Die Generalkapitanat von Puerto Rico (spanisch: Capitanía General de Puerto Rico) war ein Verwaltungsbezirk des Spanischen Reiches, der 1582 eingerichtet wurde, um eine bessere militärische Verwaltung der Insel Puerto Rico zu gewährleisten. Seine Gründung war Teil des letztlich vergeblichen Versuchs der Habsburger im späten 16. Jahrhundert, das Eindringen konkurrierender europäischer Weltmächte in die Karibik zu verhindern. Das Generalkapinat bestand in Puerto Rico bis 1898, als eine autonome Provinzregierung unter der Leitung eines Generalgouverneurs und eines Inselparlaments eingerichtet wurde, Monate bevor Spanien Puerto Rico 1898 nach seiner Niederlage im Spanisch-Amerikanischen Krieg an die Vereinigten Staaten abtreten musste.
Geschichte Im Jahr 1508 wurde Juan Ponce de León von den Katholischen Königen mit der Kolonisierung von Puerto Rico beauftragt. Nach der erfolgreichen Gründung der Stadt Caparra (am Standort des heutigen Guaynabo) wurde er 1509 vom Regenten von Kastilien, Ferdinand V., zum ersten Gouverneur ernannt. Seit dem Tod von Christoph Kolumbus im Jahr 1506 hatte die spanische Krone sich geweigert, das Recht seiner Erben anzuerkennen, Gouverneure für Westindien zu ernennen, doch 1511 entschied der Rat von Kastilien zugunsten von Diego Kolumbus. Infolgedessen verlor Ponce de León seine Position und verließ die Insel, da er nicht unter Kolumbus dienen wollte. Von 1515 bis 1519 kehrte Ponce de León jedoch als Gouverneur auf die Insel zurück. Die Familie Columbus ernannte von da an bis 1536 Gouverneure in Puerto Rico, bis Diegos Sohn Luis Colón die Rechte zur Regierung der Insel an die Krone zurückverkaufte.
Von 1536 bis 1545 wurde die Insel vom Präsidenten der Real Audiencia von Santo Domingo verwaltet, der auch Generalkapitän der Karibikgebiete war. Das Inselgebiet wurde nicht als eine Einheit, sondern lokal von den alcaldes ordinarios der beiden Gemeinden der Insel, San Juan und San Germán, verwaltet. Aufgrund der strategischen Lage der Insel und der Konkurrenz mit anderen Mächten wurde die Befestigung verstärkt (z. B. durch den Bau von La Fortaleza 1540), obwohl die Insel über kaum wirtschaftliche Bedeutung verfügte. Mit der Gründung des Generalkapitanat Puerto Rico im Jahr 1582 verstärkte der Gouverneur und Generalkapitän Diego Menéndez de Valdés (1582–1593) die Verteidigungsanlagen rund um San Juan weiter. Um den Bau und die Vergrößerung der Garnison zu finanzieren, wurde eine jährliche Subvention, das situado, aus der königlichen Schatzkammer in Neuspanien angeordnet, obwohl das situado in den folgenden zwei Jahrhunderten oft nicht in Puerto Rico ankam. Die Insel diente auch als wichtige Bastion im Kampf Spaniens gegen die Piraterie seiner Rivalen in der Karibik, die Spanien in den nächsten zwei Jahrhunderten weiterhin plagte, wobei die Insel von einigen hundert spanischen Soldaten und Siedlermilizen verteidigt wurde.
Erschüttert durch die Verluste im Siebenjährigen Krieg, insbesondere durch die Eroberung Havannas durch die Briten im Jahr 1762, entsandte Karl III. mehrere Beamte in die Karibik, um die Verteidigungsanlagen der Region zu überprüfen. Alejandro O’Reilly wurde 1765 nach Puerto Rico entsandt. O’Reilly empfahl zahlreiche Reformen, von denen einige umgesetzt wurden: die Modernisierung der Befestigungsanlagen in San Juan, die Einführung einer direkten, regelmäßigen Bezahlung für die Soldaten auf der Insel (bis dahin wurden die Soldaten von ihren Kommandanten bezahlt) und die Professionalisierung der Milizen. Er schlug auch Maßnahmen zur Entwicklung der lokalen Wirtschaft vor. Er wollte unbewirtschaftetes Land an die Krone zurückgeben und es dann an Personen vergeben, die bereit waren, es zu bewirtschaften. 1784 wurde in Puerto Rico eine Intendanz geschaffen, die jedoch im Gegensatz zu der in Kuba nicht vom Gouverneursamt getrennt war. O’Reillys Reformen waren im militärischen Bereich am erfolgreichsten. Im Gegensatz zu Kuba (das ein erfolgreicher Exporteur von Tabak und Zucker wurde), blieb Puerto Rico jedoch von Subventionen aus Neuspanien abhängig.
