mini|Bernd Wehner bei der Arbeit an einer Kartonskulptur in seinem Atelier, 2018

Bernd Wehner (* 1943 in Steffansgrund) ist ein deutscher Bildhauer. Er lebt und arbeitet in Freiburg im Breisgau. Seine Arbeiten umfassen Skulpturen, Reliefs und Installationen und wurden seit den späten 1960er Jahren in Deutschland, Frankreich und der Schweiz ausgestellt.

Wehner ist insbesondere für materialbezogene, konzeptuelle Arbeiten bekannt, in denen er nichtkonventionelle Materialien wie Karton, Blei, Bitumen und Eisenoxid einsetzt.

Leben und Ausbildung Bernd Wehner wurde 1943 in Steffansgrund bei Breslau in Schlesien geboren. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs, während des Vorrückens der Roten Armee und der Belagerung Breslaus, verließ seine Familie die Region und ließ sich in Bayern nieder. Dort besuchte er später ein katholisches Internat in Bamberg. Er absolvierte 1963 eine Ausbildung im Bereich Grafikdesign und studierte von 1963 bis 1967 Kunst an der Werkkunstschule Augsburg bei Heinz Butz.

Nach Tätigkeiten als Bühnenassistent in München an der Bayerischen Staatsoper und beim Bayerischen Fernsehen sowie weiteren Bühnenassistenzen in Venedig und Bologna erlangte er 1973 unter Peter Dreher einen Abschluss an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Als Vater zweier Kinder ließ er sich anschließend in Freiburg im Breisgau nieder, wo er seit mehreren Jahrzehnten lebt und arbeitet.

Künstlerische Praxis Wehners Arbeiten wurden als formal reduzierte Auseinandersetzung mit Fragen von Wahrnehmung und Sicherheit beschrieben und erscheinen häufig in zurückhaltenden skulpturalen und installativen Formen. Einflüsse auf diese Themen wurden in Ausstellungstexten und Rezensionen mit seinen Kindheitserfahrungen von Vertreibung im Zweiten Weltkrieg sowie seiner Sozialisation im Nachkriegsdeutschland in Verbindung gebracht.

Wehner begann Ende der 1960er Jahre mit öffentlichen Ausstellungen seiner skulpturalen Arbeiten und etablierte sich in den folgenden Jahrzehnten mit Ausstellungen im süddeutschen und schweizerischen Raum. Seine Werke wurden unter anderem in Ausstellungen der Staatsgalerie Stuttgart gezeigt.Arnulf M. Wynen (Hrsg.): Bildkästen und Kastenbilder. Eine Bildform der modernen Objektkunst. Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart 1981, S. 74, Kat.-Nr. 118–120.

Seine Werke sind durch einen materialorientierten konzeptuellen Ansatz geprägt. Wehner verwendet nichtkonventionelle Materialien wie Karton, häufig in Kombination mit Blei, Bitumen und Eisenoxid. Konstruktionsweisen bleiben sichtbar, Oberflächen sind bewusst unpoliert ausgeführt. Seine Skulpturen werden als hochformatige Stelen und säulenartige Formen beschrieben, die aus Kartonkernen bestehen, mit Bleiblechen verkleidet und mit Bitumen behandelt sind. In begleitenden Arbeiten auf Papier wird Rost als Pigment eingesetzt.

Karton bildet dabei das zentrale Material für seine skulpturalen Arbeiten. Die Arbeiten vermeiden dekorative Oberflächen; ihre „ungesicherte“ Erscheinung lässt Konstruktion und Montage bewusst sichtbar. Zu seinen Werkgruppen zählen Stelen aus recycelbaren Materialien sowie Reliefarbeiten aus kleinformatigen Kartonblöcken auf Holzträgern, die mit Eisenoxid behandelt sind und den Fokus auf Anordnung und räumliche Wirkung legen.

Rezeption Das Werk Bernd Wehners wurde in mehreren unabhängigen regionalen Zeitungen und Kulturpublikationen im Zusammenhang mit Ausstellungsbesprechungen behandelt. In der Badischen Zeitung wurden seine Skulpturen als Arbeiten beschrieben, die sich auf Materialpräsenz und strukturelle Klarheit konzentrieren. Hervorgehoben wurden die sichtbare Konstruktion und der Einsatz alltäglicher Materialien bei gleichzeitigem Verzicht auf illusionistische Oberflächenbehandlung. Ein weiterer Artikel der Badischen Zeitung zu einer Gruppenausstellung, an der Wehner beteiligt war, bezeichnete die Präsentation als „anregend“ und betonte die Ausgewogenheit und Anordnung der skulpturalen Formen.

