mini|hochkant|Wappen derer von Schwachenberg im Wappenbuch des Westfälischen Adels

Schwachenberg (auch Schwackenberg o. ä.) ist der Name eines erloschenen westfälischen Patrizier- und Adelsgeschlechts.

Geschichte Das Geschlecht zählte zu den Honoratiorengeschlechtern in Soest. Stammvater war Johann Arnold Schwachenberg (1671–1739), Sohn eines nicht näher benannten Lippstädter Juristen. Johann Arnold hatte ab 1689 in Jena studiert und 1698 in Duisburg die Promotion erlangt. Danach war er von 1698 bis 1704Johann Anton Arnold Möller: Alte Nachrichten von Lippstadt und benachbarten Gegenden, 4. Jg., Lippstadt 1787, S. 334 (Google Bücher). Syndikus der Stadt Lippstadt. 1699 wurde er „als Sohn eines Krameramtsbruders“ in das Lippstädter Krameramt aufgenommen. Vollgültiges Mitglied des Magistrats wurde er 1702 auf Antrag des Tribuniums. 1704 resignierte er in Lippstadt, ging nach Soest und erwarb dort die Bürgerschaft. mini|Haus Marktstraße 8 in Soest (das rote), Wohnhaus von Herr[n] Joh. Arnold v. Schwackenberg (Dr. juris und Bürgermeister) und noch 1816 in Besitz derer von Schwachenberg Ein Jahr zuvor hatte er in zweiter Ehe Luise Katharina Rademacher († 1706), Tochter des Soester Bürgermeisters Eberhard Rademacher (1648–1716), geheiratet. Nach deren Tod ehelichte er 1714 in dritter Ehe Sophie Elisabeth Jacobi, Tochter des Soester Bürgermeisters Dietrich Jacobi (1624–1707) und Schwester des Soester Bürgermeisters Gerhard Friedrich Jacobi (1668–1741). Ab 1708 war er Mitglied der patrizischen Stalgadum-Gesellschaft und wurde bald nach seiner Einbürgerung auch Soester Ratsherr. 1732–1734 war er zweifacher Soester Bürgermeister. Seine Tochter Anna Dorothea Elisabeth Schwachenberg war mit dem vierfachen Soester Bürgermeister Karl Dietrich von Roßkampff (1691–1775) aus der Familie Roßkampff verheiratet.Klocke (1927), S. 183. Seinem Sohn überließ er 1735 das Haus Marktstraße 8 in Soest. Das ist ein großer, zweigeschossiger Steinbau über hohem Kellersockel. Die bis heute erhaltene klassizistische Außenfassade stammt aus dem Jahr 1807, als es noch in Schwachenberg’schen Besitz war; bei dem Außenmauerwerk handelt es sich aber um einen spätmittelalterlichen Steinbau, der schon vor 1590 diese Höhe hatte. Die Ersterwähnung der Liegenschaft war 1435.Hubertus Michels: Städtischer Hausbau am Mittleren Hellweg. Die Entwicklung der Wohnbauten in Soest von 1150 bis 1700 (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, herausgegeben von der Volkskundlichen Kommission für Westfalen, Band 94), Münster 1998, S. 240 f.

Sein Sohn Everhard Otto von Schwachenberg (1705–1768) verließ Soest und wurde klevisch-märkischer Kriegs- und Domänenrat zu Kleve.Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15, München 2009, S. 932. Ab 1739Richard Pick (Hrsg.): Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands mit besonderer Berücksichtigung der Rheinlande und Westfalens, VI. Jahrgang, Trier 1880, S. 451 (Google Bücher, Frage 4. zu Eberhard Otto (von) Schwachenberg). führten er und seine Nachkommen unbeanstandet das Adelsprädikat „von“, jedoch ohne dass eine Nobilitierung belegt werden kann. 1743 und 1748 erwarb er die adeligen Häuser Hove in Oberwengern im heutigen Wetter-Volmarstein und Schleebusch in Albringhausen im heutigen Wetter-Esborn, beide in der Grafschaft Mark.Johann Dietrich von Steinen: Westphälische Geschichte mit vielen Kupfern, 3. Teil, Lemgo 1757, S. 1502 ff. (Google Bücher). Nach seinem Tod wurde Everhard Otto von Schwachenberg vor dem Altar in der Dorfkirche Wengern beigesetzt.Der Kriegsrath Eberhard Otto von Schwachenberg, Erbherr zu Hov und Schlebusch, [...] dessen Gebeine vor dem Altare ruhen, [...]. (Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark, Band 1, Witten an der Ruhr 1887, S. 141 f.) Während sein Sohn Johann Friedrich Detmar von Schwachenberg (1741–1826) und dessen Familie auf dem Haus Hove lebten und auch Haus Steinkuhl im heutigen Bochumer Stadtteil Altenbochum erwarben, kehrte sein Sohn Ludwig Wilhelm Moritz von Schwachenberg (1745–1819) nach Soest zurück.

Everhard Ottos Enkelin Henriette Amalia Friederika Carolina Wilhelmina von Schwachenberg (1792–1845) war ab 1820 die unerfüllte Liebe des August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874), Autor des Texts zur späteren deutschen Nationalhymne (Das Lied der Deutschen).Heinrich Gerstenberg: Henriette von Schwachenberg und Hoffmann von Fallersleben: unter Benutzung von bisher ungedruckten Nachlassbriefen, Berlin 1904. Sie war 1820 nach einer gescheiterten Ehe mit dem Kaufmann Carl Theodor Elbers (1784–1842) in Barmen, siebenundzwanzigjährig mit ihren beiden Söhnen auf den Gutshof Hove bei Wetter an der Ruhr zu ihrem Vater zurückgekehrt, hatte ihren Geburtsnamen wieder angenommen und führte ihm den Haushalt.Jürgen Borchert: Hoffmann von Fallersleben. Ein deutsches Dichterschicksal, Berlin 1991, S. 70. 1829 heiratete sie den Justizkommissar und Hauptmann a. D. Gustav Voerster (1791–1865), zu Schwelm. Dieser Ehe entstammte unter anderem der Landrat Emil Voerster.Heinrich Gerstenberg: Hoffmann's von Fallersleben Gesammelte Werke. Band 8: Mein Leben, Band 5 und 6, Fortsetzung bis zu des Dichters Tode. Nachträge, Berlin 1893, S. 309 f.

