Die Bahnstrecke Katowice–Zwardoń ist eine Eisenbahnverbindung in Polen. Sie führt in Oberschlesien von Katowice (Kattowitz) über Tychy (Tichau), Bielsko-Biała (Bielitz-Biala) und Żywiec (Saybusch) zur Staatsgrenze bei Zwardoń, wo sie in die slowakische Bahnstrecke Čadca–Zwardoń einmündet.

Die Strecke ist Teil der Baltisch-Adriatischen Achse der Transeuropäischen Netze (TEN) sowie des Paneuropäischen Verkehrskorridors VI von Danzig nach Žilina.

Geschichte Deutsche Bahnen Die Geschichte der Strecke begann am 1. Dezember 1852 mit der Eröffnung des Abschnitts Katowice–Katowice Ligota durch die Oberschlesische Eisenbahn während der Zeit des Königreichs Preußen, also noch vor Gründung des Deutschen Kaiserreiches. Am 23. Februar 1861 schlossen Preußen und das Kaisertum Österreich einen Staatsvertrag über den Bau zweier Eisenbahnabschnitte ab. Darin verpflichteten sich beide Staaten, eine Verbindung von Miechowitz (Mikołów) über Pless (Pszczyna) zum Bahnhof Dzieditz (heute Czechowice-Dziedzice) der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn (KFNB) zu errichten.

Am 24. Januar 1867 erhielt die Oppeln-Tarnowitzer Eisenbahn-Gesellschaft die Konzession für den Bau, wobei der Ausgangspunkt in Emanuelssegen (heute Katowice-Murcki) festgelegt wurde. Die Rechte Oder Ufer-Eisenbahn (ROUE) übernahm das Projekt am 15. November 1868.

Am 24. Juni 1870 wurde der Abschnitt Schoppinitz (heute Katowice-Szopienice)–Dzieditz für den Personen- und Güterverkehr eröffnet. Mit der Verstaatlichung der ROUE im Jahr 1886 wurde die Strecke in die preußische Eisenbahndirektion Breslau eingegliedert. Die durchgehende Verbindung wurde am 2. November 1912 mit der Eröffnung der Neubaustrecke Katowice Ligota–Tychy vollendet.

Kaiser-Ferdinands-Nordbahn und k.k. Staatsbahnen In den 1850er Jahren setzte die KFNB den Bau ihrer Hauptstrecke von Oderberg (Bohumín) nach Dzieditz fort und eröffnete am 17. Dezember 1855 die Zweigbahn Dzieditz–Bielitz (Bielsko-Biała). Ab den 1860er Jahren plante die KFNB die Verlängerung dieser Zweigbahn bis Saybusch (Żywiec), um einen Anschluss an das galizische und ungarische Eisenbahnnetz herzustellen.

Für die Verlängerung ab dem Bahnhof Bielitz forderte die kaiserliche Regierung den Bau einer unterirdischen Trasse durch das Stadtgebiet von Bielitz (Eisenbahntunnel in Bielitz), wodurch das Baubudget erhöht wurde. Am 18. August 1878 wurde der Abschnitt Bielitz–Saybusch eröffnet.

Für den Bau der Galizischen Transversalbahn verabschiedete der Reichsrat 1872 ein Gesetz, doch fanden sich zunächst keine privaten Investoren. Durch ein Gesetz vom 28. Februar 1883 wurde schließlich der Bau des Abschnitts Saybusch–Staatsgrenze aus Staatsmitteln genehmigt. Die Bauarbeiten begannen im Juni 1883; am 3. November 1884 wurde der Abschnitt Saybusch–Zwardoń für den Personenverkehr und am 15. November desselben Jahres für den Gesamtverkehr als Zweigbahn der Transversalbahn eröffnet. Mit der Verstaatlichung der KFNB im Jahr 1906 übernahmen die k.k. Staatsbahnen (kkStB) den Betrieb.

Ab 1918 Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, dem Zerfall Österreich-Ungarns und der Gründung der Zweiten Polnischen Republik fiel die Region an Polen. Die 1926 gegründeten Polnischen Staatsbahnen (PKP) übernahmen fortan den Betrieb.

