Eine Notfallmappe (auch Notfallordner) bezeichnet eine strukturierte Zusammenstellung persönlicher, medizinischer, finanzieller und rechtlicher Informationen, die im Falle eines medizinischen oder organisatorischen Notfalls einen schnellen Überblick ermöglichen soll.

Der Begriff ist nicht rechtlich normiert und beschreibt kein eigenständiges Rechtsinstrument, sondern eine organisatorische Hilfestellung zur Bündelung relevanter Unterlagen.

Abgrenzung Eine Notfallmappe ist von rechtlich verbindlichen Vorsorgedokumenten wie der Patientenverfügung oder der Vorsorgevollmacht abzugrenzen. Diese entfalten ihre Wirkung unabhängig von einer Notfallmappe und unterliegen gesetzlichen Formerfordernissen.

Die Notfallmappe selbst besitzt keine eigenständige rechtliche Wirkung und dient ausschließlich der Informationssammlung und -zugänglichkeit.

Typischer Inhalt Der Inhalt einer Notfallmappe ist nicht standardisiert und variiert je nach individueller Lebenssituation. In der Praxis werden jedoch häufig folgende Dokumente aufgenommen:

persönliche Daten und Kontaktinformationen von Angehörigen oder Vertrauenspersonen medizinische Informationen wie Medikationspläne oder Angaben zu Vorerkrankungen Versicherungs- und Bankunterlagen Hinweise auf Vorsorgedokumente wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht Hinweise zu Passwörtern Informationen zum (auch digitalen) Nachlass

Empfehlungen des BBK Siehe auch: Dokumentenmappe (Notfallvorsorge)

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) listet in ihren Empfehlungen folgende Dokumente auf:

Im Original Familienurkunden (Geburts-, Heirats-, Sterbeurkunden) beziehungsweise Stammbuch

Im Original oder als beglaubigte Kopie Sparbücher, Kontoverträge, Aktien, Wertpapiere, Versicherungspolicen Renten-, Pensions- und Einkommensbescheinigungen, Einkommenssteuerbescheide Qualifizierungsnachweise: Zeugnisse (Schulzeugnisse, Hochschulzeugnisse, Nachweise über Zusatzqualifikationen) Verträge und Änderungsverträge, zum Beispiel auch Mietverträge, Leasingverträge et cetera Testament, Patientenverfügung und Vollmacht

Als einfache Kopie Personalausweis, Reisepass Führerschein und Fahrzeugpapiere Impfpass Grundbuchauszüge sämtliche Änderungsbescheide für empfangene Leistungen Zahlungsbelege für Versicherungsprämien, insbesondere Rentenversicherung Meldenachweise der Arbeitsämter, Bescheide der Agentur für Arbeit Rechnungen, die offene Zahlungsansprüche belegen Mitglieds- oder Beitragsbücher von Verbänden, Vereinen oder sonstigen Organisationen

Formen Notfallmappen werden sowohl in physischer Form (z. B. Ordner oder Mappen aus Papier) als auch in digitaler Form angeboten. Digitale Varianten können etwa als verschlüsselte Dateien oder Online-Speicherlösungen geführt werden, werfen jedoch zusätzliche Fragen hinsichtlich Datenschutz und Zugriffsberechtigung auf.

Verbreitung Notfallmappen werden insbesondere von Verbraucherorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und öffentlichen Stellen thematisiert und empfohlen. Mehrere Bundesländer stellen Vorlagen oder Empfehlungen zur Verfügung, ohne verbindliche Standards festzulegen.

Empirische Studien zur tatsächlichen Nutzung oder Wirksamkeit von Notfallmappen liegen bislang nur in begrenztem Umfang vor.

Kritik Kritisch angemerkt wird, dass der Nutzen einer Notfallmappe wesentlich von ihrer Aktualität und Auffindbarkeit abhängt. Zudem besteht die Gefahr, dass sie fälschlich als Ersatz für rechtlich verbindliche Vorsorgedokumente angesehen wird. Auch Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und Risiken im Falle eines Diebstahls werden geäußert.

Siehe auch Betreuungsverfügung

Einzelnachweise

Kategorie:Notfallmedizin Kategorie:Medizinrecht Kategorie:Rechtsdokument