Der Westafrikanische Elstertoko (Lophoceros semifasciatus) ist eine afrikanische Vogelart, die zu den Nashornvögeln (Bucerotidae) gehört. Er kommt in Westafrika vom südlichen Senegal und westlichen Gambia über Guinea-Bissau, Guinea, Sierra Leone, Liberia, die Elfenbeinküste, Ghana, Togo, Benin bis in den Süden von Nigeria (westlich der Nigermündung) in zahlreichen Lebensräumen vor und ist ungefährdet.

Merkmale Der Westafrikanische Elstertoko ist ein relativ kleiner Nashornvogel, genaue Maße liegen jedoch nicht vor. Er ist überwiegend schwarz gefärbt, der untere Bereich der Brust und der Bauch sind weiß und der Schnabel ist, abgesehen von der schwarzen Spitze, hellgelb. Ein unbefiederter Ring um die Augen ist dunkelgrau. Weibchen sind in der Regel etwas kleiner als die Männchen. Eine unbefiederte Stelle am hinteren Rand des Schnabels ist bei den Weibchen orange, bei den Männchen dunkelgrau.

Im Verbreitungsgebiet des Westafrikanischen Elstertokos kommen auch der Goldhelm-Hornvogel (Ceratogymna elata) und der Schwarzhelm-Hornvogel (Ceratogymna atrata) vor. Beide Arten sind jedoch deutlich größer, haben einen weniger schlanken Rumpf, einen kräftigeren Schnabel mit einem wulstigen Aufsatz und leben nur in Wäldern.

Lebensraum und Lebensweise mini|Früchte des Upasbaums Der Westafrikanische Elstertoko kommt in immergrünen Tieflandregenwäldern und angrenzenden Sekundärwäldern, in Galeriewäldern, baumbestandenen Savannen, Ölpalmenplantagen, Ackerflächen und in Vorstadtgärten mit hohen Bäumen vor. In Liberia fand man ihn bis zu einer Höhe von mindestens 900 Metern. Elstertokos sind Standvögel und während der Brutzeit revierbildend. Außerhalb der Brutzeit bilden die Vögel Schwärme mit 5 bis 20 Individuen. In Ausnahmefällen, z. B. in Trockenzeiten, wenn die Tiere auf der Suche nach Nahrung weit umherstreifen müssen, können die Schwärme auch viel größer sein und bis zu 70 Exemplare umfassen. Westafrikanische Elstertokos ernähren sich vor allem von Insekten (bevorzugt Käfer, Ameisen und Termiten) und von Früchten. Außerdem werden kleine Wirbeltiere, wie Baumfrösche, Echsen, Vogelnestlinge, Mäuse und Fledermäuse erbeutet. Da die Samen in den Früchten unverdaut ausgeschieden werden, werden die Früchte tragenden Pflanzen damit verbreitet (Zoochorie). Gefressen werden unter anderem verschiedene Feigen, die Früchte der Ölpalme und des Upasbaums, sowie die von Afzelia africana, Sterculia rhinopetala, Tetrorchidium didymostemon und Trichilia.

Fortpflanzung Westafrikanische Elstertokos brüten während der Trockenzeit, aufgrund des großen Verbreitungsgebietes zu unterschiedlichen Monaten, in Senegal z. B. im Juli und August und in Nigeria von Januar bis Mai. Das Nest wird in Höhen von 9 bis 38 Metern in natürlichen Höhlen in Kapokbäumen, Limbabäumen oder anderen sehr großen Bäumen errichtet. Das Gelege besteht aus bis zu vier Eiern, die weiß und etwa 3,3 bis 3,5 × 2,5 Zentimeter groß sind. Nur die Weibchen brüten, die während der Brutzeit den Eingang der Baumhöhle bis auf einen schmalen Schlitz mit den eigenen Exkrementen verschließen. Weder die Brutdauer, noch die Nestlingszeit oder das Aussehen der Nestlinge sind bekannt. Die Jungvögel werden mit Heuschrecken, Gottesanbeterinnen, Käfern, Wespen, Fliegen, Wanzen, Spinnen, Schmetterlingen, sowie den Larven und Puppen verschiedener Insekten gefüttert. mini|Westafrikanischer Elstertoko

Systematik Der Westafrikanische Elstertoko wurde 1855 durch den deutschen Ornithologen Gustav Hartlaub unter der Bezeichnung Buceros semifasciatus erstmals wissenschaftlich beschrieben. Sibley Monroe und andere sahen ihn als konspezifisch mit dem 1812 durch George Shaw beschriebenen (Kongo-)Elstertoko (Lophoceros fasciatus) an, aber in Band 6 des Handbook of the Birds of the World bekam er wieder den Status einer eigenständigen Art. Der Westafrikanische Elstertoko, der Kongo-Elstertoko und sechs weitere, relativ kleine und überwiegend schwarz oder grau gefärbte Nashornvögel bilden die Gattung Lophoceros, die 1833 durch die deutschen Naturforscher Wilhelm Hemprich und Christian Gottfried Ehrenberg eingeführt worden ist.

Gefährdung Nach Angaben der IUCN ist der Bestand des Westafrikanischen Elstertokos ungefährdet. Das Verbreitungsgebiet ist sehr groß und die Art ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes relativ häufig bis sehr häufig. Der Westafrikanische Elstertoko kommt auch in zahlreichen Schutzgebieten vor, in der Elfenbeinküste z. B. im Nationalpark Taï und in Ghana in den Nationalparks Bui, Digya, Kakum und Kyabobo.

Einzelnachweise Guy M. Kirwan, Alan C. Kemp und Peter F. D. Boesman (2023). West African Pied Hornbill (Lophoceros semifasciatus), Version 1.0. In Birds of the World (B. K. Keeney und N. D. Sly, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi: 10.2173/bow.afphor2.01 D. W. Winkler, S. M. Billerman und I. J. Lovette (2025). Hornbills (Bucerotidae), Version 1.1. In Birds of the World (S. M. Billerman, B. K. Keeney, P. G. Rodewald und T. S. Schulenberg, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi: 10.2173/bow.bucero1.01.1 Gustav Hartlaub (1855): Beschreibung einiger neuen, von Herrn H. S. Pel, holländischem Residen an der Goldküste, daselbst gessamelten Vögelarten. Journal für Ornithologie 3(17): 353–359. Biodiversitylibrary F.W. Hemprich & C.G. Ehrenberg (1833): Symbolae Physicae seu Icones et Descriptiones Avium quae ex itinere Africam Borealem et Asiam Occidentalem. Officina Academica, Berolini (Berlin) Band 1.

George Shaw (1812): General zoology, or Systematic natural history. With Plates from the first Authorities and most select specimens. London. Vol.8 Aves. DOI: 10.5962/bhl.title.1593

Weblinks

Oiseaux.net

Kategorie:Nashornvögel