Im Jahr 1939 gelangten die bis dahin polnischen Teile Schlesiens an das Deutsche Reich. Damit wurden auch die Bahnstrecken dieser Territorien von der Deutschen Reichsbahn übernommen.

1945 wurde Polen als Staat wieder hergestellt. Die Bahnstrecken verwaltete fortan wieder die PKP.

Der zweigleisige Ausbau erfolgte 1963 zwischen Katowice und Bielsko-Biała sowie 1990 zwischen Bielsko-Biała Lipnik und Wilkowice Bystra. Die Elektrifizierung begann 1961 auf dem Abschnitt Katowice–Katowice Ligota und wurde sukzessive fortgesetzt: 1963 bis Bielsko-Biała, in den 1970er Jahren bis Żywiec und 1986 bis Zwardoń. Im Jahr 2002 wurde der elektrische Eisenbahnbetrieb über die Staatsgrenze bis Čadca aufgenommen.

Infrastruktur Die Strecke ist zwischen Katowice und Bielsko-Biała Główna sowie zwischen Bielsko-Biała Lipnik und Wilkowice Bystra zweigleisig ausgebaut. Diese beiden zweigleisigen Abschnitte sind durch den teilweise eingleisigen Eisenbahntunnel in Bielitz getrennt – oder je nach Sichtwinkel – verbunden.

Im Januar 2022 kündigte die polnische Infrastrukturverwaltung PKP Polskie Linie Kolejowe (PKP PLK) Ertüchtigungsmaßnahmen im Bereich von Katowice sowie von Tychy bis zur Grenze in Zebrzydowice an.

Betrieb Regionalverkehr wird auf den Linien S4, S5, S6, S7 durch die Koleje Śląskie (Schlesische Bahnen) angeboten. Die Züge verkehren je nach Abschnitt im 30-, 60- oder 120-Minuten-Takt.

PKP Intercity bietet nationale und internationale Verbindungen in Richtung Slowakei an. Im September 2025 wurden neue Intercity-Verbindungen zwischen Krakau und Bielsko-Biała in Betrieb genommen. Diese Verbindungen sollten mit modernen PESA-Fahrzeugen des Typs PKP ED74 erbracht werden.

Güterverkehr erfolgt durch PKP Cargo und diverse Open-Access-Unternehmen, darunter auch solche aus Tschechien.

Erinnerungskultur Insbesondere in den ehemals in Österreich gelegenen Streckenabschnitten sind historische Bahnhofsgebäude, teilweise – wie etwa in Rajcza sogar weitgehend – im Originalzustand erhalten.

Das Empfangsgebäude in Bielsko-Biała wurde 1890 gebaut und hat Baudenkmalstatus (Nr. A-704/94 vom 3. Juni 1994). Im Zuge einer aufwendigen Generalsanierung wurden zahlreiche historische Details freigelegt oder rekonstruiert.

Am Empfangsgebäude des Bahnhofes Czechowice-Dziedzice sind umfangreiche Sanierungen im Gange.

Im Jahr 1914 waren im Heizhaus Dzieditz der k.k. Staatsbahnen auch Tenderlokomotiven der kkStB-Reihe 66 stationiert. Diese Baureihe stammte ursprünglich von der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Ein Exemplar dieser Baureihe, die ehemalige kkStB 66.03, wird heute in der Tschechischen Republik als Museumslok aufbewahrt.

Literatur Alfred Horn: Die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn; Band 2 aus: Die Bahnen Österreich-Ungarns. Bohmann Verlag, Wien. 1970. Hans Reutter. Geschichte der Strassen in das Wiener Becken. Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Verein für Landeskunde von NÖ (Hrsg.). Wien. 1909. (Digitalisat) Viktor von Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Auflage, Wien/Berlin 1912–1923. Einträge zur „Kaiser-Ferdinands-Nordbahn“ (Band 6, Digitalisat) und zur „Rechten Oder-Uferbahn“ (Band 8, Digitalisat) Hermann Strach: Geschichte der Eisenbahnen der Oesterreichisch-Ungarischen Monarchie. Band 1.1 und 1.2, Wien/Teschen/Leipzig 1898. (Digitalisat)

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in der Woiwodschaft Schlesien