mini|Hauszeichen am Haus Hartstraße 2, 3; links Zum goldenen Pferd, mittig Zur goldenen Tasche, rechts Zur goldenen Gans Die Hauszeichen am Gebäude Hartstraße 2, 3 sind drei denkmalgeschützte Hauszeichen in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.
Lage Die drei historischen Hauszeichen befinden sich am Wohnhaus Hartstraße 2, 3 in der Magdeburger Altstadt. Die Hauszeichen sind in die zur Hartstraße weisende Ostfassade des Gebäudes integriert.
Anlage und Geschichte Die Hauszeichen stammen von historischen Gebäuden der Magdeburger Altstadt, die während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden. Mehrere dieser Haussteine wurden aus den Trümmern geborgen und an neu errichteten Gebäuden angebracht.
Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt sind die drei Hauszeichen unter der Erfassungsnummer 094 76753 als Kleindenkmal verzeichnet.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Seite 2581 (PDF; 11 MB).
Folgende drei Hauszeichen bestehen am Gebäude:
Zum goldenen Roß mini|Hauszeichen Zum goldenen Roß Der Hausstein Zum goldenen Roß befand sich ursprünglich am Haus Zum goldenen Roß, Hartstraße 1. Das heutige Exemplar ist eine Replik und ist über dem heutigen Hauseingang Hartstraße 2 angebracht. Das Sandsteinrelief zeigt ein nach links springendes Pferd. Es ist mit einer Rahmung aus Blumen und Bandwerk versehen.
Das Haus befand sich auf der Ostseite der Hartstraße, an deren südlichem Ende in einer Ecklage zur Dreienbrezelstraße. Heute ist der ehemalige Standort des Gebäudes mit dem Straßenbereich der Ernst-Reuter-Allee überbaut.
1631 wurde Kammersekretär Joachim Schmidt als Eigentümer des Hauses geführt, der auch noch 1647 genannt wurde. In diesem Jahr übernahm es der Brauer Christian Pohlmann, der noch im gleichen Jahr die Dreienbrezelstraße 12b hinzu erwarb. Pohlmann bebaute die Fläche 1648/1649. Er trat das Brauhaus 1651 an den Brauer Jobst Böckmann für 1000 Taler ab. 1656 nahm es Pohlmann jedoch zurück. Er vermietete es an den Brauer David Schmidt. Im Jahr 1683 wurde die Witwe des Lic. Joachim Pohlmann als Eigentümerin genannt, 1688 und 1698 dann Johann Friedrich Thinkel (auch Tünkel). Der Chirurg Heinrich Friedrich Dieckmann erwarb es 1702 für 2400 Taler von den Erben Tinkels. Dessen Witwe gehörte es noch bis 1723. In der Zeit um 1823 war der Brauer und Branntweinbrenner Christian Rabe Eigentümer des Brauhauses. Ab 1935 lebte die jüdische Familie Treu im Haus. Die Eltern Erwin und Martha sowie die Kinder Eckard Martin und Eva Henriette wurden in das KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet. Vier 2012 für sie verlegte Stolpersteine erinnern an ihr Schicksal.Wir erinnern an Ehepaar Treu und seine Kinder (PDF; 0,2 MB). In: magdeburg.de. Abgerufen am 6. Februar 2026.
Noch 1944/1945 befand sich der Hausstein von 1729 am Gebäude. Der Stein wurde nach der Zerstörung vom Team um Werner Priegnitz geborgen. Es wurde dann jedoch aufgrund des schlechten Zustands des Steins von der Firma Paul Schuster eine Replik angefertigt, die dann am Neubau Hartstraße 2 angebracht wurde.Günter Hammerschmidt, Häuser mit Hauszeichen in der ehemaligen Altstadt von Magdeburg, Magdeburg 2004, Seite 105 f.
Zur goldenen Tasche mini|Hausstein Zur goldenen Tasche Der Hausstein Zur goldenen Tasche befand sich ursprünglich am Haus Zur goldenen Tasche, Hartstraße 6. Das historische Haus Hartstraße 6 befand sich in etwa am jetzigen Standort des Haussteins und wohl etwas südlich hiervon. Jetzt ist der Stein mittig am Torbogen der Hausdurchfahrt des Hauses Hartstraße 2, 3 angebracht. Der Stein zeigt eine Tasche und trägt die Inschrift Zur guldern Taschen G. H. 1672.
