mini|hochkant|Lobt in seinem Heiligthume in der Pilgerharfe „der gläubig getauften Christen und der Gemeinden des Herrn in Nordamerika“ (bereits 1854 gedruckt) Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut ist ein vor allem in freikirchlichen Kreisen verbreitetes geistliches Lied. Sein Text stammt vom baptistischen Gründervater Julius Köbner (1806–1884). Seine Melodie geht auf ein russisches Volkslied zurück; sie wurde unter anderem durch den irischen Komponisten John Andrew Stevenson (1761–1833) veröffentlicht.

Zum Verfasser und zur Melodie mini|hochkant|Die Glaubensstimme der Gemeine des Herrn (1849) enthielt 62 Köbner-Lieder. mini|hochkant|Feiern und Loben, das jüngste Gesangbuch (2003), enthält nur noch ein Köbner-Lied: Lobt in seinem Heiligtume Joseph Lehmann (1832–1907), Chronist der Anfänge des deutschen Baptismus, sah in Julius Köbner, dem Dichter des Liedes Lobt in seinem Heiligtume, „einen köstlichen Schatz“, den Gott „nicht nur der Hamburger Gemeinde, sondern auch den Gemeinden der Zukunft“ geschenkt habe.Die hier erwähnte „Hamburger Gemeinde“ wurde 1834 gegründet; sie ist die älteste deutsche Baptistengemeinde. Köbner wurde 1844 in Hamburg von Johann Gerhard Oncken zum Prediger ordiniert; siehe Holger Kelbert: Julius Johannes Wilhelm Köbner. Überblick über Leben und Werk. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religionsfreiheit. Festschrift zum 200. Geburtstag von Julius Köbner. WDL-Verlag: Berlin, 2006. S. 15–33; hier: S. 16.Joseph Lehmann: Geschichte der deutschen Baptisten (Erster Teil: Bildung, Ausbreitung und Verfolgung der Gemeinden bis zum Anbruch wirklicher Religionfreiheit im Jahre 1848). Baptistische Verlagsbuchhandlung J. G. Oncken Nachf. (Phil. Bickel): Hamburg, 1996. S. 56. „Diese Charakterisierung“ – so der Hymnologe Günter Balders – „trifft zu, aber nur noch für die Gemeinden der Vergangenheit.“ Von den zahlreichen erbaulichen, praktisch-theologischen und apologetischen Werken und der umfangreichen Liederdichtung ist im praktischen Leben der Gemeinden eigentlich nur noch das Lied Lobt in seinem Heiligtume übrig geblieben. Alles andere beschäftigt die historische Forschung und findet sich nur noch in Bibliotheken, Antiquariaten und in den Bibliotheken einiger kirchengeschichtlich Interessierter.Günter Balders: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut. Julius Köbner als Herausgeber der „Glaubensstimme“ und als Liederdichter. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religionsfreiheit. Festschrift zum 200. Geburtstag von Julius Köbner. WDL-Verlag: Berlin, 2006. S. 65f.