Im Mannesstamm erlosch das Geschlecht mit dem Tod von Everhard Ottos Sohn Johann Friedrich Detmar von Schwachenberg (1741–1826). Die letzte Geborene von Schwachenberg war dessen Tochter Christiane Friederike Wilhelmine von Elverfeldt (1795–1872), Ehefrau des Freiherrn Ludwig Johann Georg Friedrich Gilderich von Elverfeldt (1793–1873), Gutsbesitzer aus der Familie von Elverfeldt und zu Beginn der Industriellen Revolution Bergbau-Unternehmer im Bereich Steinkohleabbau, -transport und -veredelung. Friederike war aus eigenem Recht Herrin auf Martfeld und Schlebusch, aus welchen Gütern (Haus Martfeld hatte sie selbst 1839 erworben, von der Familie Winkelhausen als Erben des Barmer Kaufmanns Johann Peter Hochstein,Gerd Helbeck: Haus Martfeld in Schwelm. Herrensitz – Bauernhof – Museum. (Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Schwelm und ihrer Umgebung, Neue Folge), Heft 35. Schwelm 1985, S. 33. und Schlebusch stammte aus der väterlichen Erbmasse) sie am 15. März 1865 ein Familienfideikommiss, in erster Linie für den Mannesstamm ihrer Nachkommen aus der Ehe mit dem Freiherrn von Elverfeldt, errichtete,Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, Band 48, Gotha 1898, S. 221. zugleich aber auch subsidiar zugunsten der Enkel aus der Ehe ihrer verstorbenen Tochter Friederike, verheiratet gewesene Freifrau von Hövel zu Meseberg, darunter der spätere FideikommissherrGothaisches Genealogisches Taschenbuch, 9. Jahrgang, 1908, S. 350 (Digitalisat). Balduin von Hövel.Eduard Aander-Heyden: Geschichte des Geschlechtes der Freiherren von Elverfeldt, mit 12 Ahnentafeln, 9 Stammtafeln und einem Personen- und Ortsregister. Urkunden und Regesten, II. Band: 1500-1885 nebst Nachträgen vom Jahre 1143 an. Zweiter Teil, Elberfeld 1886, S. 245.

Stammfolge

Wappen Blasonierung: In Blau zwei in drei Reihen blau-silbern geschachte Balken, zwischen denselben zwei goldene Rosen. Auf dem Helm mit blau-goldenen Helmdecken zwei goldene Büffelhörner, dazwischen eine goldene Rose.Spießen (1901–1903), S. 116.

Während das 1754 am linken Torpfeiler von Haus Hove angebrachte schwachenbergsche Wappen wie oben beschrieben Rosen zeigt,Am rechten Pfeiler ist das Wappen derer von Moerster angebracht. Es handelt sich demnach um die Wappen der Eheleute Everhard Otto von Schwachenberg (1705–1768), Kriegs- und Domänenrat bei der Kriegs- und Domänenkammer zu Kleve, und Anna Martina Maria von Moerster. finden sich bei einigen späteren Steinmetzdarstellungen anstatt der Rosen Sterne, so am Grabstein von Johann Friedrich Detmar von Schwachenberg (1741–1826) und auch im Allianzwappen Elverfeldt-Schwachenberg an der Martfelder Kapelle von Haus Martfeld aus dem Jahr 1860.

Literatur Eduard Aander-Heyden: Geschichte des Geschlechtes der Freiherren von Elverfeldt, mit 12 Ahnentafeln, 9 Stammtafeln und einem Personen- und Ortsregister. Urkunden und Regesten, II. Band: 1500-1885 nebst Nachträgen vom Jahre 1143 an. Zweiter Teil, Elberfeld 1886, S. 239 (Erbteilung der Schwestern geb. von Schwachenberg) und S. 245. (Friederike Freifrau von Elverfeldt geb. von Schwachenberg stiftet Familienfideikommiss.) Heinrich Gerstenberg: Henriette von Schwachenberg und Hoffmann von Fallersleben: unter Benutzung von bisher ungedruckten Nachlassbriefen, Berlin 1904. August Gertner: Nachrichten über die Familie von Schwachenberg. Im Auftrag des Herrn Freiherrn Ludwig Levin von Elverfeldt zu Schloß Canstein, 1880. Friedrich von Klocke: Alt-Soester Bürgermeister aus sechs Jahrhunderten, ihre Familien ihre Standesverhältnisse, in: Westfälische Zeitschrift, Band 84, 1927, S. 183 (PDF, 101 MB beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe). Richard Pick (Hrsg.): Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands mit besonderer Berücksichtigung der Rheinlande und Westfalens, VI. Jahrgang, Trier 1880, S. 451 (Google Bücher). Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 116 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 291 (hhu.de).

Weblinks Haus Schleebusch auf GenWiki. Haus Hove (Wetter) auf GenWiki.

Einzelnachweise

Kategorie:Westfälisches Adelsgeschlecht Kategorie:Patriziergeschlecht (Soest)