mini|hochkant|Heutiger Zustand des Werkes im Kolumba mini|hochkant|Detail: Hand der Maria mit Veilchen Die Madonna mit dem Veilchen, Mischtechnik auf Eichenholz, ca. 1450, ist ein Werk von Stefan Lochner und befindet sich heute im Museum Kolumba in Köln.
Die Maße von 212 × 102 cm scheinen ein privates Andachtsbild ebenso auszuschließen wie ein Altarbild. Der Rahmen ist ein Werk der Neugotik.U. Surmann, S. 26 Durch die räumliche Nähe zum Grab der Stifterin Elisabeth von Reichenstein und das Spruchband „Dies ist für immer der Ort meiner Ruhe“ wurde es gleichsam zum Epitaph. Das Werk wurde 1853 im Keller des Kölner Priesterseminars von dem Geistlichen und Religionslehrer Christian Hermann Vosen gefunden.U. Surmann, S. 24 Es war stark durch Übermalungen verändert: Aus der stehenden Maria war eine thronende Madonna geworden, die Stifterin war nicht mehr zu erkennen. Nach der ersten Restaurierung durch den Kunsthändler Antoine Brasseur und damit Freilegung des ursprünglichen Bildzustandes wurde es 1854 in einer Ausstellung des Vereins für christliche Kunst im Gürzenich der Öffentlichkeit präsentiert.U. Surmann, S. 27 Hierbei verschwand ein durch Übermalung entstandener Thronsitz; aus einem schwarz-weißen Marmorboden wurde wieder die Blumenwiese und eine plumpe Übermalung des Mundes der Gottesmutter wich der alten Form. Die letzte Restaurierung des Werkes, welches ihm die ursprüngliche Farbigkeit und Strahlkraft zurückgab, wurde in den 1960er Jahren am Rheinischen Amt für Denkmalpflege durchgeführt. Ursprünglich hing das Werk wohl in der Kirche St. Cäcilien, wahrscheinlich an einem Mittelschiffpfeiler (Pfeilerbreite: 1,18 m), oder in der benachbarten Kirche St. Peter. Zumindest hierhin könnte es durch den Umstand gelangt sein, dass Elisabeth in dieser Pfarrkirche ihre letzte Ruhe fand und sie nachweislich der Kirche zwei Marienbilder vermachte, unter denen sich die Madonna mit dem Veilchen befunden haben könnte.U. Surmann, S. 21
Als Stifterin ist unten rechts Elisabeth von Reichenstein (geb. um 1408, Äbtissin ab 1443, gest. 1486), die letzte Leiterin des Kölner Cäcilienstiftes, zu sehen. Sie gab das Gemälde bei Lochner in Auftrag. Durch die Wappenschilde, heraldisch rechts das des Vaters Wilhelm von Reichenstein, links das der Mutter Irmgard von Hammerstein, eindeutig identifiziert, kniet sie zu Füßen der königlich gewandeten Gottesmutter. Den Wappen fehlt der sonst übliche aufwendige heraldische Schmuck. Elisabeth trägt eine weiße Haube und einen pelzgefütterten (sibirisches Eichhörnchen) Chormantel. Würdezeichen wie Kette, Brustkreuz, Ring oder Stab, die auf ihr Amt als Äbtissin hinweisen könnten, fehlen dagegen.
Bekannt geworden ist Elisabeth vor allem durch ihren heftigen Widerstand gegen die Umwandlung ihres Stiftes in ein Augustinerinnenkloster für die Nonnen des 1474 zerstörten Klosters Weiher. Im Zuge der Burgunderkriege mussten die Nonnen ihr Kloster außerhalb der Stadtmauer verlassen. Zu diesem Zeitpunkt lebte Elisabeth mit nur noch einer Novizin in dem Damenstift. Diese verbarrikadierten sich, sodass die Türen in Gegenwart des Kaisers Friedrich III. und des päpstlichen Legaten aufgebrochen werden mussten. Stefan Lochner fertigte 1442 den Stadtschmuck, als sich Friedrich auf seiner Reise nach Aachen in Köln aufhielt. Friedrich III. war der letzte Kaiser, der in Rom vom Papst (Nikolaus V.) gekrönt wurde. Papst war in der Konfliktzeit Sixtus IV., der in der Nachwelt durch den Bau der nach ihm benannten Sixtinischen Kapelle und die Pazziverschwörung in Erinnerung blieb. Auch nach der Umwandlung des Klosters protestierte Elisabeth immer wieder gegen die Auflösung ihres Stiftes. Sie wurde deshalb sogar kurzzeitig exkommuniziert.U. Surmann, S. 5 ff.