1631 und auch 1661 war Hans Grothe (auch Grosse) Eigentümer des Hauses. Das 1661 noch wüste Grundstück wurde in der Zeit bis 1670 neu bebaut. In diesem Jahr veräußert die Witwe von Philipp Schubbe das Haus für 260 Taler an Georg Herold. 1683 stand es im Eigentum der Witwe von Johann Diederich. Für 1676 und 1688 ist belegt, dass das Haus samt Braurecht an Johann Jahn verpachtet war. Der Handelsmann Johann Dircks erbte das Gebäude von seinem Vater und veräußerte es 1694 für 1400 Taler an den Gastwirt Henning Karsten (auch Kersten), von dem es 1722 der Pfarrer Johann Albrecht Oldenbruch erwarb. In der Zeit um 1823 gehörte das Haus und die Brauerei der Braumeisterin Fr. Sophie Müller. Noch 1942/1943 befand sich im Haus die Gastwirtschaft Zur goldenen Tasche. Eigentümerin war die Gastwirtin Marie W. Trint. Der Hausstein Zur goldenen Tasche war auch noch 1944/1945 am Gebäude angebracht. Nach der Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg wurde der Stein von einem Team unter Werner Priegnitz geborgen und später an dem – in der Nähe des ehemaligen Standortes – neu errichteten Haus Hartstraße 2, 3 oberhalb der Einfahrt angebracht.Günter Hammerschmidt, Häuser mit Hauszeichen in der ehemaligen Altstadt von Magdeburg, Magdeburg 2004, Seite 179.
Zur goldenen Gans mini|Hauszeichen Zur goldenen Gans Der Hausstein Zur goldenen Gans befand sich ursprünglich am Haus Zur goldenen Gans, Breiter Weg 160. Das Haus befand sich auf der Westseite des Breiten Wegs, im nördlichen Teil des heutigen Ulrichshauses. Das heutige Exemplar des Haussteins ist eine von Paul Schuster angefertigte Replik und jetzt über dem Hauseingang Hartstraße 3 angebracht. Der Stein zeigt eine nach links blickende Gans und die Inschrift Zur guldenen Ganß 1760 1954.
Vor 1629 gehörte das Haus den Erben von Andreas Thiele, von 1629 bis 1647 dann Matthias Lutteroth. Es ist überliefert, dass zwei Kinder Lutteroths, eine Tochter und ein Sohn, nach der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 im November 1631 in Lübeck um eine Beisteuer zur Finanzierung einer Reise baten. Die Tochter war mit dem Kapitän und wohl schwedischen Offizier Johann Schultze verheiratet. Sie wollten ihren Ehemann in Schweden suchen. Lutteroth veräußerte die Stätte 1647 für 400 Taler an den Schwertfeger Georg Hoffmann und den Seiler Christian Schwabe. Zum Grundstück gehörte auch die benachbarte Nummer 161. Hoffmann hatte bereits zuvor eine Hütte auf dem Grundstück errichtet. Die beiden teilten dann das Grundstück. Hoffmann übernahm die 160, Schwabe die 161 (siehe dort). Hoffmann wurde zuletzt 1653 erwähnt. Im Jahr 1677 veräußerte Mathias Wrede die Stätte für 350 Taler an den Sattler Joachim Blume, der in der Zeit bis 1685 verstarb. Danach gehörte das Haus dem Sattler Johann Holster. Es wird angenommen, dass er der zweite Ehemann der Witwe Blume war. Von ihm erwarb es 1719 für 800 Taler der Zinngießer Heinrich Kittmann, der bis 1727 Eigentümer blieb. Möglicherweise ist das Haus mit dem als wilde Gans bezeichneten Gebäude identisch. 1803 gehörte das Haus C. Heyroth, um 1823 dem Zinngießer Wilhelm Köpcke, 1832 dem Kaufmann Carl Heyroth. Im Jahr 1832 wurde die dreiachsige Fassade des viereinhalbgeschossigen Gebäudes umgebaut. 1845 wurde die Witwe Barbiér als Eigentümerin geführt. 1870 war der Kaufmann Loewenthal Eigentümer. Bereits in der Zeit vor 1888 wurden die benachbarten Grundstücke 161 und 162 gemeinsam neu bebaut. 1888 kam dann auch das Haus Nummer 160 hinzu. In diesem Zusammenhang wurde die Fassade umgebaut. 1911 erfolgte ein Ladenumbau im Erdgeschoss, 1912/1913 wurde das Gebäude in ein Hotel umgenutzt. 1914 und auch 1925 war der Rentner F. Nagel Eigentümer. Ein erneuter Ladenumbau fand 1932 statt. 1938 und 1940 gehörte das Haus dem Kaffeehausbesitzer F. Nagel, 1942/1943 den Nagelschen Erben. 1945 wurde das Gebäude zerstört. In der Zeit um 1960 wurde eine Kopie des Haussteins angefertigt und am Gebäude Hartstraße 3 angebracht.Günter Hammerschmidt, Häuser mit Hauszeichen in der ehemaligen Altstadt von Magdeburg, Magdeburg 2004, Seite 39.
Literatur Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 262 f.
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturdenkmal in Magdeburg Kategorie:Kleindenkmal in Sachsen-Anhalt Kategorie:Skulptur (Magdeburg)