Zum Verfasser Julius Köbner gehörte zur Gründergeneration der deutschen Baptisten und hat sich in der frühen Phase seiner Freikirche unter anderem um den Gemeindegesang verdient gemacht. Im ersten Gesangbuch der deutschen Baptisten, das 1849 erschien und dessen Zusammenstellung sowie Herausgabe von Köbner besorgt wurden, gingen 62 Liedtexte auf den baptistischen Gründervater zurück.Günter Balders: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut. Julius Köbner als Herausgeber der „Glaubensstimme“ und als Liederdichter. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religionsfreiheit. Festschrift zum 200. Geburtstag von Julius Köbner. WDL-Verlag: Berlin, 2006. S. 73. Die 13. Auflage der baptistischen Glaubensstimme für die Gemeinden des Herrn (erschienen 1914) wies noch 49 Köbner-Lieder aus.Bund deutscher Baptistengemeinden (Hrsg.): Glaubensstimme für die Gemeinden des Herrn. Verlagshaus der deutschen Baptisten: Kassel, 1914 (13. verbesserte Auflage). S. 680f. In der Glaubensstimme für Gemeinde und Haus von 1963 fand nur noch knapp die Hälfte davon eine Aufnahme.Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Hrsg.): Glaubensstimme für Gemeinde und Haus. J. G. Oncken Nachf.-Verlag: Kassel, 1963. Siehe Anhang: Verzeichnis der Liederdichter unter Julius Köbner. Die Gemeindelieder, 1978 gemeinsam vom BEFG und vom BFeG herausgegeben, enthalten noch drei Lieder Julius Köbners.Günter Balders: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut. Julius Köbner als Herausgeber der „Glaubensstimme“ und als Liederdichter. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religionsfreiheit. Festschrift zum 200. Geburtstag von Julius Köbner. WDL-Verlag: Berlin, 2006. S. 73. In Feiern und Loben, dem seit 2003 aktuellen Gesangbuch des BEFG und des BFeG, findet sich nur noch ein einziges Köbner-Lied, nämlich das hier behandelte Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut.BEFG/BFeG (Hrsg.): Feiern und Loben. Hänssler Verlag: Holzgerlingen, Bundes-Verlag: Witten; Oncken Verlag:Kassel, 2003. ISBN 3-7893-7825-9 (Hardcover). S. 747; SP II. Es gilt als der „Spitzenreiter“ unter Köbners geistlichen Gesängen. Es wurde seit 1849 in 16 Gesangbüchern aufgenommen und wird bis heute „immer noch gern gesungen, vor allem bei Gemeindefesten aller Art“.Zitat aus Günter Balders: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut. Julius Köbner als Herausgeber der „Glaubensstimme“ und als Liederdichter. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religionsfreiheit. Festschrift zum 200. Geburtstag von Julius Köbner. WDL-Verlag: Berlin, 2006. S. 85. Auch bei freikirchlichen Gläubigentaufen findet sich das Lied nicht selten im gottesdienstlichen Programm, obwohl Köbner das Lied nicht für diesen Anlass gedichtet hat. Grund dafür ist die dritte Strophe des Liedes, deren Text zum ersten Mal 1969 in den Zionsliedern der Freien Brüdergemeinde Kirchlengern abgewandelt wurde. Im Originaltext lautete die dritte Zeile: „Rühmt im Schmucke weißer Seide (…)“. Daraus wurde in Kirchlengern sowie ab 1978 in den freikirchlichen Gesangbüchern unter Berufung auf „Rühmt geschmückt im weißen Kleide“. Dass damit auch die in der Regel weiß gekleideten Täuflinge assoziiert werden, liegt auf der Hand.Siehe dazu Günter Balders: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut. Julius Köbner als Herausgeber der „Glaubensstimme“ und als Liederdichter. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religionsfreiheit. Festschrift zum 200. Geburtstag von Julius Köbner. WDL-Verlag: Berlin, 2006. S. 85; Anmerkung 42.

Zur Melodie Dass das Köbner-Lied die vielen Jahrzehnte seit seiner Entstehung überdauert hat und noch immer gesungen wird, liegt vermutlich auch an seiner Melodie. Die Quellen schweigen bislang darüber, woher Julius Köbner sie kannte. Sie wird auf ein vom Text her unbekanntes russisches Volkslied zurückgeführt. Größere Bekanntheit erlangte sie als Abendlied („Vesper Hymn“) im englischen Sprachraum. Um 1818 erschien sie in der Selection of Popular National Airs des irischen Kirchenliedkomponisten John Andrew Stevenson.hymnary.org: Tune Vesper Hymn; abgerufen am 6. Februar 2026.Zu Stevenson siehe james-joyce-music.com: Sir John Stevenson; abgerufen am 6. Februar 2026. Sie ist dort mit und ohne Wiederholung der ersten beiden Zeilen überliefert. Später wurde sie häufig, wenn auch wohl unzutreffend, als Russischer Vesperchor Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski zugeschrieben. Deutsche Übersetzungen lauten Horch die Wellen tragen bebend sanft und rein den Vesperchor (Ferdinand Freiligrath), Horch die Abendhymne schallet oder Süßer Heiland dir gehöret aller Menschen Dank und Ruhm. Eine frühe Übertragung dieses Abendliedes in die deutsche Sprache beruht auf der Fassung von Samuel Longfellow (1819–1892) Now, on land and sea descending.Zu Longfellow siehe Joseph C. Abdo: The Quiet Radical: The Biography of Samuel Longfellow. Tenth Island Editions: Lissabon (Portugal), 2008. ISBN 978-972-99858-2-9.Now on land and sea descending auf hymnary.org, abgerufen am 12. Februar 2026 Sie findet sich seit 2002 unter der Nummer 611 im Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche.

