thumb|Aufgeschnittener Šimtalapis mit deutlich sichtbaren Schichten und Mohnfüllung Der Šimtalapis (litauisch für „Hundertblatt“) ist ein traditionelles Feingebäck der Lipka-Tataren in Litauen. Es handelt sich um einen aus mehreren Schichten bestehenden Hefekuchen, der vor allem zu religiösen und traditionellen Feiertagen sowie festlichen Anlässen zubereitet wird. Der Šimtalapis gilt als fester Bestandteil des kulinarischen Erbes der Region Dzūkija um die Bezirkshauptstadt Alytus im Süden des Landes.
Herkunft und Bedeutung Die Wurzeln des Gebäcks liegen in der Küche der Tataren, die sich im 14. Jahrhundert im Großfürstentum Litauen ansiedelten. Während die ursprüngliche tatarische Variante häufiger herzhaft gefüllt war, entwickelte sich in Litauen die süße Form mit Mohn und Rosinen zur bekanntesten Version. Der Name bezieht sich auf die hauchdünnen Teigschichten, die durch ein spezielles Ausziehen des Teigs entstehen und dem Gebäck eine Struktur verleihen, die entfernt an einen Strudel oder ein Croissant erinnert.
Zubereitung mini|Litauische Mohnrolle Die Herstellung des Šimtalapis gilt als handwerklich anspruchsvoll, insbesondere das Ausrollen und Ziehen des Teigs erfordert Erfahrung.Lietuvoje gyvenantis totorius atskleidė visų pamėgto šimtalapio recepto paslaptis: verta pabandyti
Teigherstellung Die Basis bildet ein Hefeteig aus Weizenmehl, Milch, Eiern, Hefe und etwas Zucker. Nach dem Kneten muss der Teig etwa eine Stunde an einem warmen Ort gehen. Das entscheidende Merkmal ist die anschließende Verarbeitung: Der Teig wird in mehrere Portionen geteilt und auf einer großen Fläche so lange von Hand ausgezogen, bis er nahezu transparent und hauchdünn ist.
Schichtung und Füllung Jedes Teigblatt wird großzügig mit geschmolzener Butter bestrichen und mit Zucker bestreut. Traditionell werden fünf solcher Schichten übereinandergelegt. Auf die oberste Schicht wird eine Füllung aus abgebrühtem und gemahlenem Mohn sowie Rosinen gleichmäßig verteilt. Anschließend wird der Teig vorsichtig zu einer Rolle geformt, oft hufeisenförmig gebogen und in einer runden Form gebacken.
Backvorgang Das Gebäck wird bei moderater Hitze etwa 1,5 Stunden gebacken, bis der Zucker karamellisiert und der Teig eine goldbraune Farbe annimmt. Nach dem Backen wird der heiße Šimtalapis häufig mit Puderzucker bestäubt.
Weblinks
Einzelnachweise
Siehe auch
Baumkuchen, ein weiteres bekanntes litauisches Festgebäck (Šakotis) Baklava, verwandte Schichtgebäcktradition im orientalischen Raum
Kategorie:Litauische Küche Kategorie:Feine Backware (Hefeteig) Kategorie:Mohnspeise Kategorie:Islam in Litauen Kategorie:Tataren Kategorie:Süßspeise