Mit den im frühen 19. Jahrhundert auf dem amerikanischen Festland und dem spanischen Mutterland ausbrechenden Revolten änderte sich auch die Lage auf Puerto Rico. So entsendete die Insel eigene Cabildo in den Cortes von Cádiz und viele ökonomische Reformen überlebten die spätere Aussetzung der liberalen Verfassung von 1812. Nachdem der König von Spanien die traditionelle Regierungsform wiederhergestellt hatte, versuchte er, sich die Loyalität der Puerto Ricaner zu sichern, indem er der Insel eine begrenzte Form des lang ersehnten Freihandels gewährte. Das Real Cédula de Gracia von 1815 erfüllte viele der wirtschaftlichen Forderungen, die Power und die Cabildos der Insel seit 1810 gestellt hatten. Langfristig hatte das Dekret sehr positive wirtschaftliche Auswirkungen. Es förderte die Einwanderung von Europäern nicht spanischer Herkunft auf die Insel, leitete das Wachstum der Zuckerindustrie ein (was allerdings zu einem Anstieg der Sklavenimporte führte) und eine Reihe kompetenter Intendanten sorgte dafür, dass die Finanzen der Inselregierung für die kommenden Jahrzehnte auf eine solide Grundlage gestellt wurden.
Mit dem endgültigen Verlust Mexikos 1821 unterstand die Insel nicht mehr dem Vizekönigreich Neuspanien. In Justizangelegenheiten wurde Puerto Rico von 1832 bis 1853 eine eigene Audiencia gewährt. Zuvor wurden Berufungen von der ehemaligen Audiencia von Santo Domingo, die nun in Kuba ansässig war, verhandelt. Der Tod von Ferdinand VII. brachte neue Veränderungen mit sich. Regentin María Cristina berief die Cortes in ihrer traditionellen Form wieder ein, und Puerto Rico entsandte mehrere Abgeordnete, allesamt Liberale. 1836 wurde in Spanien die konstitutionelle Regierung wiederhergestellt. Diese Regierung betrachtete trotz ihrer liberalen Tendenzen die Überseegebiete als Kolonien, die durch Sondergesetze regiert werden sollten. Die demokratischen Institutionen wie die Diputación Provincial und die Cabildos, die durch die Verfassung von 1812 eingerichtet worden waren, wurden abgeschafft, und die dem Gouverneur gewährten Sonderbefugnisse blieben bestehen. Die neue Verfassung von 1837 bestätigte den herabgestuften Status Puerto Ricos.
Der La Gloriosa-Aufstand von 1868, durch den Königin Isabel II. entmachtet wurde, bestätigte zunächst das Recht der Einwohner Puerto Ricos auf Mitbestimmung in der spanischen Regierung. Die Insel wählte sieben Abgeordnete in die Cortes, die Diputación Provincial wurde neu gebildet und es wurden Pläne zur Ausarbeitung von Gesetzen zur Gewährung der Autonomie gemacht. Drei Faktoren machten diesen Fortschritt jedoch zunichte. Erstens war die Regierung in Spanien zu instabil (was sich darin widerspiegelte, dass Puerto Rico zwischen 1871 und 1874 fünf Gouverneure hatte). Zweitens bewies der kurzlebige Aufstand von Lares den Behörden, dass es in Puerto Rico viel Unzufriedenheit über die schlechte ökonomische Situation und die Unterdrückung liberaler Kräfte gab. Schließlich, und das war das Schwerwiegendste, fiel der Aufstand von Lares mit dem Zehnjährigen Krieg in Kuba zusammen, was die Spanier davon abhielt, einer der beiden Karibikinseln Autonomie zu gewähren. 1875 wurden die Bourbonen wieder eingesetzt, als die spanische Regierung Alfonso XII. den Thron anbot. In Puerto Rico wurden begrenzte Wahlen zugelassen, bei denen jedoch nur Personen mit großem Vermögen wahlberechtigt waren, und politische Parteien bildeten sich.
Die Frage der Autonomie spitzte sich 1895 mit dem Beginn des kubanischen Unabhängigkeitskrieges zu. Der Überseeminister unternahm 1897 mit Zustimmung des Premierministers den verfassungswidrigen Schritt, die Constitución Autonómica (Autonomie-Charta) zu verfassen, die den karibischen Inseln Autonomie gewährten. Angesichts der Dringlichkeit der Bewegung genehmigte die Regierung diese ungewöhnliche Maßnahme. Die neue Regierung sollte aus „einem Inselparlament, das in zwei Kammern unterteilt ist, und einem Generalgouverneur bestehen, der das spanische Mutterland vertritt und seine Aufgaben in deren Namen, der obersten Autorität, wahrnimmt“. Die Wahlen zum Parlament und zu den Gemeinderäten fanden Anfang 1898 statt. Die Insellegislative trat erstmals im Juli zusammen, nur acht Tage vor der Invasion der Insel durch die USA. Nach der Niederlage Spaniens annektierten die USA Puerto Rico als Territorium.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte Puerto Ricos Puerto Rico Kategorie:Gegründet 1582 Kategorie:Aufgelöst 1898