In einer Rezension der Solothurner Zeitung aus dem Jahr 2020 wurden Wehners Stelen als „archaisch“ charakterisiert, ihre vertikalen Formen und schweren Oberflächen wurden dem leichten Kernmaterial gegenübergestellt. Weitere Besprechungen erschienen unter anderem in Kulturpublikationen wie Kunstmagazin Weltkunst sowie im Kultur Joker. Dort bezeichnete Susanne Meier-Faust Wehners Stelen und Reliefs als „Zeitzeugen“ und beschrieb die Arbeiten als zurückhaltend im Ausdruck mit einem Fokus auf Struktur, Oberfläche und Materialwiederverwendung Texte des Kunstkritikers Peter Nürmberger, veröffentlicht im Zusammenhang mit Ausstellungen in der Alten Brennerei Kunstgalerie und der Freiheitshalle Hof, hoben Wehners bewussten Verzicht auf Glätte und Illusion zugunsten sichtbarer Konstruktion und Materialspuren hervor.

Wehners Arbeiten wurden in mehreren Ausstellungskatalogen und Publikationen dokumentiert und fanden unter anderem 1976 eine Erwähnung in der Kunstzeitschrift Art Press (Paris). Der Künstler ist zudem im Nachschlagewerk Kleines Lexikon Karlsruher Maler von Leo Mülfarth (1987) verzeichnet. Arbeiten des Künstlers befinden sich im Bestand staatlicher Institutionen in Baden-Württemberg.

Sammlungen Arbeiten von Bernd Wehner befinden sich in öffentlichen Sammlungen, darunter in der Artothek des Deutschen Bundestages.

Im Zusammenhang mit Ausstellungen wurden Werke des Künstlers zudem in institutionellen Kontexten gezeigt, darunter in der Staatsgalerie Stuttgart.

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1975: Galerie Medici, Solothurn. 2006: Vom Prozess des Entstehens, Kunstkabinett Post / Galerie Bromberghof, Freiburg. 2014: Karton, Kunstpalais, Badenweiler. 2016: Objekte, Kunstraum Koch, Freiburg. 2020: Freitagsgalerie, Solothurn. 2022: Stelen und Reliefs, Podium Kunst e. V., Schramberg.

Gruppenausstellungen 1975: Galerie Bastida Navajo, Paris. 1975: Salon Grands et jeunes d’aujourd’hui, Grand Palais, Paris. 1976: Collagen, Städtische Galerie Villingen-Schwenningen. 1977: „Das grosse Format. 17. Jahresausstellung“, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden. 1977: Zeitgenössische Kunst im Deutschen Bundestag, Bundeshaus Bonn, Deutschland. 1981: Bildkästen und Kastenbilder. Eine Bildform der modernen Objektkunst, Staatsgalerie Stuttgart.Arnulf M. Wynen (Hrsg.): Bildkästen und Kastenbilder. Eine Bildform der modernen Objektkunst. Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart 1981, S. 74, Kat.-Nr. 118–120. 2013: Ausstellung anlässlich des Landkreisjubiläums, Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. 2016: Im unabgesicherten Modus, Reinhart-Cabinett / Freiheitshalle Hof. 2024–2025: Art Meets Art and Friends, Haus Salmegg, Rheinfelden.

Literatur Astrid Guderian: Bernd Wehner – Landscapes and Spaces. Ausstellungskatalog, Galerie Medici, Solothurn 1975. Leo Mülfarth: Kleines Lexikon Karlsruher Maler. Badenia-Verlag, Karlsruhe 1987, ISBN 3-7617-0250-7, S. ??? Bernd Wehner – Objekte. Arbeiten der Jahre 1996–2007. Mit Texten von Astrid Guderian und Susanne Meier-Faust. Ausstellungskatalog, Verlag kunst:druck, Freiburg 2007.

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Freiburg im Breisgau) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Mann