Paul Dorbritz (* 13. Februar 1850 in BerlinVgl. Handbuch für das Deutsche Reich auf das Jahr 1906, Berlin 1906, S. 32.; † 21. September 1909 ebendaDeutsches Kolonialblatt. Amtsblatt für die Schutzgebiete in Afrika und der Südsee, 20. Jahrgang (1909), S. 950 (Todesanzeige/Nachruf).) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Kolonialbeamter. Er war Bezirksamtmann in Kamerun und zuletzt Vortragender Rat im Reichskolonialamt. In der aktuellen Provenienzforschung ist Dorbritz durch seine umfangreichen Sammlungen ethnographischer Objekte aus der Region Kribi bekannt.

Leben und Wirken Ausbildung und preußischer Staatsdienst Paul Dorbritz wurde 1850 in Berlin geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und trat anschließend in den preußischen Justizdienst ein. 1872 wurde er zum Auskultator (Referendar) ernannt, 1878 folgte die Ernennung zum Gerichtsassessor.

In den 1880er Jahren wechselte er von der Justiz in die allgemeine Verwaltung. 1883 wurde er Regierungsassessor bei der Regierung in Merseburg. Seine Karriere führte ihn später in die Zentralverwaltung des Deutschen Reiches. Ab 1890 war er als Regierungsrat im Reichsversicherungsamt tätig, bevor er 1894 als „Ständiger Kommissar“ in das Reichsamt des Innern wechselte. Dort war er unter anderem mit Fragen der Sozialgesetzgebung befasst.

Tätigkeit in Kamerun 1903 wechselte Dorbritz in den Kolonialdienst und wurde in das Schutzgebiet Kamerun entsandt. Er übernahm die Leitung des Bezirksamts Kribi an der Südküste Kameruns. Kribi war zu dieser Zeit ein bedeutender Handelsplatz für Kautschuk und Elfenbein sowie Ausgangspunkt für Karawanenwege ins Landesinnere.

Als Bezirksamtmann vereinte Dorbritz die exekutive Gewalt und die richterliche Funktion (Bezirksrichter) in seiner Person. In seine Amtszeit fielen der Ausbau der kolonialen Infrastruktur im Bezirk Kribi sowie die administrativen Maßnahmen zur Kontrolle der lokalen Bevölkerungsgruppen, insbesondere der Batanga, Ngumba und Fang.

Rückkehr und Tod Nach vierjähriger Dienstzeit in Afrika kehrte Dorbritz 1907 nach Berlin zurück. Er wurde als Vortragender Rat in das neu geschaffene Reichskolonialamt unter Staatssekretär Bernhard Dernburg berufen. Im Jahr 1909 wurde ihm der Charakter eines Geheimen Regierungsrates verliehen. Paul Dorbritz verstarb noch im selben Jahr am 21. September 1909 in Berlin im aktiven Dienst.

Bedeutung für ethnologische Sammlungen Während seiner Dienstzeit in Kribi (1903–1907) legte Dorbritz eine systematische Sammlung ethnografischer Objekte an. Dies entsprach der damaligen Anweisung an Kolonialbeamte, materielle Kultur der Kolonisierten für die Museen im Mutterland zu sichern. Dorbritz überwies insgesamt 676 Inventarnummern an das Museum für Völkerkunde Berlin (heute Ethnologisches Museum). Seine Sammlung umfasst Alltagsgegenstände, Waffen, Musikinstrumente und religiöse Objekte aus dem Süden Kameruns. Er belieferte auch das Linden-Museum (damals das Museum für Länder- und Völkerkunde des Württembergischen Vereins für Handelsgeographie), um dortige Bestände aus der Region Kribi zu ergänzen.Bärbel Küster (Hrsg.): Kamerun im Spiegel der deutschen Kolonialzeit. Gedächtnis-Formen und Wissens-Kontexte. Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München (Band 35). München. 2015. ISBN 978-3-9806071-9-3. S. 115.

In der modernen Provenienzforschung, insbesondere im Rahmen des Projekts „Atlas der Abwesenheit“ (2023), wird Dorbritz als ein zentraler Akteur des kolonialen Kulturguterwerbs in Kamerun genannt. Die Umstände des Erwerbs der Objekte – ob durch Kauf, Beschlagnahmung im Rahmen von Strafexpeditionen oder als diplomatische Geschenke unter Zwang – sind Gegenstand aktueller Untersuchungen zur Restitution von Kulturgütern kolonialer Herkunft.Mikaél Assilkinga, Lindiwe Breuer et al. (Hrsg.): Atlas der Abwesenheit. Kameruns Kulturerbe in Deutschland. Reimer Verlag, Heidelberg 2023, ISBN 978-3-496-01700-4, S. 42 ff.

Literatur Bärbel Küster (Hrsg.): Kamerun im Spiegel der deutschen Kolonialzeit. Gedächtnis-Formen und Wissens-Kontexte. Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München (Band 35). München. 2015. ISBN 978-3-9806071-9-3. Biographische Angaben zu P. Dorbritz auf S. 113–115.

Einzelnachweise

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