Das Gebet, das sich auf dem Schriftband über der Stifterin entrollt, ist der Jenseitsvorsorge gewidmet: „Süße Jungfrau, erbitte mir Gnade von deinem Kinde. Steh für mich ein, dass ich dich schaue und mit dir Ruhe finde ohne Ende.“ Die drei oberen Spruchbänder bedeuten von links nach rechts: „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt. – Dies ist für immer der Ort meiner Ruhe. – Dies ist die, die kein Lager der Sünde kannte“.U. Surmann, S. 6 Bildlich stehen diese bei den Abbildungen Gottvaters, des Heiligen Geistes und einer Engelschar. Diese passen in Bezug auf ihrer Bildgrößen zu den Maßen der Stifterin. Den Grundton, mit dem das Geschehen unterlegt ist, gibt das Veilchen in der linken Hand der Gottesmutter vor: Es steht für die Demut. Elisabeth kniet auf einer Wiese mit blühenden Veilchen und Erdbeeren, die zum Himmelsblau des Hintergrundes durch einen Vorhang aus Goldbrokat abgeschlossen wird. Weiter lassen sich Klee, Schöllkraut, Nelkenwurz, Wicken, Breitwegerich und hinter Elisabeth die Madonnenlilie identifizieren. Als Konzession an die Unschuld wird die Madonnenlilie auch ohne Stempel und Staubfäden dargestellt. Sie ist besonders häufig auf Gemälden zu sehen, die die Verkündigung zum Gegenstand haben. Das Christuskind ist in Lochners Werk mit zwei Kreuzen auf Gewand und in der Hand, einem Hinweis auf seine Bestimmung für den Kreuzestod, dargestellt.U. Surmann, S. 9
Über den ursprünglichen Bestimmungsort des Tafelbildes ist nichts bekannt. Denkbar wäre, dass es für den bereits 1272 belegten Marienaltar im südlichen Seitenschiff der Stiftskirche St. Cäcilien (heute Museum Schnütgen) angefertigt wurde oder im Mittelschiff an einem Pfeiler hing, worauf das längliche Format des Bildes schließen lässt.S. Hauschild, S. 58 ff. Zwischenzeitlich befand es sich in den Weltkriegen zur Sicherheit wieder im Priesterseminar und, um es vor dem Zugriff Hermann Görings zu schützen, auf Schloss Caelbeck bei Goch und Schloss Niesen bei Warburg. Auf der Welle der Begeisterung für die 1842 begonnene Vollendung des Domes erlangte die Madonna mit dem Veilchen große Popularität, die bis heute anhält. So entstanden im Laufe der Zeit viele Kopien in Originalgröße, die heute weit verstreut sind, z. B. in der Kirche St. Blasius in Köln-Meschenich, im Regensburger Priesterseminar und im Pfarrbüro in St. Peter in Zülpich. Seit 1949 findet es sich auch als ganzseitiges Bild im Gesangbuch des Erzbistums Köln. Das Titelblatt des Spiegel Kulturmagazins zierte im März 1998 eine Kopie mit dem Gesicht der Popsängerin Madonna.U. Surmann, S. 25
Literatur Stephanie Hauschild: Stefan Lochner. Erster deutscher Meister. Greven Verlag, Köln, 2021, ISBN 978-3-7743-0935-7. Ulrike Surmann: Die Muttergottes mit dem Veilchen (= Kolumba Werkhefte und Bücher, Band 29). Fries Printmedien, Köln 2008.
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Einzelnachweise
Kategorie:Kolumba (Museum) Kategorie:Marienbildnis Kategorie:Gemälde von Stefan Lochner Kategorie:Gemälde (15. Jahrhundert)