In Köbners erstem Melodienbuch zur Glaubensstimme, das 1850 erschien, ist dem Lied noch eine vierzeilige Coda beigefügt. In der Notenausgabe der Neuen Glaubensstimme wurde aber auf sie verzichtet.Günter Balders: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut. Julius Köbner als Herausgeber der „Glaubensstimme“ und als Liederdichter. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religionsfreiheit. Festschrift zum 200. Geburtstag von Julius Köbner. WDL-Verlag: Berlin, 2006. S. 86f.

Zum Text Das Lied ist – abgesehen von seinem Refrain – als sogenannte Romanzenstrophe verfasst, einer Gedichtsform, die „in der deutschen Gefühlslyrik des 19. Jahrhunderts weit verbreitet war“.Günter Balders: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut. Julius Köbner als Herausgeber der „Glaubensstimme“ und als Liederdichter. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religionsfreiheit. Festschrift zum 200. Geburtstag von Julius Köbner. WDL-Verlag: Berlin, 2006. S. 85. Gedichtsstrophen dieses Genres haben jeweils vier Zeilen aus trochäischen Vierhebern, die in der Regel über Kreuz gereimt sind. Zu den Kennzeichen einer Romanzenstrophe gehört auch, dass die einzelnen Zeilen abwechselnd einen „weiblichen“ und einen „männlichen“ Versschluss haben.Otto Knörrich: Lexikon lyrischer Formen (= Kröners Taschenausgabe. Band 479). 2., überarbeitete Auflage. Kröner: Stuttgart, 2005. ISBN 3-520-47902-8. S. 194f. Lobt in seinem Heiligtume / den, der große Wunder tut, der zu seinem höchsten Ruhme / bei erlösten Kindern ruht. Halleluja, halleluja, / halleluja, amen.

Lobet ihn mit Freudentränen, / preiset ihn mit Harfenklang. Lasst uns unsern König krönen, / schalle ihm, o Lobgesang. Halleluja, halleluja, / halleluja, amen.

Jauchzet ihm mit ewger Freude, / die ihr seinen Odem habt. Rühmt, geschmückt im weißen Kleide, / den, der euch so hoch begabt. Halleluja, halleluja, / halleluja, amen.

Biblische Bezüge Ein augenfälliger Bezug des Köbner-Liedes besteht zu Psalm 150.christliche-gedichte.de: Lobt in seinem Heiligtume. Anbetungslied zu Psalm 150,1; abgerufen am 6. Februar 2026. Auf ihn verweisen die erste Liedzeile (Lobt in seinem Heiligtume / Lobet Gott in seinem Heiligtum), der „Odem“ (Strophe 3), der im letzten Vers des Psalms 150 erwähnt wird (Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! sowie das Halleluja, das im Refrain des Liedes dreimal ertönt und den Psalm 150 sowohl einleitet als auch beschließt.

In Gesang- und Liederbüchern (Auswahl) Gesangbuch Erschienen Nummer Konfessionelle Ausrichtung Sonntagsschul-Gesangbuch der Reformierten Kirche in den Vereinigten Staaten 1876 206 Deutschsprachige Reformierte in den USA Frohe Lieder und Brüder-Harfe 1898 1 Böhmische / Moravische Brüderkirche (Herrnhuter) Die Weckstimme 1907 239 Deutschsprachige Baptisten in den USA Glaubensstimme für die Gemeinden des Herrn 1914 244 baptistisch Neues Singvögelein 1930 12 baptistische / freikirchliche Sonntagsschule Glaubensstimme für Gemeinde und Haus 1963 153 baptistisch Gemeindelieder 1978 44 freikirchlich Gemeinschaftslieder für Gemeinde und Familie 1995 15 Gemeinschaftsbewegung Singt mit uns! 2002 29 überkonfessionell Feiern und Loben 2003 32 freikirchlich Liederbuch (Band 1) 2016 37 freikirchlich, russlanddeutsche Gemeinden

Weblinks christliche-gedichte.de: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut liederdatenbank.strehle.de: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut hymnary.org: Lobt in seinem Heiligtume Elsa und Ernst August Eicker mit gemischtem Chor: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut

Literatur Günter Balders: Lobt in seinem Heiligtume den, der große Wunder tut. Julius Köbner als Herausgeber der „Glaubensstimme“ und als Liederdichter. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religionsfreiheit. Festschrift zum 200. Geburtstag von Julius Köbner. WDL-Verlag: Berlin, 2006. ISBN 3-932356-90-X. S. 65–92.

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Kirchenlied (protestantisch) Kategorie:Baptismus in Deutschland