilt.

Die Unterzeichnenden mini|Slogan des WSPU Zentral im unteren Bereich befindet sich der Slogan des WSPU:

Votes for Women Holloway Prison March 1912

In der Umsäumung und im Innenfeld des Taschentuches, dort in drei Spalten angeordnet, finden sich die Unterschriften der 66 Frauen. Diese wurden mit unterschiedlichen Stickfarben angelegt.

Vermutlich wurde das Taschentuch während der wenigen Stunden bestickt, in denen sich die Frauen bewegen durften. Auf ihm befinden sich 66 Unterschriften und zwei Initialpaare. Die meisten unterzeichnenden Frauen waren einfache Mitglieder der Organisation, einige waren als militante Personen bekannt und mehrfach inhaftiert, zumeist hatten sie an den Demonstrationen im März teilgenommen. Sie stammten aus allen Teilen Großbritanniens, gehörten verschiedenen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen an.

61 der 66 Frauen, deren vollständige Namen verzeichnet sind, sind bei den Märzdemonstrationen verhaftet worden. Davon wurden 25 zu zwei Monaten, 3 zu drei Monaten, 18 zu vier Monaten und 8 zu sechs Monaten Haft verurteilt. 16 von ihnen waren in den lokalen Zweigstellen der WSPU aktiv gewesen, 18 waren zuvor bereits im Zusammenhang mit der Frauenwahlrechtsbewegung verhaftet worden. Mindestens 40 der Frauen beteiligten sich an den Hungerstreiks und von diesen wurden 15 zwangsernährt.

Von der National Union of Women’s Suffrage Societies wurde ihnen später für Engagement im Kampf für das Frauenwahlrecht und der damit verbundenen Inhaftierung im Frauengefängnis Holloway die Holloway-Brosche verliehen. Frauen, die in den Hungerstreik getreten waren, wurden zusätzlich mit der Hungerstreik-Medaille ausgezeichnet.

Unterschriften

Weitere Werke Im Holloway-Gefängnis wurden weitere Taschentücher bestickt. Eines von Cissie Wilcox und weiteren Suffragetten als Geschenkt für Janie Terrero, die die Frauen mit einem Aufruf zu Spenden von Weihnachtskörben 1911 in der Zeitung „Votes for Women“ unterstützt hatte, es befindet sich heute im London Museum.

Ein weiteres Taschentuch fertigte Janie Terrero 1912 selbst an. Sie stickte die Namen von 19 Mitgefangenen in Holloway ein, die am Hungerstreik vom 13. bis 19. April 1912 teilgenommen hatten. Auch dieses Taschentuch befindet sich im London Museum.

Einzelnachweise

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