Arnold Leutwyler (in spanischsprachigen Quellen auch Arnoldo Leutwyler; * 1862 in Reinach, Aargau; † 1949 ebenda) war ein schweizerischer evangelischer Pfarrer und Pädagoge. Er wirkte in Traiguén im Süden Chiles und gründete dort ein Waisenhaus sowie eine landwirtschaftliche Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche der Region Araukanien, denen er eine religiöse Erziehung und praktische Ausbildung ermöglichte.
Leben Arnold Leutwyler wurde 1862 in Reinach im Kanton Aargau geboren. Schon in jungen Jahren zeigte er ein starkes religiöses Interesse und studierte Theologie.
1887 erfuhr Leutwyler durch den Schweizer Geistlichen François Grin, der die schweizerischen Gemeinden im Süden Chiles besucht hatte, vom religiösen und sozialen Mangelzustand unter den dort lebenden Einwanderern. Daraufhin entschloss er sich, gemeinsam mit seiner Ehefrau Lina Sofia Bardy, die als Lehrerin tätig war, als evangelischer Pfarrer nach Chile zu gehen. 1889 ließ sich das Ehepaar in Traiguén in der Region Araukanien nieder.
In den folgenden Jahren bereiste Leutwyler die umliegenden schweizerischen Siedlungen, die Teil der europäischen Besiedlung der Region Araukanien waren, und stellte fest, dass viele Kinder von Einwanderern keinen Zugang zu formaler Bildung hatten, unter anderem aufgrund sprachlicher Barrieren. Zugleich beobachtete er einen deutlichen Anstieg verwaister Kinder infolge von weit verbreiteten Krankheiten wie Typhus, Cholera, Pocken und Lungenentzündung sowie aufgrund der sozialen Spannungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen, die die Region Araukanien im Zuge ihrer staatlichen Eingliederung und Umstrukturierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts prägten. mini|Haupteingang des Liceo Agrícola y Forestal Suizo „La Providencia“ (2026) Nach dem Auslaufen seines Pfarrvertrags im Jahr 1892 entschied sich Leutwyler, in Chile zu bleiben. Mit Unterstützung der chilenischen Regierung erhielt er ein Grundstück von etwa 80 Hektar in der Nähe von Traiguén (Tricauco), auf dem er am 29. April 1893 das Waisenhaus und Kolleg „La Providencia“ gründete. Die Einrichtung hatte zum Ziel, verwaiste und sozial benachteiligte Kinder aufzunehmen und ihnen eine schulische sowie religiöse Ausbildung zu ermöglichen.
Durch weitere finanzielle Unterstützung, insbesondere durch den Protestantisch-kirchlichen Hilfsverein der Schweiz sowie ergänzende Beiträge aus der Schweiz, konnte die Infrastruktur der Anstalt erweitert und ein Internatsbetrieb eingerichtet werden. Am 18. Juli 1897 gründete Leutwyler die Sociedad Protectora del Huérfano (Gesellschaft zum Schutz der Waisen), deren Direktor er bis 1909 war. Die Einrichtung entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer bedeutenden Bildungsstätte und bildete später die Grundlage für eine landwirtschaftliche Ausbildungseinrichtung, die bis heute besteht.
Ein schwerer persönlicher Einschnitt war der Tod seines einzigen Sohnes im Jahr 1926, der auf dem Friedhof von Angol in Chile beigesetzt wurde. Infolge dieses Ereignisses kehrte Arnold Leutwyler 1929 in die Schweiz zurück. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre in einem Altersheim in seiner Heimatgemeinde Reinach, wo er 1949 im Alter von 87 Jahren verstarb.
Einzelnachweise
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